Filmriss im Wasserglas

René Worni über unzufriedene Kinobetreiber und die Cinecom.

René Worni über unzufriedene Kinobetreiber.Werbegigant PubliGroupe ist allpräsent. So
auch in der Kinowerbung, die er in den rund 400 Schweizer Kinos
konkurrenzlos über die Tochtergesellschaft Cinecom abwickelt. Seit
Cinecom ein anderes Vertragsmodell einführen will, keimt Unmut bei den
Kinobetreibern. Die PubliGroupe-Tochter will, dass mit der Zeit alle
Kinos auf ihr Partizipationsmodell umsteigen.

Einige kleine Kinos haben ihre Verträge mit der Cinecom deshalb nicht
mehr erneuert und die Erfahrung gemacht, dass sie mit der
selbstständigen Vermarktung ihrer Leinwände besser fahren. Ein Effekt
dabei ist, dass lokale Kinowerbung mehr zum Zug kommt. Andere
unterschreiben die «Knebelverträge» mit der Cinecom unter Murren und
wollen sich nur noch kurzfristig an die Vermarkterin binden. Wären
Alternativen vorhanden, die Kinowerbung nicht über die Monopolistin
abzuwickeln, viele Kinobetreiber würden sofort zugreifen.

Doch warum gibt es keine Alternativen? Es ist noch nicht lange her,
seit Cinecom die elektronische Übermittlung der Werbefilme eingeführt
hat. Vorher flitzten die Filmrollen hin und her. Wer flächendeckend in
den Schweizer Kinos werben wollte, brauchte hunderte von Filmkopien.
Jetzt ist das anders. Wer das Monopol brechen will, muss also denselben
digitalen Standard bieten. Versuche, eine selbstständige Organisation
aufzubauen, seien im Gang, heisst es hinter vorgehaltener Hand.

In der Westschweiz hatte die französische Mediavision ab 1999
kontinuierlich einen Marktanteil von 50 Prozent aufgebaut. Doch bis in
die Deutschschweiz schafften es die Franzosen nie. Sie scheiterten am
technologischen Vorsprung der Cinecom, welche sich das Westschweizer
Geschäft von Mediavision einverleibte und diese so aus dem Markt
entfernte. Derzeit mag die Lage für einen neuen Anbieter günstig
scheinen, um gegen das Monopol der Cinecom anzutreten. Das könnte sogar
die Franzosen erneut auf den Plan rufen. Doch am Ende ist der Unmut ein
Sturm im Wasserglas, denn mit der Cinecom leben viele Kinobetreiber
immer noch gut.

René Worni

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