Der Motz von Butz: Wo sich der Werbefuchs und der Osterhase gute Nacht sagen

Werbefiguren, besonders Tiere, sind nicht immer nur sympathisch. Auch vermenschlichte Produkte können mir auf den Keks gehen.

Der schlaue, neue Fuchs, der clevere Preise für Produkte aus dem Coop-Sortiment anbietet, ist mir zu wenig sympathisch. Ich habe mich nicht für ihn begeistern können. Ironisch schmunzeln musste ich aber, als er ausgerechnet als Fuchs frisches zartes Pouletfleisch anbietet. Vielleicht gibts ja noch auf Ostern saftige Gitzis oder Hasenschlegel.

Apropos Hasen. Diese haben ja nun Hochkonjunktur. Süss ist der Weisse ja, in der Aldi-Werbung. Aber all die Hasenformen, die nicht in traditionellen Designs daher kommen, sind diese neuen, neumodischen Schokohasen mit den grossen Michey-Mouse- Augen. Abscheuliche Kreaturen. Mit Ausnahmen ist es leider wieder einmal so, dass früher alles mit mehr Liebe und künstlerischem Flair geformt wurde. In meiner dreijährigen Motz-Erfahrung über die Kommunikationswelt kommt leider diese Behauptung immer wieder vor. Dass es lohnend ist, die besten Designer und Produktgestalter zu beauftragen, beweist der grosse Erfolg des Lindt-Hasen. Meine Theorie: Der Erfolg oder Misserfolg von Werbefiguren hängt von kleinen Details ab. Eines dieser Details ist ganz bestimmt die Qualität, die Erfahrung und die Sensibilität des Künstlers und Animators einer jeweiligen Werbefigur. Sieht man sich zum Beispiel die Mimik und die Gestik der M&Ms zusammen mit der hervorragenden Geschichte der Geiselnahme an und zieht einen Vergleich mit der Thomymayosenf-Tube, dann versteht man hoffentlich, was ich unter Qualität, Erfahrung und Sensibilität verstehe.

Ein weiteres Detail zu einer erfolgreichen Werbefigur ist eine charakteristische Rollenzuteilung. Ausschlaggebend zum Charakter solcher Lebewesen ist auch die Stimme. Beim Fuchs von Coop fehlen mir solche wichtigen Einzelheiten. Die Stimme vom gelben M&M, die sagt, «Ich glaube, er isst den Kevin,» ist perfekt gecastet. Diejenige des Fuchses ist zu marktschreierisch. Er sollte doch ein Schlaumeier sein, der ungern seine Tips verrät. Da fehlen noch viele Charaktereigenschaften, um in Hollywood eine Rolle neben Lion King zu ergattern. Im Gegensatz zu den Schokosticks für Ferrero-Produkte-Werbung besitzt der Fuchs aber immerhin mit einigen Retouchen eher die Chance auf eine grössere Rolle. Eines ist sicher: Die Grenze zwischen Top und Flop ist sehr schmal. Eigentlich kommt es bei allen Kreationen darauf an, wie viel Bauchgefühl im Kermit – dem Frosch, im Pluto, im Ice-Age-Eichhörnchen, im neuen Jaguar e-type oder dem Werbefuchs und dem Osterhasen steckt. Wissenschaftlich errechnen kann man eben diesen Wurf nicht. Wer schon bei der Entwicklung solcher diffizilen Kreaturen Geld und Geduld sparen will, der hat sowieso schon verloren und man kann ihn gute Nacht wünschen.

Mein Aufsteller ist, dass die Natur im Moment wieder mal eine hervorragende Werbekampagne fährt. Die Hummeln und Bienen stehen Schlange.  

Theophil Butz, Grafiker, Werbeagentur-Inhaber, Inspirator und seit drei Jahren auch noch
Motzer für die Werbewoche-Leser. Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected]

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