Die Handwerker

Die Designagentur Pixeldisko begleitet Unternehmen im Bereich der visuellen Kommunikation. Mit Liebe zum Detail und Sinn für Zweckmässigkeit.

Es ist ein herzlicher Empfang bei Pixeldisko. Trotz eisiger Kälte. Dick eingepackt stehen Othmar Küng und Marc Schadegg beim Schuppen vor der Agentur, um die nacheinander eintrudelnden Gäste zu begrüssen. Rund um den Hauseingang sind, wie bei einem Strassenmarkt, Verpflegungsstände aufgebaut. Neben einem Maroni-Häuschen liegen auf einer grossen Theke Antipasti-Spezialitäten auf. Ein anderer Stand hält eine Auswahl warmer und kalter Getränke bereit.

Geschäftskunden, -partner und Freunde – mit und ohne Kinder – sind an diesem Dezemberabend gleichermassen zum Agenturfest gekommen. Jene, die noch nie bei Pixeldisko waren, um sich ein Bild von der Designagentur zu machen. Andere wiederum, um das Team auch mal neben der Arbeit zu treffen.

Pixeldiskos Domizil im Zürcher Quartier Hottingen ist ein geschichtsträchtiges Gebäude. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist das dreistöckige Haus die Wirkstätte von Handwerkern und Künstlern, etwa der Expressionistin Helen Dahm oder des Schweizer Malers Otto Morach. Auch wenn die Räume mittlerweile renoviert sind und anstatt einer Werkbank moderne Büromöbel auf dem alten Holzboden stehen. Die Tradition führen die jetzigen Mieter fort. Pixeldiskos Selbstverständnis ist mehr das eines handwerklichen Betriebs denn einer Werbeagentur: «Wir sind in erster Linie Gestalter, Typografen, Lithografen und Konzepter – nicht direkt Werber», so Managing Director Othmar Küng, der Pixeldisko vor sechs Jahren gegründet hat.

Küng selbst hat sein Gestalter-Handwerk in einer kleinen Ostschweizer Regionaldruckerei erlernt. Den Satz hat er damals teilweise noch von Hand am Leuchtpult bearbeitet und mit der Repro-Kamera eigenhändig belichtet. Könnte er, übernähme Küng auch heute noch jeden einzelnen Produktionsschritt. «Damit ein Produkt am Schluss so aussieht, wie wir es uns vorgestellt haben.» Arbeiten, die heute in einem Team von acht Personen und spezialisierten Partnern entwickelt und bis zum Schluss begleitet werden.

Seit einem Jahr ist Küng denn auch nicht mehr alleine für die Geschicke der Agentur verantwortlich, sondern teilt sich die Leitung mit CD Marc Schadegg. Einer, der «gleich tickt». Küng und Schadegg haben dieselbe Herangehensweise und denselben Anspruch an ihre Arbeit. Und sie teilen sich die Liebe zum Detail. «Wir haben Herzblut für die kleinen Dinge», erzählt Schadegg. Intensiv könnten sich die beiden über den Abstand zwischen einem A und einem B auf einer Visitenkarte unterhalten, wenn es denn zweckmässig ist. Für sie ein erfüllter Tag. Oder sie nutzen die Zeit beim Stöbern im Firmenarchiv Chocolat Frey, um sich für ein nostalgisches Packaging zum 125-jährigen Jubiläum des Schokoladenherstellers inspirieren zu lassen.

Dienstleistung anstatt Selbstverwirklichung

Die Kunden, die Pixeldisko kommunikativ und gestalterisch begleitet, stammen aus den unterschiedlichsten Bereichen, vom Kleinstbetrieb bis zum international tätigen Konzern. Einmal definiert Pixeldisko ein Visitenkärtchen für eine befreundete Schneiderin oder einen kleinen Schreinerbetrieb. Ein anderes Mal ist es die visuelle Markenidentität eines Shop-in-Shop-Konzepts für den Kamerahersteller Canon oder ein B2B-Onlinetool für die UBS. «Der Laden um die Ecke ist für uns so spannend wie ein Grosskunde», so Schadegg. Auf ein kleines Projekt für ein Start-up-Unternehmen folgt ein Grossprojekt als Leadagentur für Chiquita, bei denen sich die Handwerker von der «Maschinerie mitgetragen und inspiriert» fühlen. Auch bei den Kunden aus dem Kultur- und Unterhaltungsbereich stehen sich Kleine und Grosse gegenüber. Auf der einen Seite Dabu Fantastic, eine Schweizer Band, die Pixeldisko schon seit der Gründung begleitet. Auf der anderen Seite mit Warner Brothers und Twentieth Century Fox internationale Filmverleiher, für die Pixeldisko unter anderem Outdoor- und Inseratenkampagnen oder Promotionen realisiert.

Im Kern gehe es immer darum, sich auf einen Kunden einzulassen, ein Dienstleister zu sein. «Wir kommen primär nicht mit dem Gedanken zur Arbeit, uns selbst zu verwirklichen», so Küng. «Wir versuchen, die Dinge im Geiste des Kunden umzusetzen.» Und sei es, Formulare für interne Firmenabläufe zu entwickeln. «Das mögen einige als sehr trockene Arbeit ansehen. Wir sehen das Erfüllende unserer Aufgabe in der Beantwortung der Fragen, ob der Gestaltungsraster korrekt ist. Ob die Zeilenabstände gross genug sind, damit man die Formulare von Hand ausfüllen kann. Ob ein PDF zur Vereinfachung der Prozesse direkt online ausgefüllt werden könnte», so Schadegg. Ihre Befriedigung erhalten sie, wenn der Kunde am Schluss glücklich ist. Wenn er feststellt, dass das richtige Papier gewählt wurde. Wenn er sich darüber freut, dass die Visitenkarte in die Brusttasche passt. Oder wenn er sich vom Text nicht überrumpelt, sondern stilvoll angegangen fühlt.

In ihrem Auftreten wirken Küng und Schadegg unkompliziert und hemdsärmelig. Die Sorgfalt bleibt bei Pixeldisko jedoch niemals auf der Strecke. Auch nicht beim Agenturfest. Die Atmosphäre ist locker, doch alles durchdacht. Vom Empfang über die Verpflegungsstände bis zur Verabschiedung. Die eigens für das Fest angefertigte Tasse wird bei der Ankunft rasch mit Glühwein oder Punsch gefüllt. Ein angesichts der Kälte willkommenes Geschenk, um die kalten Hände daran zu wärmen. Zum Schluss wird der Trinkbegleiter in eine am Ausgang bereitstehende Papiertüte gesteckt und bequem nach Hause getragen.

Isabel Imper

Unbenannt-14_1
 

More articles on the topic