Der Motz von Butz: Ein Schuss in den Ölofen
Etwa auf diesem Niveau findet für mich die Werbung für Heizöl statt. Die aktuellen Spots lassen einen schaudern – nicht nur, weil die Heizung nicht funktioniert.
Haben Sie sich schon mal bewusst die Spots für Heizöl angeschaut? Wenn nicht, dann haben Sie sich einen Werbeschrott ersparen können. Da laden ein Wichtigtuer und seine aufgemotzte Ehefrau zur Hauseinweihung ihre besten Freunde zu einem Gourmet-Dinner ein. Nach einer prahlerischen Kurzrede des Hausherrn wird zum Höhepunkt mit einen Cüpli auf die Feier angestossen. Bis dahin war der Werbefilm schon eher peinlich. Aber jetzt kommt die Pointe. Wer den Spot nicht selbst gesehen hat, wird mir masslose Übertreibung unterstellen. Also die Heizung funktioniert nicht oder der Hausherr und seine Tussi haben vergessen, sie einzuschalten. Dieser Fauxpas wirkt sich so aus, dass der Schampus in den Gläsern eingefroren ist und die klirrende Kälte die Zunge der Ehefrau am Glasrand kleben lässt. So ungefähr kommt dieser Spot von der Erdöl-Vereinigung daher. Damit aber nicht genug, denn es gibt noch zwei weitere Spots. Die muss man gesehen haben: Link.
Um mir das Ganze besser vorzustellen, habe ich mich in der Heinzöl-Werbung vertieft. Ausgeheckt wurde dieses Konstrukt ausgerechnet von einer meiner Lieblingsagenturen, Ruf Lanz. Eigentlich sind sie bekannt, dass sie optisch starke Ideenumsetzungen kreieren, die mit Witz vor allem auf den Punkt die angestrebte Aussage treffen. Hier geht der Schuss in den Ofen.
Da steht man vor dem Kunden und erklärt ihm diese geniale Idee: «Heizt man nicht mit Erdöl, könnte Putin den Gashahn zudrehen oder der Strom fällt aus, Holz oder Eierkohlen könnten knapp werden. Und dann passiert es eben, dass die Cüplis einfrieren. Also lieber mit Erdöl heizen. Wie finden Sie die Idee? Wir werden die Geschichte dann noch mit viel Ironie verdeutlichen, so dass nur Dumme nicht mit Öl heizen. Der Scherz mit der Zunge sorgt für mehr Aufmerksamkeit.» Ich denke, dass in der heutigen Zeit frierende Menschen in unseren Gefilden unglaubwürdig erscheinen. Ich glaube auch nicht, dass auf Grund dieser blöden Reklame mehr Öl verheizt wird. Ich kann mir vorstellen, dass es keine einfache Aufgabe ist, Heizöl zu bewerben. Aber dieser Approach vermittelt die falsche Tonalität nebst dem Versuch, die Konkurrenz Gas und Strom als unsichere Heizsysteme darzustellen, was aber Gott sei Dank niemand bemerkt.
Ich bin froh, dass ich vor 24 Jahren meine stinkende Ölwanne entsorgen liess. Und mein Gas gibt prima Gas.
Mein Aufsteller der Woche war unser Zauberzwerg, der gegen die Littauer seinem Namen alle Ehre gemacht hat.
Theophil Butz, Grafiker, Werbeagentur-Inhaber, Inspirator und seit mehr als drei Jahren auch noch Motzer für die Werbewoche- Leser. Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected].

