Du entgehst dir nicht
In Spanien entstand ein Buch über das Schritttempo des Lebens: «Andando»
In Spanien entstand ein Buch über das Schritttempo des Lebens: «Andando»Von Ernst Weber Vom Mobilitätswahn und vom Tempo der Zeit ergriffen, vergessen viele Menschen, bewusst durchs Leben zu gehen. Nicht so die Luzerner Werber Jürg Schaffhuser und Armin Furrer. Ihr im Verlag Velvet-Edition erschienenes Buch «Andando» ist ein auf einer 1200 Kilometer langen Spanienwanderung entstandenes Bild- und Textdokument aus der Gegenwelt der Hektik.
Das Luzerner Creative Office Velvet versucht die Gratwanderung, Werbe-, Design-, CI-, Kunst- und Kulturagentur in einem zu sein. «Wir wollen diesen Spagat machen. Deshalb haben wir uns nie Grafik- oder Werbeagentur genannt», sagt Mitinhaber Stefan Sägesser.
Um sich nicht zu verlieren, grenzte man die einzelnen Tätigkeitsbereiche durch entsprechende Gefässe voneinander ab. So wird etwa der Bereich Werbeagentur durch den Begriff Creative Office definiert. Eigenwerbeprojekte werden unter der Bezeichnung Grafik Hotel erfasst, Projekte im Kunstbereich der Velvet-Edition oder der Edition Hubi Hofmann zugeordnet.
Beide Editionen sind laut Sägesser nicht primär Geschäftsfelder, in denen die Agentur Gewinn bringend arbeiten muss. Die Einrichtungen dienen vielmehr der Unterstützung von Büchern und von Kunst. «Wir haben immer den Bezug zu Menschen ausserhalb der Grafik-, Design- und Werbeszene gesucht wie etwa zu Fotografen, Musikern, Schauspielern, Schneiderinnen, Schriftstellern und Videoperformern, die mit spannenden Projekten beschäftigt sind. Dabei haben wir aber festgestellt, dass die Kunden des Creative Office mindestens so progressiv sind wie die Künstler», so Sägesser.
Von San Sebastián nach Gibraltar in acht Etappen
Als jüngstes Beispiel eines gelungenen Spagats darf der im Verlag Velvet-Edition erschienene Bild-Text-Band «Andando» gelten. Das Buch ist ein gemeinsames Projekt von Jürg Schaffhuser, Mitgründer von Velvet, und Armin Furrer, eines ebenfalls in der Leuchtenstadt tätigen Grafikers. Beiden ist die Passion des Wanderns gemeinsam (siehe auch nebenstehendes Interview mit Jürg Schaffhuser). Immer wieder einmal gehen die beiden «Zugvögel», die sich von der gemeinsam verbrachten Zeit in der Kunstgewerbeschule kennen, zusammen auf Wanderschaft.
In den vergangenen drei Jahren etwa waren Schaffhuser und Furrer während insgesamt acht Wochen in Spanien unterwegs. Mit der Kamera im Anschlag durchquerten sie in dieser Zeit auf der 1200 Kilometer langen Nord-Süd-Achse von San Sebastián nach Gibraltar in acht Etappen zu Fuss die iberische Halbinsel. Auf jedem Abschnitt begleiteten, einander ablösend, verschiedene Autorinnen und Autoren die beiden Wanderer. Es waren dies Alex Campus, Leopold Davi, Fanni Fetzer, Ursula Fricker, Marco Meier, Nicole Müller, Beat Schaffhuser und Jean Willy.
«Andando» ist kein Buch, dessen Bilder und Texte sich vom Glanz und Lärm der Welt beirren, blenden und betäuben lassen. Vielmehr scheint es ein von den Fotografen und Autoren wie zufällig entworfenes Dokument zu sein, in dem sich das Vergehen vergeblich mit der Unvergänglichkeit misst, der unausgesetzten Anwesenheit des Daseins, das als Conditio sine qua non alles Existierenden immer Gegenwart haben muss.
Marco Meier etwa, Chefredaktor der Kulturzeitschrift du, der von Toledo nach Ciudad Real mitwanderte, bedenkt in seinem Bericht unter anderem das Gehen: «… wer wüsste noch, dass die Welt begehbar ist, wo sie unaufhörlich überrannt und überfahren und überflogen wird …?» Und weiter heisst es: «… gehen. Gibt es etwas Schöneres? So schnell ist man versöhnt …»
Die Buchvernissage findet am 28. März 2002 im Kulturpanorama Luzern in Anwesenheit der Autorinnen und Autoren statt.
«Andando» von Jürg Schaffhuser und Armin Furrer. Erschienen im Verlag Velvet-Edition, ISBN 3-9522411-0-5.
Das Luzerner Creative Office Velvet versucht die Gratwanderung, Werbe-, Design-, CI-, Kunst- und Kulturagentur in einem zu sein. «Wir wollen diesen Spagat machen. Deshalb haben wir uns nie Grafik- oder Werbeagentur genannt», sagt Mitinhaber Stefan Sägesser.
Um sich nicht zu verlieren, grenzte man die einzelnen Tätigkeitsbereiche durch entsprechende Gefässe voneinander ab. So wird etwa der Bereich Werbeagentur durch den Begriff Creative Office definiert. Eigenwerbeprojekte werden unter der Bezeichnung Grafik Hotel erfasst, Projekte im Kunstbereich der Velvet-Edition oder der Edition Hubi Hofmann zugeordnet.
Beide Editionen sind laut Sägesser nicht primär Geschäftsfelder, in denen die Agentur Gewinn bringend arbeiten muss. Die Einrichtungen dienen vielmehr der Unterstützung von Büchern und von Kunst. «Wir haben immer den Bezug zu Menschen ausserhalb der Grafik-, Design- und Werbeszene gesucht wie etwa zu Fotografen, Musikern, Schauspielern, Schneiderinnen, Schriftstellern und Videoperformern, die mit spannenden Projekten beschäftigt sind. Dabei haben wir aber festgestellt, dass die Kunden des Creative Office mindestens so progressiv sind wie die Künstler», so Sägesser.
Von San Sebastián nach Gibraltar in acht Etappen
Als jüngstes Beispiel eines gelungenen Spagats darf der im Verlag Velvet-Edition erschienene Bild-Text-Band «Andando» gelten. Das Buch ist ein gemeinsames Projekt von Jürg Schaffhuser, Mitgründer von Velvet, und Armin Furrer, eines ebenfalls in der Leuchtenstadt tätigen Grafikers. Beiden ist die Passion des Wanderns gemeinsam (siehe auch nebenstehendes Interview mit Jürg Schaffhuser). Immer wieder einmal gehen die beiden «Zugvögel», die sich von der gemeinsam verbrachten Zeit in der Kunstgewerbeschule kennen, zusammen auf Wanderschaft.
In den vergangenen drei Jahren etwa waren Schaffhuser und Furrer während insgesamt acht Wochen in Spanien unterwegs. Mit der Kamera im Anschlag durchquerten sie in dieser Zeit auf der 1200 Kilometer langen Nord-Süd-Achse von San Sebastián nach Gibraltar in acht Etappen zu Fuss die iberische Halbinsel. Auf jedem Abschnitt begleiteten, einander ablösend, verschiedene Autorinnen und Autoren die beiden Wanderer. Es waren dies Alex Campus, Leopold Davi, Fanni Fetzer, Ursula Fricker, Marco Meier, Nicole Müller, Beat Schaffhuser und Jean Willy.
«Andando» ist kein Buch, dessen Bilder und Texte sich vom Glanz und Lärm der Welt beirren, blenden und betäuben lassen. Vielmehr scheint es ein von den Fotografen und Autoren wie zufällig entworfenes Dokument zu sein, in dem sich das Vergehen vergeblich mit der Unvergänglichkeit misst, der unausgesetzten Anwesenheit des Daseins, das als Conditio sine qua non alles Existierenden immer Gegenwart haben muss.
Marco Meier etwa, Chefredaktor der Kulturzeitschrift du, der von Toledo nach Ciudad Real mitwanderte, bedenkt in seinem Bericht unter anderem das Gehen: «… wer wüsste noch, dass die Welt begehbar ist, wo sie unaufhörlich überrannt und überfahren und überflogen wird …?» Und weiter heisst es: «… gehen. Gibt es etwas Schöneres? So schnell ist man versöhnt …»
Die Buchvernissage findet am 28. März 2002 im Kulturpanorama Luzern in Anwesenheit der Autorinnen und Autoren statt.
«Andando» von Jürg Schaffhuser und Armin Furrer. Erschienen im Verlag Velvet-Edition, ISBN 3-9522411-0-5.
