Eine künstlerische Symbiose

Marketing Ist Kunst Markom-tauglich? Für die Gruppe Zumtobel hat Studio Achermann Fotokünstler eingespannt.

Marketing Ist Kunst Markom-tauglich? Für die Gruppe Zumtobel hat Studio Achermann Fotokünstler eingespannt.Bis Mitte der 70er-Jahre noch Domäne der Klassenkampf-Bewegten, ist die Kluft zwischen Kunst und Kommerz mittlerweile zum Selbstzitat geschrumpft. Das Vorurteil, wonach Geld die Kunst verdirbt, scheint so überholt wie das romantische Künstlerbild des letzten Helden, dem jegliches marktwirtschaftliche Denken fremd ist.Längst haben internationale Konzerne Kunst und Kultur zu Marketingzwecken eingespannt – in der Schweiz bisher vor allem als Kunstzitat, im Sponsoring oder im Rahmen der CI, wie Kunst am Bau.
Neuere Kooperationsformen zwischen zeitgenössischen Künstlern und Markom, etwa bei der Schweppes-Kampagne der britischen Fotokünstlerin Alison Jackson, haben hier zu Lande Seltenheitswert. Und das, obwohl die produktive Wechselwirkung von Kunst und Kommerz bei deren Kernkompetenzen Trendsetting und Innovation auf der Hand liegt. Sponsoring-Expertin Elisa Bortoluzzi-Dubach provoziert Kommunikationsbeauftragte gern mit der Frage, ob die Wirtschaft legitimiert sei, sich dank Geld mit Geist zu schmücken. Und weist mit Pop-Künstler Andy Warhol darauf hin, wie obsolet heute diese Legitimationsfrage ist. Von ihm stammt nämlich das Zitat: «Some company recently was interested in buying my ‹aura›. They didn’t want my product. They kept saying: ‹We want your aura›. I never figured out what they wanted. But they were willing to pay a lot for it.»
Ausdruck von Avantgarde und technischer PerfektionViel, wenn auch nicht ein Vermögen gibt der österreichische Lichtkonzern Zumtobel für seine Geschäftsberichte aus, die seit 14 Jahren von internationalen Künstlern gestaltet werden. Anders als bei vergleichbaren Projekten, wo die Zusammenarbeit nur identitätsstiftende Zwecke auf Führungsebene verfolgt, ist die künstlerische Zusammenarbeit bei Zumtobel heuer zusätzlich in die Markenkommunikation integriert worden. Und zwar unter Schweizer Ägide: Das Zürcher Studio Achermann hat unter dem Titel «Light Faces» drei renommierte Fotokünstler die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Zumtobel-Gruppe porträtieren lassen und damit einen aussergewöhnlichen Spannungsbogen von Internationalität, Kreativität und Innovationsfähigkeit der Menschen hinter der Marke gezeichnet. Achermann hat mit seinen Geschäftsberichten schon mehrfach Kreativ-Awards gewonnen, unter anderem für jene des Migros-Genossenschafts-Bundes.
Beda Achermann: «Wir haben bewusst auf das Medium Fotografie gesetzt, weil sie in letzter Konsequenz die pure Manifestation von Licht darstellt.» men.
Trotz der Vielfalt der Stile und Handschriften bringt das Projekt die Positionierung und Kernwerte der drei Marken von Zumtobel (Zumtobel Staff, Thorn und TridonicAtco) zum Ausdruck: Während Paul Grahams Werk die technische Perfektion und Avantgarde von Zumtobel Staff zeigt, machen Adam Fuss’ Fotogramme, wie Röntgenbilder, das Innenleben der Komponenten von TridonicAtco erkennbar. «Die Präzision und Verlässlichkeit der Leuchtenmarke Thorn» dokumentiert Künstlerin Shirana Shahbazi in ihren klaren Aufnahmen.
Die Bilder sind aber nicht auf direktem Weg in die Firmensammlung gelangt. Noch vor der Welttournee in den Zumtobel-Stätten wurden sie als geistige Nahrung dem Kunst-affinen Zielpublikum – Architekten, Designer und Immobilienmanager – in einer Ausstellung des Architekturzentrums
Wien präsentiert.
Das Netzwerk konnte so über die Branchengrenze hinaus geknüpft und die Feuilletons bedient werden. Studio Achermann verhandelt derzeit mit Zumtobel Staff bezüglich weiterer Aufträge.
History & FiguresAlles begann vor 55 Jahren im Elektrogeräte- und Kunstharzpresswerk im vorarlbergischen Dornbirn. Dort liess Gründer Walter Zumtobel Vorschaltgeräte für die damals neue Leuchtstoffröhren-Technologie herstellen.
Heute zählt die Zumtobel-Gruppe mit einem Umsatz von 1,13 Mrd. Euro (04/05), Fertigungsstätten in allen Kontinenten, über 7000 Angestellten sowie Beratungsstützpunkten in fast 100 Ländern zu den wenigen Global Playern der Lichtbranche. Der österreichische Konzern besteht aus dem Leuchtengeschäft mit den beiden Brands Zumtobel Staff und Thorn sowie der TridonicAtco-Gruppe für Lichtkomponenten.
Von den spezifischen Anforderungen der Beleuchtungsprojekte leitet Zumtobel die enge Zusammenarbeit mit der Avantgarde der europäischen Designer, Architekten und Lichtplaner ab. Die Kooperation gehört denn auch zum Firmenkonzept. Zumtobel konzentriert sich auf das Premium-Segment und positioniert sich mit anspruchsvollen Lichtlösungen als Innovationsführer in Technologie und Design. (la)
Die österreichische Zumtobel-Gruppe liess ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von drei bekannten Fotokünstlern ablichten.
Luca Aloisi

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