Druck auf die Tränendrüsen

US-Fluggesellschaften schalten nach dem 11. September wieder erste TV-Spots

US-Fluggesellschaften schalten nach dem 11. September wieder erste TV-SpotsVon Thérèse Balduzzi Weniger als zwei Monate nach den Attacken auf Amerika haben die US-Fluggesellschaften neue Imagekampagnen lanciert. Die United Airlines sticht dabei heraus, weil sie persönlich gestaltet ist und explizit auf das Desaster vom 11. September Bezug nimmt.
Seit Anfang November haben verschiedene Airlines wieder begonnen, Imagekampagnen zu lancieren. Der Schritt war nötig, denn die Fluggesellschaften leiden noch unter einem Rückgang der Passagierzahlen von 25 Prozent. Auch Medienunternehmen haben durch das Ausbleiben dieser Einnahmequelle Millionen verloren.
In der von Leo Burnett, Chicago, gestalteten Delta-Kampagne «Person to Person» werden potenzielle Passagiere an Gründe erinnert, die eine Reise wert sind. Im ersten lancierten Spot erklären Flugpassagiere ihren Grund für den Flug: «This is not the kind of contract you can fax», sagt ein Mann. Andere Motive sind unter anderem Heimweh. Der Spot zu «Homesick» endet mit den Worten: «Everyone has a reason to see somebody. That’s the reason Delta flies.» Auch die kleine, junge Airline Jetblue, die sich bisher mit frechen Kampagnen von den grossen Fluggesellschaften abgrenzte, wirbt mit Gründen zum Reisen.
Spots, die stark auf die Tränendrüsen drücken
Aus den Kampagnen für Fluggesellschaften sticht die von United Airlines durch ihren persönlichen Touch heraus. In ihren sechs 60 Sekunden langen Spots kommen Angestellte von United Airlines in Uniform zu Wort. Fünf Spots sind aus Kurzstatements zusammengesetzt.
Im ersten Spot sprechen die Angestellten darüber, wie sie mit der Tragödie vom 11. September umgehen, und im zweiten Spot schildert eine Reihe Angestellter ihre Verbundenheit mit United, indem sie erzählen, wie lange sie schon für die Airline arbeiten. Am Ende erscheint das United-Logo und eine Off-Stimme sagt: «We are United.» In drei weiteren reden je ein Captain, ein Flight Attendant und eine Technikerin darüber, wie sie den Passagieren einen angenehmen und sicheren Flug gestalten.
Am rührendsten ist der Spot «Welcome», in dem eine Flugbegleiterin von einem Paar auf seiner Hochzeitsreise nach Hawaii erzählt. Der Ehemann ist in New York Feuerwehrmann und seine Frau wusste nicht, ob diese Reise jemals stattfinden würde. Der Captain hielt zu Ehren des Paares eine Ansprache. Es sei ein Held an Bord, worauf alle Passagiere klatschten.
Zuletzt erwähnt sie eine Nonne, die aufstand, um dem Paar eine glückliche Zukunft zu wünschen. Am Ende dieses Spots erscheint auch der Schriftzug: «To the two million people who have gotten back on board. Welcome back.» Die Spots wurden von Fallon aus Minneapolis gestaltet. Gefilmt wurden sie vom Dokumentarfilmer Errol Morris.
Während Delta verlauten lässt, es sei noch unklar, wann und ob sie ihre soeben gestartete Kampagne wieder aufnehme, heisst es bei United, das Unglück vom 12. November habe keinen Einfluss auf ihre neue Kampagne.

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