Gekröntes Lebenswerk

Vergangenes Wochenende wurden in London die Jahres-Awards 2001 des Art Directors Club of Europe (ADCE) vergeben (siehe auch Seite 6), und da gehörte natürlich auch ein Cocktailempfang dazu.

Vergangenes Wochenende wurden in London die Jahres-Awards 2001 des Art Directors Club of Europe (ADCE) vergeben (siehe auch Seite 6), und da gehörte natürlich auch ein Cocktailempfang dazu.VON BEAT FRITSCH Stattgefunden hat er im exklusiven Century-Club an der Shaftsbury Avenue, zu dem sonst Normalsterbliche keinen Zugang finden. Die Lokalität ist, für London typisch, ausschliesslich Members vorbehalten. Und das Erlangen einer Membership ist für Normalos schier unmöglich, weil schlicht unerschwinglich.
Denkbar auch, dass, als sich Clubmembers unter die ADCE-Gäste mischten, sich nicht nur Londoner Geldadel, sondern auch einige echte Lords und garantiert blaublütige Schönheiten darunter befunden haben. Dass Marx seine Theorien in London formulierte, liegt eigentlich auf der Hand. Noch heute ist die Klassengesellschaft in England nicht nur tägliche Realität, man kann sie sogar förmlich riechen.
Erstmals wurde anlässlich der ADCE-Jurierung ein so genannter Lifetime Achievement Award vergeben. Er ging an den deutschen Werber Othmar Severin, auch in der Schweiz kein Unbekannter. Er hat sich durch seine nationale und internationale Arbeit einen grossen Freundeskreis geschaffen, der auch in
die Schweiz reicht. Severin war nicht nur Gründungsmitglied des
ADCE, sondern auch dessen zweiter Präsident; ausserdem amtete er fünf Jahre als Präsident des deutschen ADC und war von 1988 bis 1998 Vorstandssprecher des germanischen Kreativclubs.
Seine berufliche Laufbahn startete der Honorierte 1949 bei McCann in Frankfurt, London und New York, für die er Ende der Fünfzigerjahre die TV-Produktionsabteilung aufbaute und leitete. 1963 übernahm er für ein Jahrzehnt die Position eines Chief Creative Officer bei Young & Rubicam, war danach vier Jahre lang Managing Director bei Leo Burnett, um sich schliesslich als Creative Consultant selbstständig zu machen. Severin, ein Werberurgestein, liess sich selbst durch einen Herzinfarkt – erlitten am Werbefilmfestival in Cannes – mit anschliessender Bypass-Operation nicht aus der Bahn werfen.
Heute wohnt der umtriebige und zeit seines Lebens enorm engagierte Kommunikationsfachmann mit seiner Frau Gi in Venedig, von wo er extra zur Entgegennahme des Preises nach London reiste. Dass er die Auszeichnung absolut zu Recht erhielt, zeigte insbesondere der minutenlange, nicht enden wollende Applaus, mit dem ihm die anwesenden Juroren und Kreativclub-mitglieder aus ganz Europa ihre Reverenz erwiesen.
Von vielen Juroren vermisst wurde übrigens in der Schweizer Delegation AY&R-CD Martin Spillmann, der vor der aktuellen Präsidentin Barbro Ohlson dem ADCE vorsass. Offensichtlich hat er in seiner Präsidialzeit so gute Arbeit geleistet, dass auch er den ADCE-Membern positiv in Erinnerung geblieben ist.

More articles on the topic