Der Link zur linken Presse
Kilian Gasser will mit seiner Werbeakquisition & Verlagsberatung noch mehr kommerzielle Inserate für die WoZ und auch Work verkaufen.
Kilian Gasser will mit seiner Werbeakquisition & Verlagsberatung noch mehr kommerzielle Inserate für die WoZ und auch Work verkaufen.Einem Direktor sei der Stumpen aus dem Mund gefallen, als er die WoZ auf dem Mediaplan für seine Imagekampagne entdeckte. «Mit dem muss ich leben können, wenn ich solche Titel verkaufe», meint Kilian Gasser. Nach dreijähriger Tätigkeit im Kollektiv der linken WochenZeitung hat sich der frühere Facts-Anzeigenleiter Anfang März mit seiner Kilian Gasser Werbeakquisition & Verlagsberatung selbstständig gemacht. Der Verlagsprofi wird weiterhin selbstständig für die WoZ sowie neu die Gewerkschaftszeitung Work die Inserate akquirieren. Dazu plant Gasser, auch «für sinnvolle Filmproduktionen» Sponsoringgelder zu generieren sowie ganz allgemein seine Dienste überall dort anzubieten, «wo eine Brücke zwischen Nonprofit-Institutionen und der kommerziellen Marketingwelt benötigt wird».
Als Selbstständiger hätte er einträglichere Produkte wählen können. «Aber zum Positionieren interessantere gibt es nicht.» Für den aus dem Kollektiv wieder ausgestiegenen Jungunternehmer ist es «eine der grössten Herausforderungen, die es im Inseratebereich gibt», für Titel, die eigentlich nicht kommerziell funktionieren, trotzdem eine kommerziell tragbare Basis zu schaffen.
Es war ein Wechsel «in ein total anderes System», als Gasser vor drei Jahren von Facts zur WoZ «ausgestiegen» ist. «Aber man kann nur gute Erfahrungen machen, wenn man Extremerfahrungen macht.»
Diese Lebenshaltung sei bei ihm erst im Berufsleben gereift. Kilian Gasser ist in einer bürgerlichen Familie in Altdorf aufgewachsen. Viel mehr als die Eishockeyspiele im nahen Ambri Piotta hätte es dort nicht zum Ausflippen gegeben. So ist der Urner vor 15 Jahren nach Zürich gezogen und fühlte sich hier bald einmal «von der Glamourwelt der Medien» angezogen. Marktforschung bei Media Focus, Anzeigenverkäufer bei der inzwischen eingestellten Werbezeitschrift Idée à jour und schliesslich vier erste Jahre als Gebietsvertreter bei Facts waren die Stationen. Dann reizte ihn der Abstecher in eine Werbeagentur. «Das war aber nicht meine Welt.» So folgten noch einmal zwei Jahre bei Facts, diesmal als Anzeigenleiter.
In all dieser Zeit wurde Gasser seine Arbeit «immer mehr zu einem qualitativen Anliegen». Er entwickelte eine Abwehrhaltung «gegen reinsten Kommerz», und als er die Einflüsse der Börse auch bei Facts immer mehr zu spüren glaubte, «blieb schliesslich fast nichts mehr anderes übrig als ein Wechsel zur WoZ».
Trotzdem gibt es für ihn kein klassisches Links und Rechts. «Wirtschaftlich bin ich nie gegen Markt gewesen, sonst wäre ich nicht zur WoZ und hätte dort versucht, die Zeitung näher zum Markt zu führen, damit sie überleben kann.»
Es war seine Motivation, auch für ein erklärt linkes Blatt kommerzielle Anzeigen verkaufen zu können. Das brauchte nicht nur Überzeugungsarbeit innerhalb der Redaktion. Auch bei den Kunden ging das nur «mit ganz kleinen Schrittchen». Trotzdem: In seinen drei Jahren beim Kollektiv hat es Gasser geschafft, den Anzeigenumsatz von 0 auf 150000 Franken Jahresumsatz hochzutreiben.
Es brauche viel Zeit, Medialeute mit einem qualitativ so hohen Verständnis zu finden, dass sie diese «brachliegenden Zielgruppen» bei der WoZ und inzwischen auch Work erkennen können. «Diese Leute konsumieren schliesslich auch.»
Ein gutes Argument findet Gasser auch, dass Kunden, die in solchen Titeln inserieren, «fast alleine sind und deshalb auffallen». Trotzdem sei die Hemmschwelle sehr gross, und er merke, «dass sehr oft bei Planungen nur 08/15-Grundsätze und Lösungen angewendet werden, weil das leichter vertretbar ist».
Sympathie zu zeigen und zugleich Werbewirkung zu erzielen, möchte er hier als Chance anbieten. Oft führe der Weg dazu aber eher direkt über einen politisch mitdenkenden Kunden als über die anonymen Statistiken der Mediaagenturen. Migros, Coop, Denner, Emmi, Swisscom, Post, Rivella oder Bluewin hat Gasser bis jetzt für die WoZ gewinnen können. «Interessant ist, dass jeder, der dazukommt, mithilft, beim anderen Hemmschwellen abzubauen.»
Fast noch schwieriger als für die WoZ sei der Inserateverkauf für die neue Gewerkschaftszeitung Work. Obwohl mit den 100000 Unia-Mitgliedern schätzungsweise 200000 Lesende einer sehr klar definierten Zielgruppe vorhanden sind. «Da gibt es fast keinen Streuverlust.»
Kilian Gasser reizt es, unterschiedliche Systeme kennen zu lernen. So wurde es für ihn auch klar, dass er nicht längerfristig fürs Mittun in einem genossenschaftlichen Kollektiv geschaffen ist. «Es war aber eine wertvolle Erfahrung.»
Er war der Erste, der nicht den Einheitslohn bezog. Mit dem besseren Gehalt als die Redaktion wollte die WoZ unbedingt einen im täglichen Wettbewerb dringend benötigten Anzeigenprofi anstellen. Gasser selber hat aber sein Privileg nach sechs Monaten abgeschafft.
Es ist auch nicht das Geld, welches ihn nun zur Firmengründung motiviert hat. Das war «ein logischer Schritt», denn in grossen Unternehmen «muss man ab einer gewissen Hierarchie nur noch irgendwelchen Leuten gefallen». Umgekehrt glaubt er auch nicht, dass eine reine Selbstverwaltung in dieser Grössenordnung wie bei der WoZ noch möglich ist. Er jedenfalls empfand sein Mitwirken im Kollektiv als zu wenig
effizient. «Man muss sich gut abgrenzen können, sonst läuft man als gutmütiger Vogel Gefahr, dass man zu viel macht und seinen eigentlichen Job vernachlässigt.» Mit der eigenen Firma will Gasser sich «konzentrierter und effizienter dem Anliegen widmen» – nämlich: mithelfen, dass Titel wie WoZ und Work fortbestehen können.
Kilian Gasser: Brückenbauer zwischen Nonprofit-Organisationen und kommerzieller Marketingwelt.
Andreas Panzeri
Als Selbstständiger hätte er einträglichere Produkte wählen können. «Aber zum Positionieren interessantere gibt es nicht.» Für den aus dem Kollektiv wieder ausgestiegenen Jungunternehmer ist es «eine der grössten Herausforderungen, die es im Inseratebereich gibt», für Titel, die eigentlich nicht kommerziell funktionieren, trotzdem eine kommerziell tragbare Basis zu schaffen.
Es war ein Wechsel «in ein total anderes System», als Gasser vor drei Jahren von Facts zur WoZ «ausgestiegen» ist. «Aber man kann nur gute Erfahrungen machen, wenn man Extremerfahrungen macht.»
Diese Lebenshaltung sei bei ihm erst im Berufsleben gereift. Kilian Gasser ist in einer bürgerlichen Familie in Altdorf aufgewachsen. Viel mehr als die Eishockeyspiele im nahen Ambri Piotta hätte es dort nicht zum Ausflippen gegeben. So ist der Urner vor 15 Jahren nach Zürich gezogen und fühlte sich hier bald einmal «von der Glamourwelt der Medien» angezogen. Marktforschung bei Media Focus, Anzeigenverkäufer bei der inzwischen eingestellten Werbezeitschrift Idée à jour und schliesslich vier erste Jahre als Gebietsvertreter bei Facts waren die Stationen. Dann reizte ihn der Abstecher in eine Werbeagentur. «Das war aber nicht meine Welt.» So folgten noch einmal zwei Jahre bei Facts, diesmal als Anzeigenleiter.
In all dieser Zeit wurde Gasser seine Arbeit «immer mehr zu einem qualitativen Anliegen». Er entwickelte eine Abwehrhaltung «gegen reinsten Kommerz», und als er die Einflüsse der Börse auch bei Facts immer mehr zu spüren glaubte, «blieb schliesslich fast nichts mehr anderes übrig als ein Wechsel zur WoZ».
Trotzdem gibt es für ihn kein klassisches Links und Rechts. «Wirtschaftlich bin ich nie gegen Markt gewesen, sonst wäre ich nicht zur WoZ und hätte dort versucht, die Zeitung näher zum Markt zu führen, damit sie überleben kann.»
Es war seine Motivation, auch für ein erklärt linkes Blatt kommerzielle Anzeigen verkaufen zu können. Das brauchte nicht nur Überzeugungsarbeit innerhalb der Redaktion. Auch bei den Kunden ging das nur «mit ganz kleinen Schrittchen». Trotzdem: In seinen drei Jahren beim Kollektiv hat es Gasser geschafft, den Anzeigenumsatz von 0 auf 150000 Franken Jahresumsatz hochzutreiben.
Es brauche viel Zeit, Medialeute mit einem qualitativ so hohen Verständnis zu finden, dass sie diese «brachliegenden Zielgruppen» bei der WoZ und inzwischen auch Work erkennen können. «Diese Leute konsumieren schliesslich auch.»
Ein gutes Argument findet Gasser auch, dass Kunden, die in solchen Titeln inserieren, «fast alleine sind und deshalb auffallen». Trotzdem sei die Hemmschwelle sehr gross, und er merke, «dass sehr oft bei Planungen nur 08/15-Grundsätze und Lösungen angewendet werden, weil das leichter vertretbar ist».
Sympathie zu zeigen und zugleich Werbewirkung zu erzielen, möchte er hier als Chance anbieten. Oft führe der Weg dazu aber eher direkt über einen politisch mitdenkenden Kunden als über die anonymen Statistiken der Mediaagenturen. Migros, Coop, Denner, Emmi, Swisscom, Post, Rivella oder Bluewin hat Gasser bis jetzt für die WoZ gewinnen können. «Interessant ist, dass jeder, der dazukommt, mithilft, beim anderen Hemmschwellen abzubauen.»
Fast noch schwieriger als für die WoZ sei der Inserateverkauf für die neue Gewerkschaftszeitung Work. Obwohl mit den 100000 Unia-Mitgliedern schätzungsweise 200000 Lesende einer sehr klar definierten Zielgruppe vorhanden sind. «Da gibt es fast keinen Streuverlust.»
Kilian Gasser reizt es, unterschiedliche Systeme kennen zu lernen. So wurde es für ihn auch klar, dass er nicht längerfristig fürs Mittun in einem genossenschaftlichen Kollektiv geschaffen ist. «Es war aber eine wertvolle Erfahrung.»
Er war der Erste, der nicht den Einheitslohn bezog. Mit dem besseren Gehalt als die Redaktion wollte die WoZ unbedingt einen im täglichen Wettbewerb dringend benötigten Anzeigenprofi anstellen. Gasser selber hat aber sein Privileg nach sechs Monaten abgeschafft.
Es ist auch nicht das Geld, welches ihn nun zur Firmengründung motiviert hat. Das war «ein logischer Schritt», denn in grossen Unternehmen «muss man ab einer gewissen Hierarchie nur noch irgendwelchen Leuten gefallen». Umgekehrt glaubt er auch nicht, dass eine reine Selbstverwaltung in dieser Grössenordnung wie bei der WoZ noch möglich ist. Er jedenfalls empfand sein Mitwirken im Kollektiv als zu wenig
effizient. «Man muss sich gut abgrenzen können, sonst läuft man als gutmütiger Vogel Gefahr, dass man zu viel macht und seinen eigentlichen Job vernachlässigt.» Mit der eigenen Firma will Gasser sich «konzentrierter und effizienter dem Anliegen widmen» – nämlich: mithelfen, dass Titel wie WoZ und Work fortbestehen können.
Kilian Gasser: Brückenbauer zwischen Nonprofit-Organisationen und kommerzieller Marketingwelt.
Andreas Panzeri
