Freude trotz Krise

Rat und Tat des Bilan-Chefredaktors

Rat und Tat des Bilan-ChefredaktorsAuch die Medien sollten die Chance in der Krise nutzen und positive Zeichen für die Zukunft setzen, mahnte Alain Jeannet, Chefredaktor von Bilan, am Frühstückstreffen von Publimedia in Lausanne. Le Temps eröffnete im Spätherbst den Reigen der Sparmassnahmen. Zu Beginn des neuen Jahres reihte sich dann aber auch die Konkurrenz zu den Erbsenzählern unter den Medienhäusern. Entlassungen, frühzeitige Pensionierungen, Streichen von ganzen Beilagen oder einzelnen Seiten heissen die Rezepte, mit denen fehlende Werbeeinnahmen mindestens teilweise kompensiert werden sollen. Die Sparübungen gehen sogar so weit, dass etwa L’Hebdo per Anfang Jahr auf billigeres Papier umstellte und 24 Heures kurzerhand das Genfer Büro schloss. Durchwegs unerfreuliche, wenn nicht gar beängstigende Entwicklungen.
Nicht einstimmen in den allgemeinen Schwanengesang mag allerdings der Bilan-Chefredaktor Jeannet. Dies wurde am Frühstückstreffen der Publimedia an den Gestaden des Genfersees sofort klar. In seinem Referat machte Jeannet in der Krise durchaus auch Chancen aus. Und zwar sowohl für die Medienunternehmen als auch für deren Zeitungen und Zeitschriften. Um diese zu nutzen, braucht es aber auch Mut.
Plötzlich sind wieder mehr Topleute auf dem Markt
In der Folge zählte Jeannet diverse Fälle auf, bei denen von der Krise profitiert werden konnte. So habe Ringier in dieser kritischen Zeit nicht gezögert, die Jean Frey AG zu übernehmen. Und Cash habe erst kürzlich zusammen mit L’Hebdo die Lancierung der Wirtschaftsbeilage Value lanciert – trotz Krise. Aber auch von ausserhalb der Medienszene fügte Jeannet ermunternde Lichtblicke an.
Zum Beispiel habe Kudelski in dieser schwierigen Zeit seinen Kunden Eurostar mit einer Milliarde Franken ausgestattet, damit Letzterer seinen Konkurrenten aufkaufen kann. Und sogar vom Swissair-Debakel habe jemand profitiert. Die kleine, aber erfolgreiche Easy Jet habe die Gelegenheit genutzt, um Marktanteile von der Swissair zu übernehmen.
Um die aktuellen Schwierigkeiten weiter zu relativieren, stellte Jeannet Vergleiche an mit der Wirtschaftskrise Anfang der Neunzigerjahre. Genau damals habe sich Edipresse aufgemacht, ihr Engagement im Ausland massiv zu verstärken. Ebenfalls in jener Krisenzeit seien zudem zahlreiche kleinere und mittelgrosse Unternehmen gegründet worden.
Eine weitere Chance, die laut Jeannet der Krise zu verdanken sei: Toparbeitskräfte, nach denen man noch vor sechs Monaten vergeblich Ausschau gehalten habe, seien nun plötzlich zu haben. Anita Vaucher

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