Gähn mir das Lied vom Fitness-Schlaf

Bettenmarkt Die Agentur Hochspannung soll Riposa mit einer kecken Teaserkampagne stärker verankern.

Bettenmarkt Die Agentur Hochspannung soll Riposa mit einer kecken Teaserkampagne stärker verankern.
Mindestens ein Drittel seines Lebens verbringt der Mensch schlafend und damit in aller Regel im Bett. Dass die Qualität der nächtlichen Unterlage auch Auswirkungen auf die Wachphasen hat, ist kein Geheimnis mehr. Immer mehr Menschen legen beim Kauf eines Bettes den Fokus auf den gesundheitlichen Aspekt einer Matratze oder eines Rostes. Das bestätigt Walter Schnellmann, Inhaber und Gründer der Riposa AG Swiss Sleep: «Die Schweizer Kundschaft verfügt über eine sehr hohe Sensibilität für das, was sie in ihr Bettgestell legt.»Erfolg in stagnierendem Markt
Im Jahr 2000 hat der einstige Bico-Chef gemeinsam mit Max Rickenbacher – auch er war zuvor bei Bico – die Firma im glarnerischen Bilten gegründet. Neben Matratzen produziert Riposa Swiss Sleep auch Roste und die Betten-Linie FlexBed. Obwohl der Bettwarenmarkt über kein Wachstumspotenzial mehr verfügt, sind Schnellmann und Rickenbach vom Erfolg ihrer «innovativen Denkfabrik für gesundes Schlafen» überzeugt. Über die angestrebten Ziele gibt Schnellmann gerne Auskunft: Nach der Verankerung im heimischen Markt wolle man die Qualitätsmarke Riposa Swiss Sleep auch im Ausland bekannt machen. Denn schliesslich seien die Schweizer «Weltmeister» im Matratzenbau, wie der Riposa-Inhaber weiss.
Das Weltmeister-Image gehört bei Riposa zur Firmenphilosophie. Dementsprechend hat sich das Unternehmen auch gleich einen mehrfachen Weltmeister als Kommunikations-Testimonial ausgesucht: Der ehemalige Radsport-Profi Urs Freuler unterstützt den Claim «Schlafen wie ein Weltmeister».
Gemeinsam mit verschiedenen Partnern konzipiert Riposa ihre Werbung in Eigenregie. «Ich habe keine Zeit, um mit Agenturen ins Gespräch zu kommen», gesteht Schnellmann, der bis Anfang dieses Jahres für das Marketing zuständig war. Seit neuestem zeichnet seine Tochter Iva für diesen Bereich verantwortlich. An der Strategie wird sich aber nichts ändern: «Wenn eine Agentur eine ausgefallene Idee hat, sind wir bereit, über eine Zusammenarbeit zu diskutieren», so der Riposa-Chef weiter.
Eine solche Idee hat die Zürcher Agentur Hochspannung vorgelegt. Die Teaserkampagne mit gähnenden Menschen brachte Medien und Publikum in den letzten zwei Wochen zum Rätseln. Die diversen Plakate zeigen Models aller Altersklassen, die herzhaft und anstandslos – da ohne vorgehaltene Hand – gähnen. Seit dem 26. April ist die Unhöflichkeit korrigiert und das Rätsel aufgelöst: «Schlafen Sie sich fit», fordert die Aufschrift im Zensurbalken.
Die Auflösung scheint allerdings nicht nicht für alle sehr eindeutig zu sein. So schreibt der Tages-Anzeiger in seiner Ausgabe vom 26. April , es stelle sich die Frage, wer eine Matratze wolle, die so müde macht. Dazu Schnellmann: «Vielleicht ist die Auflösung in der Kommunikation etwas zu wenig deutlich.» Trotzdem zeige die Anzahl der positiven Reaktionen, dass die Botschaft sehr wohl verstanden worden sei.
HochspannungDie unabhängige Zürcher Werbeagentur Hochspannung wurde im März 2003 von Matthew Katumba, zuletzt CD an der Expo.02, und Alex Taiganidis, zuvor Texter bei Guye Benker, gegründet. Obwohl die beiden Jungunternehmer in einem Krisenjahr und ohne Kunden starteten, lässt sich das Kundenportfolio heute sehen: Neben der Arbeit für Riposa AG betreut die Kreativagentur auch Phonak Schweiz AG, Hilti Schweiz AG, Bluewin sowie die Stadtpolizei Zürich, Trottomundo, Nielsen Optik und die KME. Im vergangenen Sommer machten die Hochspannung-Kreativen mit dem Second@s-Slogan «Wenn sich immer mehr Schweizer wie Neger fühlen, dann braucht der Nationalrat endlich einen echten» von sich reden. Die Agentur ist im Zürcher Kreis 3 domiziliert und beschäftigt heute
drei Mitarbeiter. (sk)
So oder so auffällig: Die Plakate sollen für fit machende Riposa-Produkte werben. Kritiker finden sie missverständlich.
Simone Keller

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