Die Finger verbrannt

Daniel Schifferle über die fatalen Folgen des Hüst und Hott bei der Radioforschung.

Daniel Schifferle über die fatalen Folgen des Hüst und Hott bei der Radioforschung.
Forschungsresultate zurückzu- halten ist fast so schlimm, wie wenn eine börsenkotierte Firma die Veröffentlichung ihrer Bilanz verschiebt. Gesellt sich noch eine halbherzige Informationspolitik hinzu, wie im Fall der mehrfach aufgeschobenen Publikation der Radiocontrolzahlen, ist der Schaden perfekt. Vorenthaltene Fakten sind nicht nur Gift für jede Marktforschung. Sie sind ein idealer Nährboden, auf dem zweifelhafte Argumente ewiger Kritiker ins Kraut schiessen. Rasche und umfassende Transparenz durch die Publica Data wäre zwingend gewesen, um solchen Auswirkungen von vornherein den Riegel zu schieben.
Kritische Stimmen gehören zur normalen Begleitmusik jeder Marktforschung, sie tauchten auch im Zusammenhang mit Radiocontrol immer wieder auf. Und sie machen auch Sinn als Gegengewicht zum blinden Vertrauen, das die Empfänger von Forschungsresultaten den Datenlieferanten entgegenbringen müssen. Wenn jetzt allerdings kein Geringerer als Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument die Resultate der Radioforschung in Zweifel zieht, dann erhält die Angelegenheit eine neue Dimension.
Die Einwände von Lebrument sind nachvollziehbar. Wenn ein Forschungssystem nach der Aufstockung der Stichprobe plötzlich um bis zu 30 Prozent tiefere Werte liefert, dann stimmt etwas nicht mit diesem System. Die Erklärung von Matthias Steinmann, CEO der Telecontrol Gruppe, die neuen Zahlen seien genauer (siehe Seite 18), tönt zynisch. Jedenfalls ist die Aussage das Gegenteil von einem Trost, denn sie demaskiert die bisherige Radioforschung als höchst unpräzise. Zumindest im Falle der drei Radios, die ohne Ankündigung und ohne Erklärungen mit sehr grossen Abweichungen konfrontiert worden sind.
Ins Fettnäpfchen getreten ist aber auch SRG-Generaldirektor Armin Walpen. Obschon es gemäss Statuten nicht an ihm war, die Publikation der Radiozahlen zu verhindern, stellte er sich vorne hin. Damit hat er dem unberechtigten Eindruck, die SRG nehme Einfluss auf die Radio- und TV-Forschung, Nahrung gegeben.
> Daniel Schifferle, Ressortleiter Media & Medien

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