«Die Presse erhält an den Kiosken immer mehr Platz»

Josef Jungo, K-Group, zur Kritik der Verlage und zur Gratisabgabe von 20 Minuten

Josef Jungo, K-Group, zur Kritik der Verlage und zur Gratisabgabe von 20 Minutenvon Markus Knöpfli Letztes Jahr hat die K-Group in der Schweiz den Umsatz und die Investitionen erhöht. Dennoch wird sie immer wieder von den Verlagen kritisiert. Der Versuch mit 20 Minuten am Kiosk ist jedoch nur ein Kritikpunkt, auf den Josef Jungo, Geschäftsführer der K-Group Schweiz, eingeht.
Letztes Jahr hat die K-Group allein in der Schweiz 33 Millionen Franken investiert. Wofür?
Josef Jungo: Gut 40 Prozent investierten wir in die Erhaltung des Verkaufsstellennetzes, in Neu- und Umbauten. Rund 30 Prozent fliessen in technische Anlagen, wie die neue Kommissionierungsanlage oder das Datawarehouse.
30 Prozent der Investitionen werden für Neukonzepte wie Convenience oder neue Pressewarenträger ausgegeben.
Wie gross war 2001 der Anteil der Presse am Umsatz der K-Group Schweiz?
Jungo: Etwa 33 Prozent, das sind knapp über eine halbe Milliarde Franken.
Im Valora-Halbjahresbericht 2001 war von einem «leichten Umsatzrückgang» beim Pressebereich die Rede. Wie sieht das übers ganze 2001 aus?
Jungo: Dieser Bereich ist seit etwa fünf Jahren rückläufig und lag einmal bei 35 Prozent. Letztes Jahr haben die Zeitungen weiter verloren (Gratiszeitungseffekt), die Abnahme flachte aber deutlich ab, und die Zeitschriften haben sich sogar beinahe stabilisiert.
Die Rückläufigkeit im Pressebereich erstaunt Verlage nicht. Sie sagen, die Produktevielfalt an den Kiosken habe derart zugenommen, dass immer weniger Platz für Printtitel vorhanden ist.
Jungo: Das Gegenteil ist der Fall. Wie gesagt, wir investieren bis 15 Millionen Franken pro Jahr in unsere Kioske, die auch vergrössert werden. Die Presse erhält jeweils mehr als 50 Prozent des Platzes, und dieser Anteil wird immer grösser. Zudem investieren wir in neue Pressegestelle und Wände, die mehr Möglichkeiten bieten.
Die Verlage kritisieren auch, dass Promotionen nicht vollständig umgesetzt würden. Was die K-Group anbiete, könne sie nicht bis zum letzten Depositär überprüfen.
Jungo: Promotionen machen wir primär an den Eigenstellen und nur bei Depositären, die eng mit uns zusammenarbeiten. Was auch wichtig ist: Wenn wir ein flächendeckendes Promotionsangebot machen, reden wir immer nur von 1000 unserer 1350 Verkaufsstellen (VS). Der Grund: Nicht alle Kioske sind gleich ausgrüstet.
Lässt sich dieses Problem also mit einer besseren Kommunikation Ihrerseits lösen?
Jungo: Das ist ein Teil der Lösung. Weitere Teile sind Quality Management und die enge Zusammenarbeit mit den Medienhäusern. Beides wurde intensiviert und zeitigt gute Erfolge.
Wie viel nimmt die K-Group Schweiz durch Promotionen ein?
Jungo: Letztes Jahr waren es keine vier Millionen Franken.
Kritisiert wird aber, die K-Group gehe immer mehr dazu über, Verlagen und anderen Firmen Verkaufsförderung anzubieten statt Zeitungen zu verkaufen.
Jungo: Dass dies überhaupt nicht stimmt, sieht man nur schon am Umsatz des Presseverkaufs von einer halben Milliarde Franken, der ja zum bescheidenen Promotionsertrag in keinem Verhältnis steht. Schon unsere Investitionen in die Kioske sind viermal höher. Richtig ist einzig, dass wir das Potenzial von einer Million zahlenden Kunden pro Tag noch mehr nutzen und unseren Partnern – auch Werbeagenturen – die Möglichkeiten besser präsentieren wollen. Wenn nämlich ein neues Produkt beworben wird, kann man dies ganz konkret am POS unterstützen. Aber unsere Hauptinteressen sind ganz klar ein gutes Angebot und ein guter Absatz.
Manche Verlage kritisieren zudem, dass die Promotionen zu teuer seien. Sie sagen, es lohne sich eher, Geld in die Abowerbung zu stecken als in den Einzelverkauf.
Jungo: So pauschal kann ich das nicht beurteilen. Ich meine, es braucht beides, denn der Einzelverkauf ist meist der Steigbügelhalter für Abokunden.
Was macht die K-Group denn nun selbst, um den Presseabsatz wieder in die Höhe zu treiben?
Jungo: Von unseren Investitionen haben wir ja schon gesprochen. Demnächst eröffnen wir zudem in Bern das erste unserer neu konzipierten Pressecenter, in denen wir noch besser nach Titelkategorien präsentieren können. Doppelpräsentationen von Pressetiteln ist ebenfalls ein Thema. Weiter ist es uns gelungen, Warenhäuser davon zu überzeugen, dass der Umsatz mit grösseren Pressewänden steigt. Und schliesslich wollen wir unsere Kontakte zu den Verlagen so vertiefen, dass wir gemeinsam noch besser auf Ereignisse wie den Tod von Queen Mum oder die Medaillen von Simon Ammann reagieren können.
Was war der wirkliche Grund dafür, dass Sie den Versuch, 20 Minuten an den Kiosken gratis abzugeben, gestoppt haben?
Jungo: Dem Entscheid lag eine normale betriebswirtschaftliche Betrachtung zu Grunde, zu der es intern allerdings keine Einstimmigkeit gab. Unsere primäre Stossrichtung ist der Verkauf und nicht das Verschenken von Presseerzeugnissen. Der Vertrieb von Gratiszeitungen hingegen ist ein Service im Feinlogistikbereich, der uns aber eines unserer Kerngeschäfte kaputt macht – einerseits am POS selbst, andererseits stört er unsere Beziehung zu den Verlagen.
Dieser letzte Punkt war denn wohl zur Hauptsache ausschlaggebend für den Stopp, oder? Ihre eigene Studie sagte ja, dass weder der Absatz im Bereich Presse noch der der übrigen Produkte unter dem Versuch litt.
Jungo: Die Beziehung zu unseren strategischen Partnern spielt logischerweise auch eine wichtige Rolle, aber letztlich standen betriebswirtschaftliche Überlegungen im Vordergrund. Dies umso mehr, als sich mehrere Verlage für die Distribution und die Druckaufträge ihrer Konkurrenten, der Pendlerzeitungen, bemühten. Merkwürdig war zudem, dass diejenigen, die uns den Test verbieten wollten, an den Testresultaten besonders interessiert waren.

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