«Ein Risiko geht man beim Sponsoring von Sportlern immer ein»

Ralph P. Sauser, ATAG Asset Management AG, über das Sponsoring von Roger Federer

Ralph P. Sauser, ATAG Asset Management AG, über das Sponsoring von Roger FedererDas Schweizer Vermögensverwaltungsunternehmen ATAG Asset Management AG wirbt seit kurzem mit Roger Federer. Ralph P. Sauser, Geschäftsleitungsmitglied und Verantwortlicher für Marketing, erklärt, wie viel der Federer-Etat kostet und wo und wann die Anzeigenserie mit ihm geschaltet wird. Ralph P. Sauser, wie kamen Sie auf Roger Federer?
Ralph P. Sauser: Wir sahen uns schon lange nach einem passenden Einzelsportler für unsere Sponsoring- und Werbezwecke um. Als wir den Hinweis bekamen, dass sich Roger Federer nach neuen Partnern umsieht, haben wir nicht lange überlegt.
Wie lange dauert sein Vertrag?
Sauser: Drei Jahre plus Option auf weitere Zusammenarbeit.
Was beinhaltet die Zusammenarbeit mit Roger Federer?
Sauser: Wir dürfen als Finanzdienstleistungsunternehmen exklusiv mit Roger Federer werben. Zudem steht er uns für mindestens fünf Kundenanlässe pro Jahr zur Verfügung.
Sie haben mit ihm kürzlich eine Inserateserie lanciert. Folgen andere Werbevarianten?
Sauser: Vorerst konzentrieren wir uns auf die Werbung in den Printmedien. Mit unserer Werbeagentur haben wir aber verschiedene Varianten der laufenden Federer-Kampagne konzipiert.
Wo planen Sie die Inserate ein?
Sauser: In verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften, vorläufig aber nur in der Schweiz. Dies vorwiegend während grösserer Turniere und insbesondere, wenn er sich positiv in Szene setzt.
Was versprechen Sie sich davon?
Sauser: In erster Linie wollen wir den Bekanntheitsgrad der ATAG Asset Management im Markt weiter steigern und versprechen uns durch unsere Präsenz im Umfeld des Spitzensports neue Kontakte und Möglichkeiten.
Dazu gibt es in der Schweiz auch andere Sportlerpersönlichkeiten.
Sauser: Ja und nein. Roger Federer passt ideal zu unserer Firma.
Was gefällt Ihnen so gut an ihm?
Sauser: Er steht für Talent, Know-how, Ausdauer und absoluten Leistungswillen – Faktoren, die auch bei uns gelten.
Schön und gut. Spielte nicht auch sein Preis eine Rolle? Als aufstrebender Tennisspieler wird er kaum so teuer gewesen sein wie ein gestandener Spitzenspieler.
Sauser: Jein. Klar passt er besser in unser Werbebudget als ein Formel-1-Fahrer. Aber der Preis war nicht bestimmend. Uns war wichtiger, dass er zu unserer Firma und unseren Mitarbeitern passt.
Einen Tennisspieler als Aushängeschild zu nehmen verlangt auch Mut. Haben Sie keine Angst, dass der Schuss nach hinten losgehen könnte? Schliesslich haben Tennisspieler im Umgang mit Geld und der Wahl ihrer Finanzberater nicht gerade den besten Ruf.
Sauser: Ein Risiko geht man beim Sponsoring von Sportlern immer ein. Wir sind der Meinung, dass das Risiko mit Roger Federer so klein wie möglich ist. Zumal wir Roger Federer in Geldfragen beraten und somit sicher sein können, dass er in diesem Bereich keine Fehler macht.
Viele potenzielle Kunden werden Sie im Tennis nicht finden. Macht es für eine Upper-Class-Vermögensverwaltungsfirma Sinn, einen Tennisspieler zu sponsern?
Sauser: Ja. Schliesslich wollen wir mit dem Engagement von Roger Federer nicht nur neue Einzelkunden gewinnen, sondern insbesondere unseren Namen im Markt weiter etablieren.
Gäbe es dafür nicht idealere Sportarten? Beispielsweise Golf, Fechten oder Curling?
Sauser: Wir sind in diesem Segment ja bereits aktiv.
Ja, mit kleinen Engagements. Sie sponsern seit längerem die Frauen-Degennationalmannschaft, den Olympiadegenfechter und Wirtschaftsstudenten Marcel Fischer und das Berner Curlingteam CC Bern. So teuer wie Roger Federer werden diese aber kaum sein.
Sauser: Nein. Aber dennoch sind sie ein wichtiger Bestandteil unseres Marktauftritts.
Wie gross ist der Roger-Federer-Sponsoringetat?
Sauser: In erfolgreichen Jahren können alle Zahlungen zusammen schon mal eine halbe Million ausmachen.
Und wie viel Geld geben Sie total für Sponsoring von Sportlern aus?
Sauser: Knapp 700000 Franken. Das entspricht rund einem Drittel unseres gesamten Werbeetats von 2 Millionen.
Kann es auch sein, dass Sie auch mal Fussballer oder Eishockeyspieler sponsern werden?
Sauser: Nein. Mit dem Curling- und Fechtteam sowie Marcel Fischer und Roger Federer haben wir eine ideale Mischung.
Sponsern Sie auch Kulturelles?
Sauser: Ja. Und wir wollen unser kulturelles Engagement noch etwas ausbauen.
In welche Richtung?
Sauser: Wir planen, Tickets für Konzerte und Ausstellungsevents oder ganze Anlässe zu kaufen und unsere Kunden dazu einzuladen.
Mit einem Einzelsportler zu werben, birgt ein Risiko. Haben Sie dafür gesorgt, dass Roger Federer nichts macht, was Ihnen schadet?
Sauser: Zum Beispiel?
Dass er Fans beleidigt, den Schläger zertrümmert oder rassistische Sprüche klopft.
Sauser: Eine Klausel, die ihm das untersagt und uns die Möglichkeit zu Sanktionen gibt, haben wir nicht im Vertrag. Aber wir rechnen damit, dass Roger Federer weiss, wie man sich benimmt.
Ist sein Vertrag wenigstens leistungsbezogen?
Sauser: Ja, sehr stark sogar. Der Betrag besteht aus einer Grundpauschale und verschiedenen leistungsabhängigen Komponenten. Zudem ist auch die geschäftliche Zusammenarbeit zwischen Roger Federer und AAM ein wichtiger Bestandteil. Ob Federer allerdings unter den Top 3 oder Top 20 klassiert ist, spielt zwar finanziell eine Rolle, wir legen vorwiegend Wert auf seinen sympathischen Auftritt und auf tolle Leistungen auf dem Court.
Als Vermögensberatungsfirma bewerten sie ständig neue Aktien. Wie hoch schätzen Sie den inneren Wert der «Aktie» Federer ein?
Sauser: Als top. Gäbe es Aktien von ihm, würden wir diese sicher auf unsere Kaufliste setzen.
Wie legen Sie Federers Geld an?
Sauser: So, wie wir dies bei
allen anderen Kunden auch tun:
Es wird ein individuelles Portfolio zusammengestellt. Angelegt wird sein Geld in Aktien und Aktienfonds sowie Obligationen und weiteren massgeschneiderten Produkten.
Interview: Annelies Friedli

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