Cannes Lions 2026 – Tag 3: Zwischen «Werber des Jahres» und Black Eyed Peas

Jan Kempter eröffnet den dritten Cannes-Tag von m&k. Es folgen Gespräche am Swiss BBQ, eine überraschende KI-Keynote von will.i.am und Fussball mit Schweizer Beteiligung hoch über der Croisette.

Der dritte Tag der Cannes Lions beginnt für m&k auf der Terrasse des Pressezentrums im Palais. Dort trifft Anna Kohler den aktuellen Werber des Jahres Jan Kempter zum exklusiven Videointerview. Zwölf Jahre nach seinem ersten Besuch kehrt der Wirz-Kreative an die Croisette zurück – in ein Festival, das sich in der Zwischenzeit stark verändert hat.

Für Kempter ist der Wandel unübersehbar. Amazon, Meta, Apple und andere Tech-Giganten prägen das Bild entlang der Croisette heute stärker denn je. Gleichzeitig stellt er fest, dass die ausgezeichneten Arbeiten weiterhin von etwas leben, das sich nicht automatisieren lässt: Craft, Handwerk und Liebe zum Detail.

Jan Kempter, Werber des Jahres 2026 mit Anna Kohler

Während auf den Bühnen beinahe jeder zweite Talk von künstlicher Intelligenz handelt, entdeckt Kempter diese Entwicklung in den prämierten Arbeiten bislang nur begrenzt. Dort gehe es nach wie vor um Ideen, Inszenierung und kreative Exzellenz. Genau diese Arbeiten und die Begegnungen mit Kreativen aus aller Welt seien es auch, die Cannes für ihn so wertvoll machten.

Dass Kempter überhaupt vor Ort ist, verdankt er Weischer.Cinema. Das Unternehmen ermöglicht dem Werber des Jahres traditionell die Reise nach Cannes und schafft damit eine Brücke zwischen der Schweizer Kreativszene und dem weltweit wichtigsten Festival der Kommunikationsbranche.

Swiss BBQ: Die Schweizer Basis am Strand

Kurz nach Mittag verlagerte sich das Geschehen an den OK Beach. Dort lud Weischer.Cinema bereits zum neunten Swiss BBQ ein – mittlerweile eine feste Institution im Schweizer Cannes-Kalender.

Gastgeber Christof Kaufmann, CEO von Weischer.Cinema Switzerland, zeigte sich stolz darüber, wie sich der Anlass entwickelt hat. Was einst als Treffpunkt begann, ist heute eine Art Schweizer Basislager an der Croisette geworden. Agenturen, Kundinnen und Kunden, Kreative, Vermarkter und Medienleute treffen sich hier abseits der offiziellen Festivalhektik.

Besonders aufgefallen ist Kaufmann in diesem Jahr die starke Präsenz von Marketingverantwortlichen. Immer dann, wenn CMOs und Marketingleitende auf den Bühnen sprachen, seien die Säle voll gewesen. Für ihn ein positives Signal. Denn Cannes sei nicht nur ein Kreativfestival, sondern zunehmend auch wieder ein Marketingfestival.

Die Dominanz der grossen Tech-Plattformen betrachtet Kaufmann dabei gelassen. Sein Credo: «If you can’t outspend them, you have to outthink them.» Gerade kleinere und agilere Märkte wie die Schweiz könnten ihre Stärke durch Geschwindigkeit, Kreativität und Unkompliziertheit ausspielen.

Und wo sucht ein langjähriger Cannes-Gänger nach Inspiration? Im Keller des Palais. Dort, wo Print und Out-of-Home ausgestellt werden. Arbeiten, die ohne lange Erklärungen funktionieren müssen. Kaufmann schwärmt von Kampagnen wie Dunkin‘ Donuts oder dem vielfach ausgezeichneten Tiny Coffee House von De’Longhi. Seine Empfehlung: weniger den Hypes folgen und öfter wie ein Trüffelschwein durch die Ausstellung streifen. Dort finde man nach wie vor grossartige Ideen.

Rapper-Keynote on the Go

Manche Cannes-Momente lassen sich nicht planen.

Auf dem Rückweg vom OK Beach entlang der Croisette hörte Anna Kohler plötzlich eine Stimme, die ihr bekannt vorkam. Ein Blick durch die Fensterfront eines Restaurants genügte – dort sass tatsächlich , Produzent, Unternehmer und Creative Director.

m&k undercover: will.i.am, Frontmann der Black Eyed Peas

Was folgte, war eine spontane Keynote über künstliche Intelligenz und Musik, die kaum besser zur Grundstimmung des Festivals hätte passen können.

Will.i.am zeichnete dabei einen historischen Bogen von Gutenberg über Beethoven bis zur Musikindustrie. Seine zentrale Botschaft: Neue Technologien zerstören Kreativität nicht. Sie schaffen neue Industrien. Der Buchdruck habe die klassische Musik ermöglicht. Aufnahmegeräte hätten die Musikindustrie hervorgebracht. Und KI werde wiederum etwas Neues hervorbringen, das wir heute noch gar nicht kennen.

Die eigentliche Aufgabe der Kreativen bestehe deshalb nicht darin, die Vergangenheit zu verteidigen, sondern neue Fantasien zu entwickeln. KI könne bestehende Muster reproduzieren, aber nicht wirklich träumen. «Jetzt ist die Zeit für die Träumer, nicht für die Wiederkäuer der Fantasie von gestern», lautete eine seiner zentralen Aussagen.

Ein Gedanke, der in Cannes derzeit an vielen Orten diskutiert wird – selten jedoch mit so viel Bühnenpräsenz und Rockstar-Attitüde.

Hopp Schwiiz bei Jung von Matt

Der Tag endete schliesslich dort, wo Kreativfestivals oft enden: bei gutem Essen, kühlen Getränken und Fussball.

Haben es nicht verlernt: Werber:innen feiern Poolparty

Jung von Matt hatte hoch über Cannes zum BBQ eingeladen. Die Bilder zeigen weniger ein klassisches Agentur-Event als vielmehr eine Residenz mit Aussicht über die Bucht. Während unten auf der Croisette weiter gefeiert wurde, verfolgten die Gäste das Spiel der Schweizer Nati.

Christian Kies, Jung von Matt Limmat mit Anna Kohler

Die Schweiz mag an diesem Mittwoch bei den Löwen pausiert haben. Beim Fussball hoffte man dagegen auf weitere Erfolgsmeldungen.

Die Cannes-Woche ist schliesslich noch lang. Und manchmal entstehen die besten Geschichten ohnehin nicht auf der Bühne, sondern irgendwo dazwischen – am Strand, auf einer Terrasse oder zufällig vor einem Restaurantfenster an der Croisette.

Ann Kohler mit Dörte Spengler Ahrens, ADCE Präsidentin

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