Der Konkurrenzkampf geht weiter

War Publicitas Cinecom lange der einzige Kinovermarkter in der Schweiz, gibt es seit letztem Jahr mit WerbeWeischer wieder einen zweiten Player auf dem Markt. Was hat sich seither verändert? Wer konnte wo zulegen? Und wie geht es 2014 weiter? Die beiden Konkurrenten haben sich in einer Email-Debatte unseren Fragen gestellt.

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WW: Seit einem Jahr hat Publicitas Cinecom mit WerbeWeischer einen Konkurrenten in der Schweizer Kinovermarktung. Publicitas Cinecom startete mit einem Marktanteil MA von 71 Prozent (ganze Schweiz), 56 Prozent in der Deutschschweiz, WerbeWeischer mit einem MA von 44 Prozent (Deutschschweiz), 29 Prozent (ganze Schweiz) (vgl. Tab.). Gibt es zum Jahresbeginn 2014 eine Veränderung?
Christian Wittmer CW: Wir erwarten keine wesentlichen Veränderungen in den Marktanteilen. Auf Grund der Erneuerungen wichtiger Partnerschaften z. B. im Raum Zürich mit Arena Cinemas und Neugass Kino werden wir 2014 in Zürich insgesamt 13 neue Säle vermarkten. Mit diesen und weiteren Partnerschaften in der ganzen Schweiz bleibt Publicitas Cinecom marktführend in allen Sprachregionen.
Nils Schilling NS: Tatsache ist: Es gibt wesentliche Veränderungen in den Marktanteilen, seit WerbeWeischer in den Schweizer Markt gestartet ist. In der Deutschschweiz verfügen wir heute über einen Marktanteil von 47 Prozent. Bezogen auf die Pools der MACH Cinema, kommt Werbe- Weischer in Luzern auf 77 Prozent, in Bern auf 48 Prozent, in St. Gallen/Schaffhausen auf 80 Prozent und in Zürich – nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit Arthouse – auf 56 Prozent, während Publicitas Cinecom hier nur über einen Marktanteil von 44 Prozent verfügt. Wir sind mit Abstand Marktführer in den Key Citys der Deutschschweiz – und die Entwicklung für 2014 ist noch nicht abgeschlossen, so dass es insgesamt weitere Verschiebungen zugunsten WerbeWeischer geben wird.
CW: Unter Einbeziehung der Schliessungen und Neueröffnungen von Kinosälen im 2014, die in der Berechnung von Nils Schilling noch nicht berücksichtigt worden zu sein scheinen, kommen wir gemäss unseren Hochrechnungen (ausgehend von den Marktanteilen der MACH Cinema 2013) auf die zuvor genannten Marktanteile. Wir gehen von folgenden Marktanteilen im 2014 aus: Basel (88%), Bern (52%), Genf (100%), Zürich (52%, ohne Winterthur 58%), Lausanne (100%) und Lugano (100%). Unseren Werbekunden können wir somit als einziger Vermarkter auch weiterhin ein landesweites Kinoportfolio anbieten. Die für das Jahr 2014 bereits angekündigten neuen Kinosäle unserer Partner sind wesentliche Bestandteile einer realistischen Prognose der Marktanteile 2014.
NS: Wir finden es irreführend, dass Publicitas Cinecom für Zürich mit Marktanteilen argumentiert, die auf noch nicht eröffneten Kinosälen und damit auf noch nicht vorhandenen Besuchern fussen.

WerbeWeischer ist bislang ausschliesslich in der Deutschschweiz aktiv. Dies dürfte mit der Aufteilung der beiden grössten Kinobetreiber zusammenhängen. WerbeWeischer hat mit der Kitag den zweitgrössten Kinobetreiber an Bord, dieser ist jedoch in der Westschweiz nicht präsent. Die Nummer 1, die gesamtschweizerisch tätige Pathé, wird von Publicitas Cinecom vermarktet. Nils Schilling, Sie haben geschrieben, 2014 sei mit weiteren Verschiebungen zu rechnen. Geht es dabei auch um die Westschweiz?
NS: Unser Markteintritt zielte von Anfang an auf die Gesamtschweiz, und natürlich werden wir auch in der Westschweiz aktiv.

Im Jahr 2014 werden Sie jedoch noch keine Säle in der Westschweiz vermarkten können, richtig?
NS: Das ist korrekt.

Christian Wittmer, wann wurden die Verträge mit Pathé das letzte Mal verlängert? Und: Wann laufen sie aus?
CW: Wir haben sowohl mit Pathé als auch mit unserem zweitgrössten Partner Arena Cinemas langfristige Verträge – exklusive Vermarktungsmandate.

Das heisst, die nächsten zwei bis drei Jahre bleiben Pathé und Arena bei Publicitas Cinecom?
CW: Zu Inhalten unserer vertraglichen Vereinbarungen mit Partnern geben wir keine Auskunft.

Publicitas Cinecom und WerbeWeischer unterscheiden sich in ihren Preis- und Abrechnungsmodellen. Gibt es 2014 Anpassungen? Verändert sich etwa der TKP? (Publicitas Cinecom: TKP mind. 12 Fr.; WerbeWeischer: TKP mind. 11.50 Franken).
CW: Publicitas Cinecom wird am Preisniveau 2013/2014 nichts verändern. 2014 lancieren wir neue Packages, die den Zugang zum Medium Kino weiter vereinfachen und transparenter gestalten.
NS: WerbeWeischer rechnet seit Markteintritt jeden einzelnen Besucher für jede einzelne Kinovorstellung ab. Mehr Transparenz und Präzision gehen nicht. Die Publicitas Cinecom hingegen kalkuliert unverändert mit einer Hochrechnung auf Basis eines Städte-Pools und hat keinen Zugriff auf diese Detailebene. Unsere Abrechnungsform Cost-per-Visit im Weischer-Kinopark ist die härteste Währung im Kinomarkt. Wir bekommen täglich aktuell die Daten von den Kinokassen. Nachvollziehbarkeit, Transparenz und leistungsgerechte Abrechnung sind Teil unserer Mission, davon profitieren Kinobetreiber und Werbeauftraggeber gleichermassen. Zur Frage der Preisentwicklung: Insgesamt wird es im nächsten Jahr über alle unsere Produkte hinweg eine moderate Preissteigerung von etwa fünf Prozent geben, da es eine hohe Nachfrage nach filmspezifischen Buchungen und Sonderwerbeformen im Kino gibt.
CW: Bei einem Portfolio mit mehr als 100 Partnern in der ganzen Schweiz ist ein Zugriff auf alle Kassensysteme komplexer als bei einem vergleichsweise deutlich kleineren Partnerumfeld. Aus diesem Grund rechnen wir im Moment auf Basis der Ticketabverkäufe von ProCinema ab. Als Branchenverband stellt ProCinema eine zuverlässige und valide Basis dar. Wir arbeiten zudem an einer effizienten Lösung, die die Abrechnung direkt über die Kassensysteme ermöglicht und der hohen Abdeckung gerecht wird, die wir unseren Kunden schweizweit bieten. Für den Kunden gilt in beiden Fällen: Kino ist das Medium mit der härtesten und somit transparentesten Währung.
NS: Zur Klarstellung möchte ich ergänzen: Das von Cinecom etablierte Verfahren stellt lediglich eine ungenaue Hochrechnung von wöchentlichen Besucherdaten der grössten Städte auf die jeweilige Kampagne dar. Dieses Verfahren ist nicht vergleichbar mit dem von WerbeWeischer zum Marktstart eingeführten Abrechnungssystem, das die tagesaktuellen Besucherzahlen jeder Kinovorstellung aus der Kinokasse nutzt – und damit höchste Präzision und völlige Transparenz für die Werbekunden bietet.
CW: Es scheint mir gewagt, von ungenauen Hochrechnungen zu sprechen. Wir erhalten Zahlen bis auf die Ebene der einzelnen Kinosäle vom Schweizerischen Verband für Kino und Filmverleih, um unsere Abrechnungen zu erstellen.

Wie sieht es im Bereich Crossmedia-Angebote aus?
CW: Wir bauen im 2014 unsere crossmedialen Angebote weiter aus. Neben Star-TV werden andere Fernsehsender ins Angebot einbezogen. Auf Cineman. ch und Kinowetter.ch folgen weitere Online- Portale.
NS: Im Bereich Online kooperieren wir neben unserem bisherigen Kino-Webangebot künftig auch mit 20 Minuten und vermarkten für Tillate.com das Thema Kino im Entertainment-Bereich exklusiv. Hier profitieren unsere Partner auch von den hohen Erfahrungswerten, die wir aus Deutschland bezüglich Online-Dialog mit Kinozielgruppen mitbringen. Weitere crossmediale Angebote sind etwa die AdScreens, also unser Monitorsystem für Foyerwerbung, sowie zahlreiche Touchpoints im Kino, die wir zur Markeninszenierung nutzen.

Crossmedia-Angebote mögen zu einer Umsatzsteigerung für die Kinobetreiber führen. Unschön für Kinovermarkter ist allerdings, dass es in der Werbestatistik nicht erfasst wird. Einverstanden?
NS: Wir haben natürlich grosses Interesse daran, dass jedes Werbemedium seinen Leistungsnachweis erbringt – insofern stehen wir möglichen Entwicklungen zur Erfassung von crossmedialen Angeboten positiv gegenüber. Aber generell möchte ich betonen: Die Stärkung des Mediums Kino erreichen wir nicht über eine Werbestatistik.
CW: Publicitas setzt stark auf kanalübergreifende Medienlösungen. Einzelmassnahmen können so oder so bereits gemessen werden. Auf Grund unterschiedlicher Währungen kann zwar der Erklärungsbedarf beim Kunden steigen, jedoch überwiegen Vorteile wie der gesteigerte Wirkungsgrad einer crossmedialen Kampagne. So hat eine Studie, die Publicitas Cinecom bei der Research-Firma Brand Science in Auftrag gegeben hat, ergeben, dass Kino im Media-Mix sowohl Zusatzeinnahmen bringt als auch die Gesamtkampagne stärkt.

WW: Wie hoch ist der «kinofremde» Anteil (d. h. alles ausser Kinoleinwand) bei crossmedialen Kampagnen?
CW: Das kommt stark auf die Kampagne an. Innerhalb des Portfolios von Publicitas kann Kino einerseits nur einen kleinen Teil einer crossmedialen Kampagne ausmachen, andererseits gibt es Kunden, die Kino als Hauptmedium einsetzen und mit anderen Angeboten ergänzen. NS: Im Durchschnitt verzeichnen wir bei crossmedialen Kampagnen einen «kinofremden» Anteil von rund zehn Prozent. Bei einzelnen Kampagnen beträgt dieser Anteil aber auch schon mal über 50 Prozent des gesamten Kampagnenbudgets. In diesem Bereich sehen wir auf jeden Fall Steigerungspotenzial.

Die Digitalisierung eröffnete die Möglichkeit für Kooperation mit privaten nationalen TV-Sendern, Regionalsendern oder sogar mit der Publisuisse. Ist in diesem Bereich etwas geplant?
NS: Unsere Aufgabe sehen wir in der Vermarktung von Kino – und dieser Aufgabe widmen wir uns mit hundertprozentiger Leidenschaft. Kino hat eine einzigartige Kontaktqualität, und wenn das Medium Kino kampagnenbezogen mit anderen Medien vernetzt werden soll, ist dies in erster Linie die Aufgabe der Media-Agenturen, hier effiziente Lösungen zu entwickeln. Und noch etwas: Unsere Kinopartner erwarten auch von uns, dass sich unsere Vermarktungsaktivitäten nicht ausserhalb des kinoaffinen Radius bewegen.
CW: Publicitas als Vermarkter auch von TV-Sendern setzt stark auf einen immer intensiveren Austausch zwischen TV und Kino. Crossmediale Kampagnen sind bei unseren Agentur- und Direktkunden zunehmend gefragt.

Schlussfrage: Kinowerbung ist auf Grund der geringen Reichweite ein Nischenmedium. Beim Markteintritt von WerbeWeischer hiess es: Konkurrenz belebt den Markt. Wie erfolgreich waren Sie diesbezüglich, konnte Kinowerbung insgesamt zusätzliche Anteile am Werbekuchen gewinnen?
NS: Aus unserer Sicht wurde der Rückgang bei Kinowerbung um rund 40 Prozent in den Jahren 2003 bis 2012 (Brutto-Werbedruck Werbemarktstatistik Media Focus) verursacht durch eine nicht mehr zeitgemässe Vermarktung von Kino. Eine Weiterentwicklung des Mediums hat in dieser Zeit nicht stattgefunden – insofern bestand hoher Reformierungsbedarf, als wir Anfang letzten Jahres im Schweizer Markt gestartet sind. Nicht zuletzt durch das Kinowerbemodell «Cinema Reloaded» setzt WerbeWeischer hier die dringend notwendigen innovativen Impulse. Vor diesem Hintergrund sehen wir noch deutlich mehr Potenzial für Kino im Media-Mix – auch wegen der aussergewöhnlichen Wirkungsstärke dieses wunderbaren Mediums.
CW: Die Bruttozahlen des in Media Focus ermittelten Werbedrucks sind die falschen Zahlen zur Ermittlung des Anteils am Werbekuchen. Hinsichtlich Marktentwicklung ist branchenübergreifend die Werbestatistik mit ihrer Erfassung der Netto-Umsätze entscheidend, nicht der Werbedruck. Gemäss der Stiftung Werbestatistik Schweiz befindet sich der Kinomarkt seit 2008 auf einem stabilen Niveau, während im Jahr 2011 auf 2012 der Netto-Umsatz sogar um 25 Prozent gesteigert wurde – der Abwärtstrend wurde also bereits vor Eintritt der Konkurrenzsituation aufgefangen (Netto-Umsatz 2009: 26 Mio., 2010: 28 Mio., 2011: 24 Mio., 2012: 30 Mio. CHF). Ein weiterer Aspekt ist der Anteil der Kinowerbung an den Gesamtwerbeausgaben, hier können wir uns nicht beklagen: Mit einem Anteil von rund 0,7 Prozent liegt die Schweiz im internationalen Vergleich relativ hoch und weist einen höheren Wert aus als z. B. Deutschland mit einem Anteil der Kinowerbung von rund 0,5 Prozent (Quelle: SAWA). Dies sehen wir als Bestärkung unserer Strategie einer kontinuierlichen Weiterentwicklung des Mediums, die wir mit der Kompetenz des langjährigen Marktführers in der Schweiz nachhaltig verfolgen.

Moderation: Isabel Imper

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Der Konkurrenzkampf geht weiter

War Publicitas Cinecom lange der einzige Kinovermarkter in der Schweiz, gibt es seit 2013 mit WerbeWeischer wieder einen zweiten Player. Was hat sich seither verändert? Wer konnte zulegen? Wie geht es 2014 weiter? Die Konkurrenten haben sich einer Email-Debatte gestellt.

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WW: Seit einem Jahr hat Publicitas Cinecom mit WerbeWeischer einen Konkurrenten in der Schweizer Kinovermarktung. Publicitas Cinecom startete mit einem Marktanteil MA von 71 Prozent (ganze Schweiz), 56 Prozent in der Deutschschweiz, WerbeWeischer mit einem MA von 44 Prozent (Deutschschweiz), 29 Prozent (ganze Schweiz) (vgl. Tab.). Gibt es zum Jahresbeginn 2014 eine Veränderung?
Christian Wittmer CW: Wir erwarten keine wesentlichen Veränderungen in den Marktanteilen. Auf Grund der Erneuerungen wichtiger Partnerschaften z. B. im Raum Zürich mit Arena Cinemas und Neugass Kino werden wir 2014 in Zürich insgesamt 13 neue Säle vermarkten. Mit diesen und weiteren Partnerschaften in der ganzen Schweiz bleibt Publicitas Cinecom marktführend in allen Sprachregionen.
Nils Schilling NS: Tatsache ist: Es gibt wesentliche Veränderungen in den Marktanteilen, seit WerbeWeischer in den Schweizer Markt gestartet ist. In der Deutschschweiz verfügen wir heute über einen Marktanteil von 47 Prozent. Bezogen auf die Pools der MACH Cinema, kommt WerbeWeischer in Luzern auf 77 Prozent, in Bern auf 48 Prozent, in St. Gallen/Schaffhausen auf 80 Prozent und in Zürich – nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit Arthouse – auf 56 Prozent, während Publicitas Cinecom hier nur über einen Marktanteil von 44 Prozent verfügt. Wir sind mit Abstand Marktführer in den Key Citys der Deutschschweiz – und die Entwicklung für 2014 ist noch nicht abgeschlossen, so dass es insgesamt weitere Verschiebungen zugunsten WerbeWeischer geben wird.
CW: Unter Einbeziehung der Schliessungen und Neueröffnungen von Kinosälen im 2014, die in der Berechnung von Nils Schilling noch nicht berücksichtigt worden zu sein scheinen, kommen wir gemäss unseren Hochrechnungen (ausgehend von den Marktanteilen der MACH Cinema 2013) auf die zuvor genannten Marktanteile. Wir gehen von folgenden Marktanteilen im 2014 aus: Basel (88%), Bern (52%), Genf (100%), Zürich (52%, ohne Winterthur 58%), Lausanne (100%) und Lugano (100%). Unseren Werbekunden können wir somit als einziger Vermarkter auch weiterhin ein landesweites Kinoportfolio anbieten. Die für das Jahr 2014 bereits angekündigten neuen Kinosäle unserer Partner sind wesentliche Bestandteile einer realistischen Prognose der Marktanteile 2014.
NS: Wir finden es irreführend, dass Publicitas Cinecom für Zürich mit Marktanteilen argumentiert, die auf noch nicht eröffneten Kinosälen und damit auf noch nicht vorhandenen Besuchern fussen.

WerbeWeischer ist bislang ausschliesslich in der Deutschschweiz aktiv. Dies dürfte mit der Aufteilung der beiden grössten Kinobetreiber zusammenhängen. WerbeWeischer hat mit der Kitag den zweitgrössten Kinobetreiber an Bord, dieser ist jedoch in der Westschweiz nicht präsent. Die Nummer 1, die gesamtschweizerisch tätige Pathé, wird von Publicitas Cinecom vermarktet. Nils Schilling, Sie haben geschrieben, 2014 sei mit weiteren Verschiebungen zu rechnen. Geht es dabei auch um die Westschweiz?
NS: Unser Markteintritt zielte von Anfang an auf die Gesamtschweiz, und natürlich werden wir auch in der Westschweiz aktiv.

Im Jahr 2014 werden Sie jedoch noch keine Säle in der Westschweiz vermarkten können, richtig?
NS: Das ist korrekt.

Christian Wittmer, wann wurden die Verträge mit Pathé das letzte Mal verlängert? Und: Wann laufen sie aus?
CW: Wir haben sowohl mit Pathé als auch mit unserem zweitgrössten Partner Arena Cinemas langfristige Verträge – exklusive Vermarktungsmandate.

Das heisst, die nächsten zwei bis drei Jahre bleiben Pathé und Arena bei Publicitas Cinecom?
CW: Zu Inhalten unserer vertraglichen Vereinbarungen mit Partnern geben wir keine Auskunft.

Publicitas Cinecom und WerbeWeischer unterscheiden sich in ihren Preis- und Abrechnungsmodellen. Gibt es 2014 Anpassungen? Verändert sich etwa der TKP? (Publicitas Cinecom: TKP mind. 12 Fr.; WerbeWeischer: TKP mind. 11.50 Franken).
CW: Publicitas Cinecom wird am Preisniveau 2013/2014 nichts verändern. 2014 lancieren wir neue Packages, die den Zugang zum Medium Kino weiter vereinfachen und transparenter gestalten.
NS: WerbeWeischer rechnet seit Markteintritt jeden einzelnen Besucher für jede einzelne Kinovorstellung ab. Mehr Transparenz und Präzision gehen nicht. Die Publicitas Cinecom hingegen kalkuliert unverändert mit einer Hochrechnung auf Basis eines Städte-Pools und hat keinen Zugriff auf diese Detailebene. Unsere Abrechnungsform Cost-per-Visit im Weischer-Kinopark ist die härteste Währung im Kinomarkt. Wir bekommen täglich aktuell die Daten von den Kinokassen. Nachvollziehbarkeit, Transparenz und leistungsgerechte Abrechnung sind Teil unserer Mission, davon profitieren Kinobetreiber und Werbeauftraggeber gleichermassen. Zur Frage der Preisentwicklung: Insgesamt wird es im nächsten Jahr über alle unsere Produkte hinweg eine moderate Preissteigerung von etwa fünf Prozent geben, da es eine hohe Nachfrage nach filmspezifischen Buchungen und Sonderwerbeformen im Kino gibt.
CW: Bei einem Portfolio mit mehr als 100 Partnern in der ganzen Schweiz ist ein Zugriff auf alle Kassensysteme komplexer als bei einem vergleichsweise deutlich kleineren Partnerumfeld. Aus diesem Grund rechnen wir im Moment auf Basis der Ticketabverkäufe von ProCinema ab. Als Branchenverband stellt ProCinema eine zuverlässige und valide Basis dar. Wir arbeiten zudem an einer effizienten Lösung, die die Abrechnung direkt über die Kassensysteme ermöglicht und der hohen Abdeckung gerecht wird, die wir unseren Kunden schweizweit bieten. Für den Kunden gilt in beiden Fällen: Kino ist das Medium mit der härtesten und somit transparentesten Währung.
NS: Zur Klarstellung möchte ich ergänzen: Das von Cinecom etablierte Verfahren stellt lediglich eine ungenaue Hochrechnung von wöchentlichen Besucherdaten der grössten Städte auf die jeweilige Kampagne dar. Dieses Verfahren ist nicht vergleichbar mit dem von WerbeWeischer zum Marktstart eingeführten Abrechnungssystem, das die tagesaktuellen Besucherzahlen jeder Kinovorstellung aus der Kinokasse nutzt – und damit höchste Präzision und völlige Transparenz für die Werbekunden bietet.
CW: Es scheint mir gewagt, von ungenauen Hochrechnungen zu sprechen. Wir erhalten Zahlen bis auf die Ebene der einzelnen Kinosäle vom Schweizerischen Verband für Kino und Filmverleih, um unsere Abrechnungen zu erstellen.

Wie sieht es im Bereich Crossmedia-Angebote aus?
CW: Wir bauen im 2014 unsere crossmedialen Angebote weiter aus. Neben Star-TV werden andere Fernsehsender ins Angebot einbezogen. Auf Cineman. ch und Kinowetter.ch folgen weitere Online- Portale.
NS: Im Bereich Online kooperieren wir neben unserem bisherigen Kino-Webangebot künftig auch mit 20 Minuten und vermarkten für Tillate.com das Thema Kino im Entertainment-Bereich exklusiv. Hier profitieren unsere Partner auch von den hohen Erfahrungswerten, die wir aus Deutschland bezüglich Online-Dialog mit Kinozielgruppen mitbringen. Weitere crossmediale Angebote sind etwa die AdScreens, also unser Monitorsystem für Foyerwerbung, sowie zahlreiche Touchpoints im Kino, die wir zur Markeninszenierung nutzen.

Crossmedia-Angebote mögen zu einer Umsatzsteigerung für die Kinobetreiber führen. Unschön für Kinovermarkter ist allerdings, dass es in der Werbestatistik nicht erfasst wird. Einverstanden?
NS: Wir haben natürlich grosses Interesse daran, dass jedes Werbemedium seinen Leistungsnachweis erbringt – insofern stehen wir möglichen Entwicklungen zur Erfassung von crossmedialen Angeboten positiv gegenüber. Aber generell möchte ich betonen: Die Stärkung des Mediums Kino erreichen wir nicht über eine Werbestatistik.
CW: Publicitas setzt stark auf kanalübergreifende Medienlösungen. Einzelmassnahmen können so oder so bereits gemessen werden. Auf Grund unterschiedlicher Währungen kann zwar der Erklärungsbedarf beim Kunden steigen, jedoch überwiegen Vorteile wie der gesteigerte Wirkungsgrad einer crossmedialen Kampagne. So hat eine Studie, die Publicitas Cinecom bei der Research-Firma Brand Science in Auftrag gegeben hat, ergeben, dass Kino im Media-Mix sowohl Zusatzeinnahmen bringt als auch die Gesamtkampagne stärkt.

WW: Wie hoch ist der «kinofremde» Anteil (d. h. alles ausser Kinoleinwand) bei crossmedialen Kampagnen?
CW: Das kommt stark auf die Kampagne an. Innerhalb des Portfolios von Publicitas kann Kino einerseits nur einen kleinen Teil einer crossmedialen Kampagne ausmachen, andererseits gibt es Kunden, die Kino als Hauptmedium einsetzen und mit anderen Angeboten ergänzen.
NS: Im Durchschnitt verzeichnen wir bei crossmedialen Kampagnen einen «kinofremden» Anteil von rund zehn Prozent. Bei einzelnen Kampagnen beträgt dieser Anteil aber auch schon mal über 50 Prozent des gesamten Kampagnenbudgets. In diesem Bereich sehen wir auf jeden Fall Steigerungspotenzial.

Die Digitalisierung eröffnete die Möglichkeit für Kooperation mit privaten nationalen TV-Sendern, Regionalsendern oder sogar mit der Publisuisse. Ist in diesem Bereich etwas geplant?
NS: Unsere Aufgabe sehen wir in der Vermarktung von Kino – und dieser Aufgabe widmen wir uns mit hundertprozentiger Leidenschaft. Kino hat eine einzigartige Kontaktqualität, und wenn das Medium Kino kampagnenbezogen mit anderen Medien vernetzt werden soll, ist dies in erster Linie die Aufgabe der Media-Agenturen, hier effiziente Lösungen zu entwickeln. Und noch etwas: Unsere Kinopartner erwarten auch von uns, dass sich unsere Vermarktungsaktivitäten nicht ausserhalb des kinoaffinen Radius bewegen.
CW: Publicitas als Vermarkter auch von TV-Sendern setzt stark auf einen immer intensiveren Austausch zwischen TV und Kino. Crossmediale Kampagnen sind bei unseren Agentur- und Direktkunden zunehmend gefragt.

Schlussfrage: Kinowerbung ist auf Grund der geringen Reichweite ein Nischenmedium. Beim Markteintritt von WerbeWeischer hiess es: Konkurrenz belebt den Markt. Wie erfolgreich waren Sie diesbezüglich, konnte Kinowerbung insgesamt zusätzliche Anteile am Werbekuchen gewinnen?
NS: Aus unserer Sicht wurde der Rückgang bei Kinowerbung um rund 40 Prozent in den Jahren 2003 bis 2012 (Brutto-Werbedruck Werbemarktstatistik Media Focus) verursacht durch eine nicht mehr zeitgemässe Vermarktung von Kino. Eine Weiterentwicklung des Mediums hat in dieser Zeit nicht stattgefunden – insofern bestand hoher Reformierungsbedarf, als wir Anfang letzten Jahres im Schweizer Markt gestartet sind. Nicht zuletzt durch das Kinowerbemodell «Cinema Reloaded» setzt WerbeWeischer hier die dringend notwendigen innovativen Impulse. Vor diesem Hintergrund sehen wir noch deutlich mehr Potenzial für Kino im Media-Mix – auch wegen der aussergewöhnlichen Wirkungsstärke dieses wunderbaren Mediums.
CW: Die Bruttozahlen des in Media Focus ermittelten Werbedrucks sind die falschen Zahlen zur Ermittlung des Anteils am Werbekuchen. Hinsichtlich Marktentwicklung ist branchenübergreifend die Werbestatistik mit ihrer Erfassung der Netto-Umsätze entscheidend, nicht der Werbedruck. Gemäss der Stiftung Werbestatistik Schweiz befindet sich der Kinomarkt seit 2008 auf einem stabilen Niveau, während im Jahr 2011 auf 2012 der Netto-Umsatz sogar um 25 Prozent gesteigert wurde – der Abwärtstrend wurde also bereits vor Eintritt der Konkurrenzsituation aufgefangen (Netto-Umsatz 2009: 26 Mio., 2010: 28 Mio., 2011: 24 Mio., 2012: 30 Mio. CHF). Ein weiterer Aspekt ist der Anteil der Kinowerbung an den Gesamtwerbeausgaben, hier können wir uns nicht beklagen: Mit einem Anteil von rund 0,7 Prozent liegt die Schweiz im internationalen Vergleich relativ hoch und weist einen höheren Wert aus als z. B. Deutschland mit einem Anteil der Kinowerbung von rund 0,5 Prozent (Quelle: SAWA). Dies sehen wir als Bestärkung unserer Strategie einer kontinuierlichen Weiterentwicklung des Mediums, die wir mit der Kompetenz des langjährigen Marktführers in der Schweiz nachhaltig verfolgen.

Moderation: Isabel Imper

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