Facebook auf Papier

LikeMag hat das geschafft, was allen Verlegern Mühe macht: mit Facebook Geld zu verdienen. Das erste Best-of-Social-Media-Print-Magazin (ja, Sie haben richtig gelesen, Print) publiziert alles Mögliche, von nackten Pferdereitern bis zu schönen Landschaftsbildern über ausgeflippte Kochrezepte. Hauptsache User Generated Content.

Wie das geht? Jedermann kann sich auf der Website www.likemag.com mit dem eigenen Facebook- Account einloggen und sofort loslegen, Beiträge aller Art posten, kommentieren und liken. Statt einer Redaktion entscheiden die Leser in der digitalen Welt ganz nach ihrem eigenem Gusto – die User als Redaktion sozusagen. Die besten Posts werden jeweils herausgepickt, in der Printversion publiziert und mit coolen Preisen belohnt.

Auf der Facebook Fanpage zählt das Magazin bereits über 16 000 Likes. Nun stehen seit November in der Stadt Zürich an diversen Standorten, neben 20 Minuten und Blick am Abend, die ersten Like- Mag-Zeitungsboxen. Facebook wird dadurch noch mehr zum Mainstream. Es wird auch für Nicht-Facebook- User zugänglich und sichtbar.

Doch wieso sollten wir nach der Arbeit zu einem Magazin wie LikeMag anstatt einer anderen Gratiszeitung greifen? Das LikeMag kommt schon völlig anders daher, etwa so wie man sich ein Best-of-Social- Media-Magazin vorstellt. Das Cover ziert eine Userin in Form eines so genannten «Selfies», ein Selbstporträt, welches in den meisten Fällen vor dem Spiegel und natürlich mit dem Smartphone gemacht wird. Wer aufs Titelblatt will, kann sein Selbstporträt ganz einfach auf die Website hochladen und wird mit einer Portion Glück und gutem Aussehen zum nächsten Covergirl gekürt. Das Inhaltsverzeichnis ist im Stil von Google mit blaugrüner Schrift. Die Rubrik «Plapperazzi» in Twitter- Form. Der Hauptteil erinnert stark an eine Facebook- Timeline. Der Inhalt des Magazins ist in diverse Rubriken wie FTW, WTF, FML, Lookbook etc. gegliedert (wenn Sie die Begriffe nicht kennen, googlen Sie sie). Eine Sprechblasen-Konversation im iPhone-Nachrichten-Look – what else? – rundet das digitale Erlebnis ab. Das ganze Magazin ist ein Feuerwerk an digitalen Posts unserer Jugend und ein Querschnitt durch den Trash von Social Media. Das Magazin erscheint ca. zehnmal jährlich. Vor jeder Publizierung eines Magazins findet dazu eine so genannte «LikeMag Release Gala» im Zürcher Club Plaza statt. Die optimale Verbindung von Real und Digital.

Trotz der verschiedenen Rubriken verliert man als Leser schnell den Überblick. Zu stark ähneln sich die Posts, das Facebook Design im Hauptteil kommt eher schwerfällig daher. Die Themen, ein zusammengewürfeltes Mischmasch. Für manche Leute womöglich zu viel des Guten? Ich finde das Magazin dennoch spannend, da es Social Media, Print sowie Party verbindet und dadurch die digitale Welt mit der realen vernetzt. Das LikeMag ist ein Nachrichtenmagazin in digitaler Form. Wie vieles im Social Web ist dies Geschmackssache, aber den Versuch, neue Modelle auszudenken und neue Wege zu gehen, muss man honorieren. I Like.

Manuel P. Nappo, Studienleiter CAS Social Media Management HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. www.fh-hwz.ch/smm
 

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