Big for Big Boobs only

Mode Big kleidet nur junge Frauen. Ruf Lanz zeigt, welche Blüten der Neid des starken Geschlechts treiben kann.

Mode Big kleidet nur junge Frauen. Ruf Lanz zeigt, welche Blüten der Neid des starken Geschlechts treiben kann.Stillstand ist tödlich. Mode bedingt permanenten Wechsel, ohne den sie beim Zielpublikum die Akzeptanz verlieren würde. Schliesslich kann nur modisch sein, was deren Träger von allen anderen abhebt. Wie die Regel der ständig ändernden Produktästhetik und -sinnlichkeit ist in der Marketingkommunikation von Modeketten die kontinuierliche Markenpositionierung unabdingbar.Zwang zum Unüblichen Auch hier bedeutet Angleichung oder Verwässerung schnell einmal das Aus. Wortwörtlich scheint dies die Zürcher Girlie-Modekette Big zu verstehen. Deren Inhaberin Sylvie Gablinger lässt den Werbeauftritt für die sechs Filialen, die in nächster Nähe zu internationalen Modehäusern für ähnliche Publika liegen, seit 1997 durch das Kreativduo Ruf Lanz konzipieren und umsetzen.
Was H&M, Yendi, Tally Weill, Orsay, Mango und andere mit Werbedruck, internationalen Top-Modells oder Dauerdiscount für Abgrenzung, Bekanntheit und Ladenfrequenz schaffen, kann Big nur mit einer unüblichen Modewerbung. Die Folge: Während andere sich damit begnügen, ein hübsch angezogenes, «manchmal auch ein hübsch ausgezogenes Modell», so Markus Ruf, mit der neusten Kollektion am Leib zu präsentieren, versuchen Danielle Lanz und er die Wirkung von Big-Mode zu dramatisieren: sei es anhand entsetzter Eltern, vernachlässigter Pudel und immer wieder hingerissener Männer. In der Kampagne 04 sah man muskelbepackte Machos beim verträumten Bügeln von knappen Slips oder auch einmal beim Aufnähen von hauchdünnen Unterleibchen.
Jedermann möchte Frau seinFür das laufende Jahr geht die Agentur konsequent einen Schritt weiter und zeigt die bisher wohl ungewöhnlichste Umsetzung. Aufbauend auf der Grundidee, dass Big-Mode zwar sehr anziehend, aber nur für Girls bestimmt ist, scheint die logische Folgerung die zu sein, dass jedermann eine Frau sein möchte. «Wir zeigen hübsche Jungs in der Klinik eines plastischen Chirurgen mit den typischen OP-Markierungen auf ihren Körpern», erklärt Danielle Lanz. Sie stehen kurz vor der Geschlechtsumwandlung zur Frau.
Die Auflösung: Big Girls‚ fashion. Wer möchte da nicht eine Frau sein? Der von den Medien wieder häufiger thematisierte Schönheitswahn dient als Aufmerksamkeit heischendes Motiv, das in einer Schönheitsklinik fachgerecht in Szene gesetzt sein soll. Mit ihrer kühlen Ästhetik liege die Plakatkampagne ausserdem im Trend der boomenden Serien über Schönheitschirurgie wie etwa «Nip/Tuck», so die Kreativen.
Geschlechterwechsel, aber subito: Da Big nur Frauen anzieht, bleibt Mann nichts anderes übrig.

Manche Männer haben ein Problem damit, dass Big nur Frauen anzieht. Dank Ruf Lanz gibt es eine Lösung. >> Seite 11
Luca Aloisi

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