Diese Type törnt noch keine an

Ringier setzt Romandie beim Männermagazin Type auf Schweizer Inhalte und riskiert damit Langeweile

Ringier setzt Romandie beim Männermagazin Type auf Schweizer Inhalte und riskiert damit LangeweileVon Sabine Lüthi Mit Type stösst Ringier Romandie in die Welt der Männermagazine vor. Das Heft bietet viel Kalkül, noch mehr Klischees und dennoch 30 Anzeigenseiten. Das Glück des Tüchtigen oder des Anfängers? Die Antwort darauf wird im März die inländische Konkurrenz geben.
Drei Mal blättern, vier Seiten Tyler Brûlé. Ein Mal leer schlucken. Wenn das Interview mit dem Trendguru als Auftakt der ersten Nummer des Westschweizer Männermagazins Type selbst auf Frauen nicht als Kaufanreiz wirkt, wie siehts dann erst beim vermeintlich starken Geschlecht aus? Ist der Kampf um die männliche Aufmerksamkeit am Kiosk etwa noch nicht hart genug? Dann doch lieber gleich ein 50-Seiten-Special über James Bond: Das US-Magazin GQ machts vor.
Für Type hingegen muss bei jeder Geschichte, jedem Bild ein Schweizer Aspekt sichtbar sein. Das schränkt die Themenwahl drastisch ein und macht das Hochglanzprodukt (Startauflage beträgt 80000 Exemplare) nicht gerade spannend, geschweige denn überraschend. Gleichviel: Die Abonnenten der Ringier-Zeitschriften Edelweiss und L’Hebdo erhalten das Heft ja kostenlos.
Dennoch verdient Ringier Anerkennung dafür, dass der Medienkonzern trotz schlechter Konjunkturdaten ein Männermagazin lanciert. Als kleiner Bruder des Frauenmagazins Edelweiss verbindet ihn mit seiner älteren Schwester nebst der Herkunft die edle Erscheinung.
Das Cover mit Ken und Barbie im Sessellift erinnert etwas an PR-lastige Inflight-Titel oder den neusten PKZ-Modekatalog, Abteilung Pelzwaren. Mit seinen knapp 100 Seiten ist Type (auch inhaltlich) zu dünn, um als substanzielles Magazin zu gelten, und zu transparent, um geheimnisvoll zu wirken.
Ein vom Lifestyle eingerichteter Gemischtwarenladen ohne USP
Wollen emanzipierte Schweizer Männer heute wirklich noch lesen, dass sie zu 80 Prozent nicht wissen, was eine Klitoris ist (ein Gespräch unter drei Frauen über das erste Mal mit jedem neuen Mann)? Oder müssen sie sich vom Modejournalisten Brûlé tatsächlich sagen lassen, dass sie sich «assez choquante» kleiden?
Aber eigentlich hat sich Type ja den schönen, traditionellen und kapitalintensiven Seiten des Männerdaseins verschrieben. Die da wären: flotte Autos, teure Uhren, High-Snobiety in den Schweizer Bergen und sieben Wellness-Orte in der Romandie – alles dargereicht im schicken, schnörkellosen Häppchen-Stil. Artikel, die diesen Namen verdienen würden, gönnt man sich und dem Leser hingegen kaum.
Ungeachtet dieser Schmalkost weckt Chefredaktorin Renata Libal im Editorial allerlei Erwartungen. Type sei ein Begleiter, ein Freund und ein Vertrauter, dank dem das Leben amüsanter, interessanter und einfach schöner werde. Von all dem ist zumindest im ersten Heft nichts in den sechs Franken inbegriffen, die am Kiosk dafür liegen bleiben. Vielmehr verdichtet sich bei genauerem Hinsehen der Verdacht, dass nicht nur Libal, die zudem der Edelweiss-Redaktion vorsitzt, sondern auch die übrigen Mitwirkenden Type erst dann produzieren, wenn sie ihre Hausaufgaben erledigt haben. Dafür spricht nicht nur der lieblose Stil, sondern auch die Tatsache, dass sich die Redaktion aus Journalisten verschiedener Ringier-Titel «mit Freude am Swiss-Lifestyle» (Medienmitteilung) zusammensetzt.
Auch eine eigene Bildphilosophie ist so recht nicht erkennbar. Kein Wunder, ordnen sich die viel zu kleinen Fotos doch ganz klar der Werbung unter. Und die Models schauen in die Kamera, als ob sie seit zehn Minuten auf das erlösende Klicken des Auslösers warteten. Selbst die Howell-Schuhe sind so abgelichtet, dass man ihren Stil bloss erahnen kann, und das «Dossier» über das neue Après-Ski-Vergnügen langweilt über fünf Seiten mit unterkühlten Zeichnungen, anstatt mit stimmungsvollen Schnappschüssen zu unterhalten.
Die Konkurrenz scharrt bereits mit den Füssen
Sollte dem Ringier-Nachwuchs ungeachtet dieser augenfälligen Kinderkrankheiten dennoch Erfolg beschert sein, dürfte der grösste Schweizer Verlag versucht sein, Type auch diesseits der Sprachgrenze vier Mal pro Jahr unter die Leser zu bringen. Zunächst jedoch sind für 2003 zwei weitere französischsprachige Ausgaben geplant.
Die Konkurrenz hat indessen nicht geschlafen: Am 7. März 2003 erscheint erstmals «Bo – Bolero for men». Und Eric Valette, Chef von Audace Publishing (unter anderem Profil Femme), arbeitet bereits an einem Nachfolger von Untell, dem im Februar eingestellten Männermagazin. Das verspricht noch mehr und hoffentlich tiefere Einblicke in die Männerwelt und Antworten auf die schwierige Frage: Wollen Männer wirklich so unterhalten werden oder vielleicht doch ganz anders?

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