Die Rastlose

Karin Müller macht statt Edelweiss Krisenkommunikation für Götter in Weiss. Ihr PR-Büro in Zürich floriert.

Karin Müller macht statt Edelweiss Krisenkommunikation für Götter in Weiss. Ihr PR-Büro in Zürich floriert.
Sie sei schon immer sehr zielstrebig und leidenschaftlich gewesen. «Bei mir muss etwas laufen. Ich hasse Stillstand», meint Karin Müller. Die frühere Redaktorin Annabelle, Chefreporterin Blick, Redaktionsleiterin Tele 24, Chefredaktorin Edelweiss und jetzige Inhaberin der Karin Müller Kommunikation in Zürich wusste schon nach der Handelsschule, dass sie keinen gewöhnlichen Job wollte. Nicht am Schalter, sondern als Assistentin mitten in der Hektik der Börse hat sie deshalb ihre erste Stelle bei der Bank Sarasin in Basel angetreten. Beim Einstellungsgespräch machte die Zwanzigjährige zur Bedingung, dass sie ein Jahr später für die Bank ins Ausland wechseln durfte. Als die Ungeduldige zwölf Monate später vertröstet wurde, war das Thema Bankkarriere abgeschlossen. «Das war nicht der Deal.» Stattdessen bewarb sich Karin Müller beim Departement für auswärtige Angelegenheiten in Bern und durfte nach einem Jahr vom Protokolldienst des EDA in die Schweizer Botschaft nach Moskau wechseln. «Im Gegensatz zu allen anderen Sekretärinnen dort war das mein absoluter Wunschposten», erinnert sie sich an diese historische Zeit. 1986 hat Gorbatschow fast zeitgleich wie Müller seinen neuen Job angetreten.
Nach eineinhalb Jahren kehrte sie in die Schweiz zurück. Dort arbeitete sie bei Beat Curtis russisch-schweizerischem Joint-Venture «Sadko». Nebenbei schrieb sie für Fachzeitschriften, besuchte einen Kurs am MAZ und landete schliesslich als Polizei- und Gerichtsreporterin beim Blick. «Das Ressort war damals Zufall. Ich arbeitete jedoch sehr gerne als Spürnase», erklärt die Medienfrau, die später für Roger Schawinski das Fahndungsmagazin «Gesucht wird …» mitkonzipiert und als Redaktionsleiterin produziert hat.
Abgesprungen ist die Spürnase bei Tele 24 ein gutes halbes Jahr, bevor der Sender eingestellt wurde. Im Frühling 2001 hat sich Karin Müller als Medientrainerin und TV-Coach selbstständig gemacht.
Heute sind es vor allem Ärzte die sich von ihr coachen lassen. «In meiner Zeit als Redaktorin bei der Annabelle und Freelancerin für Gesundheitsthemen im SonntagsBlick habe ich festgestellt, dass Mediziner ein eher verkrampftes Verhältnis zu Medien haben.» Gesundheitsthemen wurden zunehmend wichtiger und sind zurzeit sehr aktuell. «Ärzte werden immer mehr vor die Medien gezerrt, stehen unter Beschuss», weiss Müller. Die Branche bekunde Mühe mit der Demontage. Deshalb bietet sie jetzt am MAZ ein spezielles Medientraining für Ärzte an.
Vor einem Monat erschien zudem Karin Müllers Fachbuch «Ärzte und Medien» über Krisen-PR und professionellen Umgang mit Journalisten. Ein allgemeineres Buch rund um professionelle Medienarbeit in Krisensituationen hat sie vor zwei Jahren unter dem Titel «Hotline Presse» publiziert.
Im Januar 2003 wurde Karin Müller überraschend ein Mandat als Chefredaktorin für die zweisprachige Frauenzeitschrift Edelweiss bei Ringier angeboten. Dass der Verlag schon drei Monate später Übernahmeverhandlungen mit der Konkurrenz Bolero aufgenommen hatte, bedauert Müller heute noch. Die meisten ihrer damaligen Mitarbeiterinnen seien nach wie vor arbeitslos. «Ich hatte da sehr viel mehr Glück», erklärt Müller.
Ihre Erfahrungen als Chefredaktorin der Frauenzeitschrift nutzte sie geschickt für ihr Kommunikationsbüro. Inzwischen hat sie sich nämlich auch im Lifestyle-Bereich durchsetzen können und attraktive Kunden gewonnen. «Weitere kommen demnächst hinzu», schmunzelt sie viel sagend.
Für die Parfümeriekette Marionnaud betreut sie die Kundenzeitschrift in drei Sprachen sowie die Konzernkommunikation. Eine weitere spannende Herausforderung ist das Versandhaus Ackermann, das sein Image modernisieren will. Das Modeunternehmen hat sich neu bei der Designermesse Gwand engagiert und den Prix Prêt à porter gesponsert. Jetzt bringt das Versandhaus im Herbst eine exklusive Kollektion des Siegers auf den Markt. Dieses Sponsoring soll weitergeführt werden. Müller organisierte kürzlich die Pressekonferenz in Zürich. Mit Erfolg: Sämtliche für Ackermann wichtigen Redaktionsvertreterinnen waren anwesend und wollten sofort Teile der Kollektion bestellen.
Das Büro von Karin Müller Kommunikation befindet sich im Technopark. In diesem Zentrum für Aufbruchstimmung hat sie sich mit einer Präsentation bewerben müssen. Ihre Firma ist zurzeit die einzige im Park aus der Kommunikationsbranche. Bereits hat sie neue Pläne: Ihr «Start- up» sollte in Zukunft auf zwei bis drei Mitarbeitende aufgestockt werden.
Ärzte-Coaching, Kommunikation für eine Parfümeriekette und

ein Modeversandhaus: Karin Müller tanzt auf vielen Hochzeiten.
Andreas Panzeri

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