Ich denke, darum werbe ich

Timo Kirez, neuer CCO bei McCann-Erickson Schweiz, will die Agentur wieder in den Kreis der Hotshots zurückführen.

Timo Kirez, neuer CCO bei McCann-Erickson Schweiz, will die Agentur wieder in den Kreis der Hotshots zurückführen.
Was denkt ein Philosoph über Werbung, die wie Werbung aussieht? Nichts, vielleicht. Timo Kirez verursacht das «Normale» in der Werbung «physisches Unbehagen», sagt der neue Chief Creative Officer (CCO) im Schweizer Ableger des Agenturnetzwerks McCann-Erickson. Ergo will er Werbung treiben, «die einen Überraschungseffekt hat».Was das sein könnte, will das neue Mitglied der Geschäftsleitung von McCann-Erickson Schweiz noch nicht im Detail verraten. Der CCO, der zwischen den beiden Agentur-standorten Genf und Zürich pendelt, denkt aber intensiver als zuvor ans kreative Potenzial seiner neuen Mitarbeiter aus drei Kontinenten. «Mein Job wird es sein, diese Leute in ihrer Kreativität zu unterstützen.» Die klare Vorgabe: «Die Agentur wieder unter die ersten drei im Kreativranking bringen.»
Dieses Ziel will Kirez nicht «mit Bastelarbeiten» bei Award-Shows erreichen. Wenn schon, dann möchte er Kreativpreise für grosse Kunden gewinnen. «Wir haben Budgets von Opel, Microsoft oder Camel – auch mit diesen muss man gute Werbung machen können», ist er überzeugt.
Dass er dereinst kreative Werbekampagnen realisieren würde, stand nicht in den Sternen geschrieben. Eigentlich wollte Kirez Philosoph werden. Jedenfalls besuchte er an der Universität in Hamburg entsprechende Vorlesungen. Weil das Fach für sein Lebensgefühl aber «zu trocken» vermittelt wurde und ihm bald einmal das Geld auszugehen drohte, wandte er sich von Kant und Schoppenhauer ab und dem Verkaufen von Möbeln und der Aktienberatung per Telefon zu.
Das reichte fürs Feierabendbier, nicht aber fürs Gemüt. «Was kann ich beruflich eigentlich noch tun?», fragte sich der Studienabbrecher. In dieser Sinnkrise drückte ihm ein Freund eine Telefonnummer in die Hand. Am anderen Ende der Leitung meldete sich Jean-Rémy von Matt. Das war 1994 in Hamburg. «Dann ging alles sehr schnell und sehr gut.» Kirez wurde Texter, bevor er wusste, «was das überhaupt war».
Vier Jahre lang entwickelte sich der Quereinsteiger in der Agentur stetig weiter. Bis er abermals eine Telefonnummer in der Hand hielt. Géraldine hiess sie, war «Künstlerin mit Diplom» und Französin. Doch die Dame seines Herzens fühlte sich an der Waterkant zusehends unbehaglicher und stellte den Texter eines Tages vor die Wahl: entweder Frau oder Job.
Was macht ein Philosoph in solchen Fällen? Er wählt beides. Sie zogen um – nach Genf. Dort fühlen sie sich immer noch wohl, auch wenn Kirez wie zuvor schon weiterhin je die Hälfte der Zeit in Zürich und in der Westschweiz verbringen wird. «Zwischen den beiden Agenturen soll ein intensiver Austausch entstehen.»
Zu McCann-Erickson in Genf kam Kirez über Frank Bodin. Dem gefiel neben Kirez’ Referenzen auch die Tatsache, dass er aus familiären Gründen wechseln wollte. Denn Kirez war bei Jung von Matt inzwischen ein gefeierter Texter geworden.
Rückblickend meint er, die Kunst der Verführung nur deshalb so gut gelernt zu haben, weil er immer mit vielen interessanten Leuten zusammengearbeitet habe. «Bei allen schaut man sich irgendetwas ab, wenn man lange genug dabei ist.» Wichtig sei aber, dass man am Ende «seinen eigenen Stil» entwickelt.
Die Motivation bezieht der CCO aus dem Alltag der Werbung: «Man wird jeden Tag mit etwas Neuem konfrontiert.» Alles geht schnell und wird zielgerichtet erledigt. «Es liegt mir, in einem engen zeitlichen Spielraum Ideen zu entwickeln.» Hört man ihn dies sagen, denkt man sogleich, hier sei die Antithese zur Philosophie Mensch geworden. Das ist nicht falsch, «denn die Philosophie hat mir in der Werbung überhaupt nicht geholfen, im Gegenteil. Sie kann einem im Wege stehen.» Was für Kirez nicht bedeutet, dass er sich 24 Stunden lang damit beschäftigt, was andere kaufen könnten, das er angepriesen hat. «Man muss einmal in der Woche ausbrechen und über etwas anderes reden», gesteht er. Über Philosophie vielleicht?
Dürfte erst der zweite Schweizer Werber sein, der den Titel Chief Creative Officer trägt: Timo Kirez von McCann-Erickson.
Andreas Panzeri

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