Der Milchmann kommt nicht mehr
Packaging 5 Eine zerbrochene Milchglasflasche steht am Anfang einer beispiellosen Verpackungshistorie für das nahrhafte Getränk. Vor allem dank der Migros steht Milch heute in vielfältigsten Verpackungsformen im Regal.
Packaging 5 Eine zerbrochene Milchglasflasche steht am Anfang einer beispiellosen Verpackungshistorie für das nahrhafte Getränk. Vor allem dank der Migros steht Milch heute in vielfältigsten Verpackungsformen im Regal.
Kauft der Schweizer Konsument Milch, steht er vor der Qual der Verpackungswahl: Tetra Brik, Top (mit Schraubdeckel), Schlauchbeutel oder PE Flasche – kein anderes Grundnahrungsmittel erfreut sich einer solchen Präsentationsvielfalt.
Was für helvetische Konsumenten heute eine reine Selbstverständlichkeit ist, stiess vor rund 40 Jahren auf harten, zumeist bäuerlichen Widerstand. Dem Grossverteiler Migros ist es unter anderen Anbietern zu verdanken, dass lichtgeschützt verpackte Milch in Selbstbedienungsläden eingeführt wurde. Denn Pierre Arnold, ehemaliger Verwaltungsratspräsident des Migros-Genossenschafts-Bundes, war einer der Visionäre, die sich 1958 trotz Opposition der Milchlobby für die Verbreitung der «Papiermilch» stark machten. Diese war vom schwedischen Hersteller Tetra Pak Mitte der Fünfzigerjahre im Schweizer Markt eingeführt worden. Erst 1962 durfte der Detaillist die ersten tetraederförmigen Milchpackungen ins Sortiment aufnehmen. In den Siebzigerjahren folgte Tetra Brik, und rund 20 Jahre später der Schlauchbeutel. Mitte der Neunzigerjahre ergänzte Tetra Top das Sortiment, und seit zwei Jahren gibt es Milch in der PE Flasche.
Das erste Patent für eine Milchpackung aus Karton erwarb 1915 der amerikanische Spielzeugfabrikant John Van Wormer. Glaubt man der Anekdote, gründete seine Erfindung auf der leidigen Bekanntschaft einer Milchglasflasche mit der Gravitationskraft. Die Schwierigkeiten mit der verpackten Milch bestanden zum einen darin, die Konsumenten für die Neuerung zu begeistern. Zum anderen stellte eine antiseptische Abfüllung der Milch höchste Ansprüche an die Technik. Aus Sicht der Lebensmittelhygiene ist das keimfreie Abfüllen in die Verpackung das Hauptproblem, wie Roger Stephan, Leiter des Instituts für Lebensmittelsicherheit und -hygiene der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Zürich, bestätigt. Zudem müsse die Verpackung so beschaffen sein, dass die Inhaltsstoffe der Milch während der Lagerung nicht beeinflusst würden.
Da und dort ertönt ein JuchzerMit dem freien Verkauf von verpackter Milch fand auch eine langjährige Tradition ein abruptes Ende: «Der Milchmann kommt nicht mehr», titelte eine Anzeige für Papiermilch aus den späten Fünfzigerjahren. Die Bezeichnung «Milchkasten» für das grosse Fach unter dem Briefkasten hat sich dennoch bis heute halten können – ebenso eine Handvoll Milchmänner: Beim Milchhändlerverband Basel und Umgebung setzt man heute noch auf das traditionelle Verteilernetz, – dessen bäuerliche Vertreter sich nicht selten mit einem stolzen Juchzer bei den Hausfrauen anmelden.
Am Anfang war der Tetraeder: Kleine Historie der Milchverpackung.
Kauft der Schweizer Konsument Milch, steht er vor der Qual der Verpackungswahl: Tetra Brik, Top (mit Schraubdeckel), Schlauchbeutel oder PE Flasche – kein anderes Grundnahrungsmittel erfreut sich einer solchen Präsentationsvielfalt.
Was für helvetische Konsumenten heute eine reine Selbstverständlichkeit ist, stiess vor rund 40 Jahren auf harten, zumeist bäuerlichen Widerstand. Dem Grossverteiler Migros ist es unter anderen Anbietern zu verdanken, dass lichtgeschützt verpackte Milch in Selbstbedienungsläden eingeführt wurde. Denn Pierre Arnold, ehemaliger Verwaltungsratspräsident des Migros-Genossenschafts-Bundes, war einer der Visionäre, die sich 1958 trotz Opposition der Milchlobby für die Verbreitung der «Papiermilch» stark machten. Diese war vom schwedischen Hersteller Tetra Pak Mitte der Fünfzigerjahre im Schweizer Markt eingeführt worden. Erst 1962 durfte der Detaillist die ersten tetraederförmigen Milchpackungen ins Sortiment aufnehmen. In den Siebzigerjahren folgte Tetra Brik, und rund 20 Jahre später der Schlauchbeutel. Mitte der Neunzigerjahre ergänzte Tetra Top das Sortiment, und seit zwei Jahren gibt es Milch in der PE Flasche.
Das erste Patent für eine Milchpackung aus Karton erwarb 1915 der amerikanische Spielzeugfabrikant John Van Wormer. Glaubt man der Anekdote, gründete seine Erfindung auf der leidigen Bekanntschaft einer Milchglasflasche mit der Gravitationskraft. Die Schwierigkeiten mit der verpackten Milch bestanden zum einen darin, die Konsumenten für die Neuerung zu begeistern. Zum anderen stellte eine antiseptische Abfüllung der Milch höchste Ansprüche an die Technik. Aus Sicht der Lebensmittelhygiene ist das keimfreie Abfüllen in die Verpackung das Hauptproblem, wie Roger Stephan, Leiter des Instituts für Lebensmittelsicherheit und -hygiene der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Zürich, bestätigt. Zudem müsse die Verpackung so beschaffen sein, dass die Inhaltsstoffe der Milch während der Lagerung nicht beeinflusst würden.
Da und dort ertönt ein JuchzerMit dem freien Verkauf von verpackter Milch fand auch eine langjährige Tradition ein abruptes Ende: «Der Milchmann kommt nicht mehr», titelte eine Anzeige für Papiermilch aus den späten Fünfzigerjahren. Die Bezeichnung «Milchkasten» für das grosse Fach unter dem Briefkasten hat sich dennoch bis heute halten können – ebenso eine Handvoll Milchmänner: Beim Milchhändlerverband Basel und Umgebung setzt man heute noch auf das traditionelle Verteilernetz, – dessen bäuerliche Vertreter sich nicht selten mit einem stolzen Juchzer bei den Hausfrauen anmelden.
Am Anfang war der Tetraeder: Kleine Historie der Milchverpackung.
Simone Keller
