«Das Mitspielen kostet etwas»
Mit Star Games will Paul Grau europaweit die Multimediaschiene vorantreiben
Es herrscht Krise. Ausgerechnet jetzt kündigen Sie einen Game-Sender an. Ist das wirklich der richtige Zeitpunkt für ein derart hedonistisches und schmal ausgerichtetes Angebot?
Paul Grau: Es geht uns nicht in erster Linie um Video-Games. Wir wollen das digitale interaktive Fernsehen weiterentwickeln. Das Fernsehen der Zukunft wird digital und interaktiv sein. Unser Ziel ist es, hierzu das nötige Know-how zu entwickeln. Weshalb wir die Welt der Videogames wählen? Gamer haben keine Scheu vor neuen Technologien.
In welche TV-Zukunft soll uns Star Games führen?
Grau: Wir wollen das interaktive Fernsehen einen grossen Schritt weiterbringen. Wenn wir die Game-Applikation so zum Laufen bringen, wie wir uns das vorstellen, funktioniert damit auch jedes andere interaktive Fernsehen. Das heisst, wir werden x-beliebige andere Inhalte mit interaktiven Services aufrüsten können. Wenn uns das gelingt, ist das Ziel von Star Games erreicht.
Das Programmprojekt spricht eine extrem enge Zielgruppe an: Die Mehrheit der Gamer dürfte unter 20 Jahre sein, mit schmalem Konsumbudget dazu. Damit wird Star Games als Werbeplattform keinen Staat machen.
Grau: Was das Alter betrifft, stimmt die Aussage nur für die Vergangenheit. Als die Sony-Playstation vor sieben Jahren lanciert wurde, waren das zuerst alles sehr junge Leute, die mitspielten. Aber heute ist das Spielesortiment viel diversifizierter. Es gibt jetzt Angebote auch für eine viel breitere Altersgruppe. Das geht heute hinauf bis 50.
Welche Rolle spielen Werbeeinnahmen in Ihrem Budget?
Grau: In der Startphase haben wir keine Werbeblöcke eingeplant. Der Grund ist folgender: Wenn man Werbeblöcke hat, muss man sofort mit klaren Programmstrukturen arbeiten. Das wollen wir aber nicht, denn die Startphase soll auch eine Experimentierphase sein, von der wir zu neuen Ufern aufbrechen und Erfahrungen sammeln wollen. Diese Phase wird bis zu zwölf Monate dauern. Erst danach wollen wir weitergehen und der Werbewirtschaft Angebote unterbreiten.
Können Sie noch ein bisschen mehr sagen zur Programmstruktur?
Grau: Die Game-Schiene wird sicher das Hauptgewicht bilden. Wir werden zudem eine E-Commerce-Schiene einrichten. Hier wird man Spiele und andere Multimediaprodukte bestellen können. Auch Programminhalte, die zu Games passen, erhalten einen wichtigen Platz. Zum Beispiel werden wir unsere Multimediaschiene, die bei Star-TV freitags läuft, auf Star Games übernehmen. Diese Sendung besteht schon heute zu rund der Hälfte aus Video-Game-Präsentationen.
Mit einem allzu grossen Budget wird Star Games kaum rechnen können. Sicher tiefer als jenes von Star-TV, das sechs Millionen Franken pro Jahr zur Verfügung hat?
Grau: Es wird tiefer sein. Mehr sage ich dazu aber nicht.
Wer trägt die Kosten mit? Ist die TME Group, Ihr technischer Partner bei der Entwicklung von Star Games, am Sender beteiligt?
Grau: Die TME-Group ist beteiligt. Aber Details dazu kann ich im Moment nicht geben.
Sie rechnen nicht mit Werbeeinnahmen, wie refinanzieren Sie dann das Programm?
Grau: Da sind vor allem zwei Bereiche: E-Commerce, das heisst der Verkauf von DVD, Videogames und weiteren Multimediaprodukten. Die andere Einnahmequelle: Das Mitspielen kostet etwas. Das heisst, der oder die Anrufende bei einer interaktiven Geschichte wählt eine gebührenpflichtige Nummer. Aber auch Sponsoringpartner sind bei Star Games willkommen.
Spielen braucht weder Lokalbezug noch kennt es Grenzen. Vom Thema her wäre ein solcher Kanal wie geschaffen, um daraus eine internationale Plattform zu machen. Genau das war ja eigentlich für Star-TV geplant, umgesetzt wurde es bisher aber nicht. Kommt das noch?
Grau: Genau das tun wir jetzt mit Star Games. Wir werden das Programm europaweit über Satellit verbreiten. Wir müssen den Willen, ins Ausland zu gehen, dort umsetzen, wo wir am erfolgreichsten sind. Mit Star Games sind wir auf dem richtigen Weg. Was Star-TV betrifft: Dieses Programm taugt als internationale Plattform weniger gut. Es hat zu viel Lokales drin, wie etwa unsere Kinoschiene, die national ausgerichtet ist.
Wenn Sie an die Gebührenmillionen denken, die die Lokal-TVs in ein paar Jahren bekommen sollen, Star-TV als nationaler Sender aber leer ausgeht: Werden Sie wehmütig oder stinksauer oder beides?
Grau: Dass Star-TV leer ausgehen wird, ist überhaupt noch nicht in Stein gemeisselt. Das ist für mich wie ein Gerichtsentscheid, den man anfechten kann. Zuerst muss man mir mal erklären, weshalb sprachregionale Programme ausgegrenzt werden sollen. Das ist undemokratisch.
Wie werden Sie vorgehen?
Grau: Lassen Sie mir etwas Zeit.
Interaktivität mit Star Games
Spätestens im Sommer 2003 lanciert Star-TV den neuen auf Interaktivität fokussierten Sender Star Games. Neben dem Hauptprogramm will man einen zusätzlichen Kanal mit interaktiven Spielen und Services betreiben. Projektleiter ist Gregory Turkawka.
Mit Star Games kann sich der Zuschauer von seiner Stube aus per Telefon oder per Internet an kollektiven Videospielen auf dem Bildschirm beteiligen. Gemäss rechtlichen Abklärungen von Star-TV sind die gesetzlichen Bedingungen für eine auf drei Jahre begrenzte Konzession «für Versuche mit neuen Technologien» erfüllt. Star Games wird von Star-TV in Zusammenarbeit mit der Firma TME Group, Schlieren, entwickelt, die die technische Koordination übernimmt. Ziel des neuen Kanals sei es, den Zuschauern den Zugang zu interaktiven Services zu ermöglichen, die auch Informations-, Entertainment- und Commerce-Inhalte umfassen sollen.
Weil der neue Sender von Synergien mit Star-TV profitiert, könne der personelle Ausbau tief gehalten werden. Die bestehende Multimediaredaktion soll um maximal zwölf Personen erweitert werden. (dse)
