Gut oder böse?
Gastkommentar Wird aus dem ehemals anarchisch-sympathischen Google eine Riesenkrake, fragt Gerti Schön.
Gastkommentar Wird aus dem ehemals anarchisch-sympathischen Google eine Riesenkrake, fragt Gerti Schön.Die Beobachter von Amerikas High-Tech-Welt beschäftigt derzeit vor allem eine Frage: Ist Google mit einem Engel oder dem Teufel gleichzusetzen? Sogar die zurückhaltende New York Times unterstellte Google, hinter einem «400 Milliarden Dollar schweren globalen Werbe-Honigtopf» her zu sein und damit jedes respektable Medienunternehmen zu bedrohen. Schlimmer noch: Niemand könne auf die Dauer Google das Wasser abgraben, nicht einmal Microsoft.Tatsächlich haben die Konkurrenten Grund zur Sorge: Seit einiger Zeit scheint Google sich als Werbebroker für sämtliche Medienplattformen zu positionieren. Letzte Woche wurde eine Zusammenarbeit mit einer ganzen Palette von Zeitungen angekündigt, die es werbetreibenden Unternehmen ermöglicht, über Google Anzeigen in diesen Blättern zu schalten. Mit dem Kauf von YouTube steht Google demnächst eine Videoplattform für den gleichen Zweck zur Verfügung.
Gemäss US-Bloggern plant Google die Produktion unterhaltsamer, von den Nutzern kreierter Videoclips, in die Werbebotschaften eingeflochten werden können. Ein Unternehmen, das Werbebuchungen im Radio ermöglicht, erwarb Google mit dMarc Broadcasting im Januar, und selbst der Einstieg in das Coupon-Business, in den USA ein nicht zu unterschätzendes Geschäft, wurde mit Hilfe von GoogleMaps im August angegangen.
Ob Google damit den etablierten Medienunternehmen unter die Arme greift, wie das im Fall der Zeitungskooperation scheint, oder ob es diesen den Hals zuschnürt, ist offen. «Es hängt alles davon ab, ob man glauben will, dass Google systematisch böse ist oder einfach nur opportunistisch», meint Peter Krasilovsky, Konsultant beim Medienkonzern Knight Ridder.
Wird aus dem ehemals anarchisch-sympathischen Google also die alles verschlingende Riesenkrake, die einen Grossteil des Werbekuchens unter sich und seinen Partnern aufteilt? Die Erfahrungen der Geschichte sehen anders aus. Man erinnere sich an die Krake Microsoft, die teils durch Regierungsinterventionen, teils durch die Konkurrenz in die Schranken gewiesen wurde. Dazu kommt eine fast unumgängliche Dynamik: Je weiter das Unternehmen wächst, desto schwerfälliger wird es – keine guten Voraussetzungen für den ständigen Innovationsdruck in der Branche.
Gerti Schön ist USA-Korrespondentin der Werbewoche.
Gemäss US-Bloggern plant Google die Produktion unterhaltsamer, von den Nutzern kreierter Videoclips, in die Werbebotschaften eingeflochten werden können. Ein Unternehmen, das Werbebuchungen im Radio ermöglicht, erwarb Google mit dMarc Broadcasting im Januar, und selbst der Einstieg in das Coupon-Business, in den USA ein nicht zu unterschätzendes Geschäft, wurde mit Hilfe von GoogleMaps im August angegangen.
Ob Google damit den etablierten Medienunternehmen unter die Arme greift, wie das im Fall der Zeitungskooperation scheint, oder ob es diesen den Hals zuschnürt, ist offen. «Es hängt alles davon ab, ob man glauben will, dass Google systematisch böse ist oder einfach nur opportunistisch», meint Peter Krasilovsky, Konsultant beim Medienkonzern Knight Ridder.
Wird aus dem ehemals anarchisch-sympathischen Google also die alles verschlingende Riesenkrake, die einen Grossteil des Werbekuchens unter sich und seinen Partnern aufteilt? Die Erfahrungen der Geschichte sehen anders aus. Man erinnere sich an die Krake Microsoft, die teils durch Regierungsinterventionen, teils durch die Konkurrenz in die Schranken gewiesen wurde. Dazu kommt eine fast unumgängliche Dynamik: Je weiter das Unternehmen wächst, desto schwerfälliger wird es – keine guten Voraussetzungen für den ständigen Innovationsdruck in der Branche.
Gerti Schön ist USA-Korrespondentin der Werbewoche.
