Aufgespiesst: Frühjahrsputz im Buchstabenlager
Werbewoche-Redaktorin Anne-Friederike Wilhelm über das Striegeln weisser Schimmel.
Frühling, Zeit zum Klarschiffmachen. Auch Ihre Sprache verträgt kräftiges Auslüften oder eine 60-Grad-Wäsche. Werfen Sie vor allem die Wörter raus, in die wie in einen alten Schrank alles gepresst wurde, was auch nur entfernt zur Bedeutung gehört. Sie sind zwar oft besonders korrekt, doch dem Verstehen dienen sie nicht. Dem Spass am Lesen genauso wenig. Warum heisst es «Lehrpersonenbildung» statt «Lehrerbildung»? Da haben vor einigen Jahren ein paar Emanzen gewütet und niemand hat sich nach dem Sturm getraut, den unverbogenen Begriff wiederzubeleben. Um Studentinnen und StudentInnen Genüge zu tun, wurden Studenten in Studierende verwandelt. Die Frontal-Emanzipation ist doch nun überstanden. Können wir also wieder vernünftig miteinander reden?
Auch die «Klappe» hat’s erwischt: Sie ist kein Filmwettbewerb mehr, sondern ein Bewegtbildwett¬bewerb. Klar ist das richtiger mit all den Formaten, die uns der technische Fortschritt gebracht hat. Klingt trotzdem dämlich. Wie schön ist dagegen Zuspitzung. Aus «Zootieren» werden «Affe, Tiger und Giraffe» – weil es besser klingt und beim Leser Bilder weckt. Niemand wird von einem Text gepackt, in dem akribisch alle Zootiere aufgezählt werden: «Kunden, Kooperationspartner, Auftraggeber, Francisenehmer, Aktionäre, Anwohner und Mitarbeiter sind begeistert.» Der Leser weniger.
Flotter Ausritt auf weissem Schimmel
Was ist eine Ergebnissituation? Das Ergebnis ist doch die Situation, in der man sich befindet. Oder ein Marktumfeld. Der Markt ist das Umfeld. Himmel nochmal! Oder das Wort Kampfhandlung: Logisch ist ein Kampf eine Handlung. Was denn sonst? Und ein bisschen spitzfindig, aber trotzdem wahr: Markenkern. Was ist der Kern einer
Marke? Eine Marke ist eine Marke ist eine Marke. Wenn sie gut ist. Und dann ist sie auch ihr eigener Kern.
Behinderung des Sprachvermögens
Ich bin dafür, Randgruppen umsichtig zu behandeln – bin ich doch selbst in einigen Mitglied (Frau, Rückwärts-Parkier-Profi, iPhone-Verweigerer …). Aber was bringt die sinnentstellende Vernebelung «visuell herausgefordert», wenn «blind» gemeint ist? Einen Blinden kann man nicht mehr visuell herausfordern. Oder «anders begabt» für «geistig behindert»? Wer «Behinderte» zu «Menschen mit Behinderung» macht, verkrüppelt nicht nur die Sprache, sondern hält es offenbar auch für möglich, dass Behinderte etwas anderes sein könnten als Menschen. Unsäglich.
Also, holen Sie den Lumpen raus und machen Sie Frühjahrsputz in Ihrem Buchstabenlager: Entstauben, entschlacken, entseichen.
Auch die «Klappe» hat’s erwischt: Sie ist kein Filmwettbewerb mehr, sondern ein Bewegtbildwett¬bewerb. Klar ist das richtiger mit all den Formaten, die uns der technische Fortschritt gebracht hat. Klingt trotzdem dämlich. Wie schön ist dagegen Zuspitzung. Aus «Zootieren» werden «Affe, Tiger und Giraffe» – weil es besser klingt und beim Leser Bilder weckt. Niemand wird von einem Text gepackt, in dem akribisch alle Zootiere aufgezählt werden: «Kunden, Kooperationspartner, Auftraggeber, Francisenehmer, Aktionäre, Anwohner und Mitarbeiter sind begeistert.» Der Leser weniger.
Flotter Ausritt auf weissem Schimmel
Was ist eine Ergebnissituation? Das Ergebnis ist doch die Situation, in der man sich befindet. Oder ein Marktumfeld. Der Markt ist das Umfeld. Himmel nochmal! Oder das Wort Kampfhandlung: Logisch ist ein Kampf eine Handlung. Was denn sonst? Und ein bisschen spitzfindig, aber trotzdem wahr: Markenkern. Was ist der Kern einer
Marke? Eine Marke ist eine Marke ist eine Marke. Wenn sie gut ist. Und dann ist sie auch ihr eigener Kern.
Behinderung des Sprachvermögens
Ich bin dafür, Randgruppen umsichtig zu behandeln – bin ich doch selbst in einigen Mitglied (Frau, Rückwärts-Parkier-Profi, iPhone-Verweigerer …). Aber was bringt die sinnentstellende Vernebelung «visuell herausgefordert», wenn «blind» gemeint ist? Einen Blinden kann man nicht mehr visuell herausfordern. Oder «anders begabt» für «geistig behindert»? Wer «Behinderte» zu «Menschen mit Behinderung» macht, verkrüppelt nicht nur die Sprache, sondern hält es offenbar auch für möglich, dass Behinderte etwas anderes sein könnten als Menschen. Unsäglich.
Also, holen Sie den Lumpen raus und machen Sie Frühjahrsputz in Ihrem Buchstabenlager: Entstauben, entschlacken, entseichen.
