«Eingepfercht in einen Reisebus»: Jürg Schmid brüskiert ASTAG
Mit einem Statement in der «Tagesschau» hat Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus, den Nutzfahrzeugverband ASTAG empfindlich vor den Kopf gestossen. Schweiz Tourismus weist die Vorwürfe zurück.

Im «Tagesschau»-Beitrag vom 21. Februar ging es darum, dass immer mehr chinesische Gäste lieber individuell durch die Schweiz reisen, statt in Gruppen. Jürg Schmid, Direktor der nationalen Marketing- und Verkaufsorganisation Schweiz Tourismus gab dazu ein Statement ab, in dem er unter anderem sagte: «Es wäre total falsch gemeint, dass die Chinesen es lieben, in grossen Gruppen zu reisen, eingepfercht in einen Reisebus. Auch die Chinesen sind Individualisten.»
«Unhaltbare Verunglimpfung»
Eine Aussage, welche den Schweizerischen Nutzfahrzeugverband ASTAG mit der Fachgruppe Car Tourisme Suisse empört. In einer Stellungnahme vom Mittwoch holt der Verband um Zentralpräsident Adrian Amstutz zum Rundumschlag gegen Schweiz Tourismus aus. Mit der «unhaltbaren Verunglimpfung» verkenne Schmid «die enorme Bedeutung der privaten Reisebusbranche für den Tourismus im ganzen Land völlig». Schmids «diffamierende Äusserungen» seien «schlichtweg respektlos» und zeugten «von unglaublicher Unkenntnis». Man trage mit über 30 Millionen Passagieren pro Jahr schon heute «massiv» zum Tourismus bei und viele Freizeitangebote wären – besonders für ältere Menschen – ohne Busse gar nicht möglich. Die «einseitige Bevorzugung von Reisearten», wie es Jürg Schmid tue, sei «längst passé». Moderne Mobilität funktioniere multimodal.
Von der Werbewoche auf die Vorwürfe angesprochen, weist Schweiz Tourismus die Anschuldigungen zurück. Selbstverständlich kenne und schätze Jürg Schmid die grosse Bedeutung der Reisebusbranche für den Schweizer Tourismus, sagt Markus Berger, Leiter Unternehmenskommunikation. «Im Interview hat er lediglich vom Cliché der vielen asiatischen Gäste in vollen Bussen gesprochen, und diesem Cliché die Realität des durchaus existierenden Trends zu Individualreisen gegenübergestellt.» In keiner Weise habe er damit die Reisebusbranche in irgend einer Art schlecht reden wollen.
Ausländische Busse auf der Grand Tour of Switzerland
Noch etwas kritisiert und fordert der Verband ASTAG: Schweiz Tourismus solle sich gegen verbotene Kabotagefahrten mit ausländischen Reisebussen einsetzen. Fahrten zwischen zwei Feriendestinationen innerhalb der Schweiz seien von Gesetzes wegen einzig mit Fahrzeugen erlaubt, die in der Schweiz zugelassen sind. Dennoch kämen – vor allem auf der Grand Tour of Switzerland von Schweiz Tourismus – verbotenerweise immer wieder Busunternehmen aus dem Ausland zum Einsatz. Mit klaren Hinweisen auf die gesetzlichen Bestimmungen an Reiseagenturen, Firmen und Privatkunden könnte Schweiz Tourismus hier einen wichtigen Unterstützungsbeitrag im Interesse des ganzen Landes leisten, fordert der Verband.
Auch diesen Vorwurf weist Schweiz Tourismus zurück. «Uns sind keine «Kabotagetransporte» auf der touristischen Grand Tour of Switzerland bekannt», sagt Berger. Die Verstösse gegen das Kabotageverbot zwischen Schweizer Städten seien ein politisches Problem, das auch auf dieser Ebene gelöst werden müsse. «Schweiz Tourismus gibt keine politischen Stellungnahmen ab», hält der Leiter Unternehmenskommunikation der Marketingorganisation fest. (hae)
