Das goldene Klo des Pharao

Wirz fährt für das Brockenhaus an den besten Adressen vor

Wirz fährt für das Brockenhaus an den besten Adressen vorVon Ernst Weber Vom Einkauf bei der Mutter aller Secondhand-Shops bringt man weder Flöhe noch Gerümpel, sondern Trouvaillen mit nach Hause. Ein von Wirz, Zürich, für das Zürcher Brockenhaus konzipierter Imageauftritt positioniert das 98 Jahre alt gewordene Sozialwerk als erste Adresse für Trödel.
Das Zürcher Brockenhaus wurde im September 1904 als gemeinnütziger Verein gegründet, um wenig Bemittelten eine günstige Einkaufsgelegenheit zu bieten. Die Initiative ging von der ältesten Zürcher Freimaurerloge Modestia cum Libertate (McL) aus. Auf die Idee waren Vertreter der Loge gekommen, nachdem sie um die Jahrhundertwende in München das Brockenhaus eines gewissen Julius Müller besichtigt hatten. Mit dem Verkauf gebrauchter Waren finanzierte der deutsche Philanthrop sein Sozialwerk.
Um sich breiter abzustützen, wurde der Vorstand des Zürcher Brockenhauses aus Funktionären der reformierten und katholischen Kirche, der jüdischen Kultusgemeinde, der Stadt Zürich sowie der Loge rekrutiert. Nach diesem Schlüssel ist er bis heute zusammengesetzt. In den vergangenen 25 Jahren richtete die auch von der öffentlichen Hand unabhängige Organisation Zuwendungen in der Höhe von rund zwölf Millionen Franken an verschiedene soziale Einrichtungen aus.
«Wir sind ein gemeinnütziger Verein, der Steuern und Mehrwertsteuer bezahlt und alle Mittel, die er verteilt, selbst erarbeiten muss», so Geschäftsführer Hanspeter Hürlimann (siehe auch Seite 5).
Brocken aus dem Nachlass von Queen Mum
Obwohl das Zürcher Brockenhaus seit 98 Jahren demselben Zweck dient, hat sich sein Image stark gewandelt. Das Einkau-
fen in Zürichs Arme-Leute-Gebrauchtwarenhaus von einst, das inzwischen den Beinamen «Zürichs originellstes Warenhaus» erhielt, wird zunehmend populärer. Im Rekordjahr 2001 konnte ein Umsatz von 2,6 Millionen Franken erzielt werden.
Den Wandel vom schmuddeligen Brockenladen zur kultigen Einkaufsstätte dokumentiert nun ein von Wirz, Zürich, honorarfrei konzipierter Imageauftritt. Er positioniert die Institution als Haus der Trouvaillen.
Die Sujets zeigen den Lieferwagen des Brockenhauses, parkiert vor Gebäuden wie etwa dem Weissen Haus oder dem Buckingham Palace. Beschriftet mit dem Namenszug und dem Slogan «Wir holen alles», drängt sich dem Betrachter der Schluss auf, dass das Angebot des Zürcher Brockenhauses nie und nimmer nur aus Kitsch und Ramsch bestehen kann.
Eine zusätzliche Wirkung erfährt etwa das Buckingham-Palace-Motiv, indem es durch Queen Mums kürzlichen Hinschied in einen aktuellen Kontext eingebettet ist.
Die Konzeption ist ein organisches Ganzes. Alle Inhalte werden in einem einzigen Schritt kommuniziert. Damit verlässt der Auftritt die Plattform der klassischen Werbung und wandelt sich in Richtung Product Placement. «Der Auftritt ist ein wenig ein Glücksfall, eine Komprimierung, die nicht jedes Mal so gut gelingen kann», meint Wirz-CD Matthias Freuler.

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