Aufgespiesst: Sei freundlich – selbst zu Ausländern
Werbewoche-Redaktorin Anne-Friederike Wilhelm über die Kultivierung des Rassismus
Integration ist eine tolle Sache. Wenn sie funktioniert. Der Kanton Zürich hat am Dienstag eine Integrationskampagne lanciert, die Ausländern helfen soll, sich besser in ihren Gastkanton einzufügen. Schön. Präsentiert wurden die Sujets von Regierungsrat Markus Notter, SP. Zwar macht die SP gern auf links, für überbordende Hilfsbereitschaft gegenüber Ausländern ist sie dennoch nicht bekannt. Also wird die gut integrierte Ausländerin misstrauisch.
Nach einem völlig vorurteilsfreien Blick auf die Sujets überfällt mich, gelinde gesagt, ein übler Brechreiz: Von einem Plakat glotzt ein rotgesichtiger -Stefan Raab-Verschnitt, der Regierungsrat Markus Notter übrigens verblüffend ähnlich sieht, und macht deutlich, dass kein einziger Deutscher «bitte» sagen kann. Danke, Herr Notter! Ein hilfreicher Beitrag, um die schon fest zementierte Abneigung gegen Deutsche in der Schweiz weiter zu erhärten. Glauben Sie wirklich, dass dieses Plakat die Steinbrücks mit Bitt-Hemmung auch nur im Entferntesten animieren könnte, ihre Wünsche anders zu formulieren? Auch die Kosovaren kriegen eis uf d Schnurre: «Schtriit wanns muess sii, aber … nöd Aug um Aug.» Gopferteckel! Alle Kosovaren sind Schläger. Und Raser sowieso. Damit das allen klar wird, zeigt das Plakat neben der biblischen Lehrzeile einen Osteuropäer im Feinrippunterhemd. Wie diese Typen eben rumlaufen. «Seht einmal, da steht er, pfui, der Struwwelpeter!»
Jeder ist Ausländer. Fast überall
Die Botschaft jedes Plakats ist in zehn Sprachen übersetzt. Schliesslich sind die Macher der Kampagne ja nicht rassistisch, sondern wollen Verständigung auf breiter Front. Helfen statt motzen. Viel zu viele weitere Sujets geben den hilflosen Ausländern hilfreiche Tipps für ihren Alltag: anständig zu Frauen sein, mit einem Schnupfen zum Hausarzt gehen, aufs Sozial¬system achten, mehr lachen (?), Röschti essen (!), Flaschen nach Farben sortieren. Ach, so funktioniert die Schweiz! Ausländer müssen das natürlich wissen. Endlich kommt alles in Ordnung im Kanton Zürich. Schmerzlich vermisst man jedoch einen hilfreichen Hinweis zur Burka. Wie wär’s mit: «Ganzkörper¬schleier stören beim Fondue-Essen»?
Eine kleine Denkaufgabe für die Initiatoren dieses schwungvollen, 150‘000 Franken teuren Griffs ins Klo: Wie funktionieren Plakate? Der Betrachter schnappt sich die allererste Information, die er versteht, und verknüpft sie mit seinen Erfahrungen und Gefühlen. Und Vorurteilen. Die Schweizer Medien repetieren bis zum Erbrechen Klischees über «Einwanderer aus dem nördlichen Nachbarland», «Schläger mit Migrationshintergrund» und «Räuber mit slawischem Dialekt». So weiss schnell jeder, wie Ausländer sind – kennenlernen und differenzieren unnötig.
Bei dieser Integrationskampagne werden die meisten Schweizer denken: «Stimmt, so sind sie, diese Ausländer. Gut weist sie mal einer in die Schranken!» … um nicht zu sagen: hinter die Grenzen. Unwahrscheinlich, dass Plakatbetrachter aus dem helvetischen Mutterland auf die Idee kommen, die Aufforderung, zu allen nett zu sein und Flaschen zu trennen, könnte sich auch an sie richten. Ausländer, die die Schweiz als ihre Heimat begreifen, werden beim Anblick der unsäglichen Plakate leer schlucken: Glauben Schweizer ernsthaft, alle Kosovaren seien Schläger, alle Schwarzen Wilde, alle Deutschen unhöflich? Sind die Berge wirklich so hoch? Und wer glaubt eigentlich, dass Plakate integrieren können? Beschämend. Da trösten mich nur noch eine Butterröschti und ein Rivella rot.
Nach einem völlig vorurteilsfreien Blick auf die Sujets überfällt mich, gelinde gesagt, ein übler Brechreiz: Von einem Plakat glotzt ein rotgesichtiger -Stefan Raab-Verschnitt, der Regierungsrat Markus Notter übrigens verblüffend ähnlich sieht, und macht deutlich, dass kein einziger Deutscher «bitte» sagen kann. Danke, Herr Notter! Ein hilfreicher Beitrag, um die schon fest zementierte Abneigung gegen Deutsche in der Schweiz weiter zu erhärten. Glauben Sie wirklich, dass dieses Plakat die Steinbrücks mit Bitt-Hemmung auch nur im Entferntesten animieren könnte, ihre Wünsche anders zu formulieren? Auch die Kosovaren kriegen eis uf d Schnurre: «Schtriit wanns muess sii, aber … nöd Aug um Aug.» Gopferteckel! Alle Kosovaren sind Schläger. Und Raser sowieso. Damit das allen klar wird, zeigt das Plakat neben der biblischen Lehrzeile einen Osteuropäer im Feinrippunterhemd. Wie diese Typen eben rumlaufen. «Seht einmal, da steht er, pfui, der Struwwelpeter!»
Jeder ist Ausländer. Fast überall
Die Botschaft jedes Plakats ist in zehn Sprachen übersetzt. Schliesslich sind die Macher der Kampagne ja nicht rassistisch, sondern wollen Verständigung auf breiter Front. Helfen statt motzen. Viel zu viele weitere Sujets geben den hilflosen Ausländern hilfreiche Tipps für ihren Alltag: anständig zu Frauen sein, mit einem Schnupfen zum Hausarzt gehen, aufs Sozial¬system achten, mehr lachen (?), Röschti essen (!), Flaschen nach Farben sortieren. Ach, so funktioniert die Schweiz! Ausländer müssen das natürlich wissen. Endlich kommt alles in Ordnung im Kanton Zürich. Schmerzlich vermisst man jedoch einen hilfreichen Hinweis zur Burka. Wie wär’s mit: «Ganzkörper¬schleier stören beim Fondue-Essen»?
Eine kleine Denkaufgabe für die Initiatoren dieses schwungvollen, 150‘000 Franken teuren Griffs ins Klo: Wie funktionieren Plakate? Der Betrachter schnappt sich die allererste Information, die er versteht, und verknüpft sie mit seinen Erfahrungen und Gefühlen. Und Vorurteilen. Die Schweizer Medien repetieren bis zum Erbrechen Klischees über «Einwanderer aus dem nördlichen Nachbarland», «Schläger mit Migrationshintergrund» und «Räuber mit slawischem Dialekt». So weiss schnell jeder, wie Ausländer sind – kennenlernen und differenzieren unnötig.
Bei dieser Integrationskampagne werden die meisten Schweizer denken: «Stimmt, so sind sie, diese Ausländer. Gut weist sie mal einer in die Schranken!» … um nicht zu sagen: hinter die Grenzen. Unwahrscheinlich, dass Plakatbetrachter aus dem helvetischen Mutterland auf die Idee kommen, die Aufforderung, zu allen nett zu sein und Flaschen zu trennen, könnte sich auch an sie richten. Ausländer, die die Schweiz als ihre Heimat begreifen, werden beim Anblick der unsäglichen Plakate leer schlucken: Glauben Schweizer ernsthaft, alle Kosovaren seien Schläger, alle Schwarzen Wilde, alle Deutschen unhöflich? Sind die Berge wirklich so hoch? Und wer glaubt eigentlich, dass Plakate integrieren können? Beschämend. Da trösten mich nur noch eine Butterröschti und ein Rivella rot.

