Feinde des Konsumterrors
Adbusters schlagen mit den Waffen der Werbung zurück
Adbusters schlagen mit den Waffen der Werbung zurückDer Konsum- und Mediengesellschaft Sand ins ökonomische Getriebe streuen: So lautet das erklärte Ziel der 1990 von Kalle Lasn in Vancouver gegründeten Adbusters (eine Wortkombination aus «Advertising» und «to bust» = zerschlagen). Die raffinierten Mit-tel zu diesem werbekritischen Zweck heissen «Subvertisments» respektive «Uncommercials» und sind Parodien auf real existierende Imagekampagnen amerikanischer Global Brands wie Philip Morris, Camel, Coca-Cola, Nike oder Calvin Klein.Eine subtile Form der Systemkritik
Diese Strategie ist ungleich witziger und somit effektvoller als moralinsaure Gegenwerbung, die vor allem in kirchlichen Kreisen oder von fundamentalistisch geprägten Pädagogen vertreten wird. Besonders im deutschen Sprachraum wird diese Position gelegentlich in Satiremagazinen wie Titanic oder Pardon verbreitet. Deren zumeist handgestrickte Slogans und Sujets greifen den Gegner aber frontal an und wirken deshalb zumeist grob, uninspiriert und banal – mit anderen Worten: Sie verfehlen ihre Wirkung.
Beim «Subvertising» hingegen werden Ästhetik und Image des Originals von Kreativprofis, die irgendwann vom Kommerzglauben abgefallen sind und mit den Adbusters die weltweit erste Antiwerbeagentur betreiben, mit geistreicher Ironie in ihr Gegenteil verkehrt.
«Werbebotschaften bis zur Kenntlichkeit entstellen», nennt Lasn diese subtile Form der Systemkritik. Ideologisch sind «die letzten Partisanen der Kommunikationsgesellschaft» (New York Times) trotz ihres sorgfältig gepflegten Rebellenimages kaum zu verorten. Diesen Eindruck bestätigt der oberste Adbuster in seiner leider (noch?) nicht auf Deutsch vorliegenden Programmschrift Culture Jam: «Wir sind nicht links oder rechts, wir sind einfach geradeaus.» Ein Rezept, das glatt aus dem Konzeptbuch eines Werbers stammen könnte … Oliver Classen
Kalle Lasn: Culture Jam. How to Reverse America’s Suicidal Consumer Binge – And Why We Must. Harper Collins, New York 2001.
Diese Strategie ist ungleich witziger und somit effektvoller als moralinsaure Gegenwerbung, die vor allem in kirchlichen Kreisen oder von fundamentalistisch geprägten Pädagogen vertreten wird. Besonders im deutschen Sprachraum wird diese Position gelegentlich in Satiremagazinen wie Titanic oder Pardon verbreitet. Deren zumeist handgestrickte Slogans und Sujets greifen den Gegner aber frontal an und wirken deshalb zumeist grob, uninspiriert und banal – mit anderen Worten: Sie verfehlen ihre Wirkung.
Beim «Subvertising» hingegen werden Ästhetik und Image des Originals von Kreativprofis, die irgendwann vom Kommerzglauben abgefallen sind und mit den Adbusters die weltweit erste Antiwerbeagentur betreiben, mit geistreicher Ironie in ihr Gegenteil verkehrt.
«Werbebotschaften bis zur Kenntlichkeit entstellen», nennt Lasn diese subtile Form der Systemkritik. Ideologisch sind «die letzten Partisanen der Kommunikationsgesellschaft» (New York Times) trotz ihres sorgfältig gepflegten Rebellenimages kaum zu verorten. Diesen Eindruck bestätigt der oberste Adbuster in seiner leider (noch?) nicht auf Deutsch vorliegenden Programmschrift Culture Jam: «Wir sind nicht links oder rechts, wir sind einfach geradeaus.» Ein Rezept, das glatt aus dem Konzeptbuch eines Werbers stammen könnte … Oliver Classen
Kalle Lasn: Culture Jam. How to Reverse America’s Suicidal Consumer Binge – And Why We Must. Harper Collins, New York 2001.
