Ein bäumiger Jahresauftakt

Werbebranche Saatchi & Saatchi Simko, Genf, gewinnt einen globalen Millionenetat. Stimmen zu einem Grosserfolg.

Werbebranche Saatchi & Saatchi Simko, Genf, gewinnt einen globalen Millionenetat. Stimmen zu einem Grosserfolg.«Saatchi Picks Up $150 Mil. in Novartis Work», verkündete das US-Branchenblatt Adweek noch vor Jahresende. Dass der dicke Fisch aber am Genfersee an Land gezogen wurde, wussten zu dem Zeitpunkt nur Insider, die wegen den Stellenangeboten Verdacht schöpften. Seit einigen Tagen ist es nun offiziell: Die Genfer Agentur Saatchi & Saatchi Simko wurde nach einer Agenturevaluation der Novartis Consumer Health Division in New Jersey mit dem weltweiten Kommunikations-Lead für die beiden Strategiemarken Voltaren und Otrivin beauftragt. Das Portfolio enthält für Europa auch das OTC-Medikament Néocitran. Damit wird demnächst in über 20 Ländern, in denen diese Produkte beworben werden – in 120 werden sie vertrieben –, die Werbung von Genf aus gesteuert.
Multikulturelles PersonalSo ausserordentlich der Budgetgewinn, so sehr ist CEO Pedro Simko überzeugt, dass Schweizer Netzwerkagenturen mit dem Beitrag ausländischer Niederlassungen auf dem internationalen Parkett durchaus Chancen haben: «Solche Marken lassen sich nur mit einem globalen Netzwerk betreuen, weil die Insights wie der Support lokal bleiben müssen. Aber die Schweiz hat gegenüber Zentren wie London, New York oder Paris den Standortvorteil, dass das Personal multikulturell ist und deutlich effizienter, sprich: günstiger arbeitet. Das weiss ich mittlerweile.» Selbst seine nationalen Kunden hätten gespürt, dass durch den Anschluss an das internationale Netzwerk die Ressourcen bedeutend stärker sind, sagt Simko weiter. Entsprechend sieht er die besseren Wachstumschancen für die Gross- und Kleinagenturen.
BSW-Vizepräsident Kurt Schmid, CEO von Lowe, erkennt in Simkos Pitch-Gewinn noch keine Trendwende, obwohl seine Agentur selbst im vergangenen Sommer das Werbebudget der Credit Suisse wieder in die Schweiz holte oder Publicis vor wenigen Monaten das weltweite Budget der Zurich Financial Services. «Man hört die These, wonach heimische Budgets auswandern, und jene, die alles diametral anders sieht. Für mich stellt sich die Frage, wie weit entspricht die Angst vieler Werber der Realität?» Viel wichtiger sei es, dass hier internationale Kompetenz und Standards erhalten bleiben, um zu zeigen, dass die Diversity auch hier verstanden wird und erhältlich ist. Kleinere Agenturgrösse und Kompetenzpools müssten mit Dynamik und Flexibilität wettgemacht werden. Aber: «Solange die Schweizer Unternehmensszene auf Verteidigung ausgerichtet ist und nicht auf Angriff, werden auch die Budgets nicht steigen», meint er.
Kein DammbruchAuch Dominique von Matt, Mitinhaber der JvM/Limmat, will nicht von einem Dammbruch sprechen, sondern von einem guten Zeichen. Was man sagen dürfe, sei, dass die Branche im vergangenen Sommer die Talsohle durchschritten und sich die Wettbewerbsfähigkeit des Werbeplatzes Schweiz klar verbessert habe. «Weil immer qualifiziertere Leute in die Branche eingestiegen sind und sich die Schweiz gegenüber ausländischen Fachleuten öffnet, was essenziell für internationale Budgets ist», so von Matt optimistisch.
Geprägt von der langen Krise, ist der Optimismus bei den Swiss Leading Agencies / BSW verhaltener als der Kommunikationsindex von Farner PR vermuten lässt. Dieser gab vor Wochenfrist bekannt, dass dieses Jahr 87 Prozent der befragten Unternehmen ihr Kommunikationsbudget erhöhen oder zumindest unverändert lassen wollen. Der Anteil der Firmen, die eine Reduktion der Ausgaben planen, halbierte sich auf elf Prozent.
In Siegerlaune: Das Team von Saatchi & Saatchi Simko.
Luca Aloisi

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