Aufgefallen: Was ist eigentlich dran am Mann – wenn nicht von Muskeln, behaarter Brust und viel, viel Geld die Rede ist?

AufgefallenWas ist eigentlich dran am Mann – wenn nicht von Muskeln, behaarter Brust und viel, viel Geld die Rede ist? Jawohl, ein Joystick. Dieser lässt sich sowohl in einer Versace-Jeans als auch in einer schwarzen Baumwollhose prima verpacken

Aufgefallen Was ist eigentlich dran am Mann – wenn nicht von Muskeln, behaarter Brust und viel, viel Geld die Rede ist? Jawohl, ein Joystick. Dieser lässt sich sowohl in einer Versace-Jeans als auch in einer schwarzen Baumwollhose prima verpacken. Und da er im Zentrum des männlichen Wesens steht, ist er natürlich besonders pflegebedürftig. Es liegt in der Natur des Mannes, dass er zwischendurch mal die Funktionsfähigkeit seines Nintendo-Vorläufers überprüft. Und zwar in allen Deklinationen. Und damit Spielsüchtige ihre persönliche Playstation nicht überstrapazieren, bietet Nokia eine perfekte Lösung an. Beim Kauf eines Telefons im Onlineshop gibts einen Joystick gratis dazu. Autsch! Casinos braucht das Land…
Chandra Kurt [email protected]
Kolumne

Mehr Bauch
Von Michael Barney
Wenn es der Wirtschaft in Krisenzeiten nicht gut geht, schlägt ihre Stunde: die der Erbsenzähler, Korinthenkacker, Besserwisser und Kopfmenschen. Denn nur sie wissen ja, wie man gute Werbung macht, wie richtige Werbung auszusehen hat. Dabei gehen sie davon aus, dass alle um sie herum entweder einfältig oder begriffsstutzig sind. Diese Elite behauptet, dass man bei Anzeigen nur die Headlines liest, zum Beispiel. Was völliger Blödsinn ist. Denn entweder interessiert das Thema einer Anzeige, dann liest man runter bis zum Coupon. Oder man blättert schnell weiter. Bei TV-Spots wirds noch heikler: Kein Mensch hockt sich vor den Fernseher und wartet fiebrig auf ganz bestimmte 30 Sekunden, die sich irgendwo in einem Reklameblock verstecken. Aber den Kopfmenschen ist das enorm wichtig. Kriegt der Betrachter alles, wirklich alles von Anfang bis zum Ende dieser 30 Sekunden mit? Haben wir alle kritischen Aspekte (auch die, auf die nur Idioten kommen können) berücksichtigt, vereitelt, ausgemerzt? Ist der Spot, die Idee, die Story endlich so gestrichen, ausgewogen und kompromissvoll, dass wir alle (auch Kleinkinder, Rentner, Farbenblinde, Christgläubige, Konsumverächter, Bettnässer usw.) erreicht haben? Na, endlich. Und deshalb sind 90 Prozent der Werbung auch so, wie sie sind: stinklangweilig, banal – eben zum Wegschauen. Denn Werbung, die nicht auffällt, hilft keinem. Weder dem, an den sie sich richtet, noch dem, der sie bezahlt. Würden die Verantwortlichen öfter aus dem Bauch heraus entscheiden, hätten Witz und Charme, Emotionen und Verblüffung mehr Platz in unseren Werbebotschaften. Dann machte es wieder Spass, Plakate länger anzuschauen und sich sogar auf die Werbepausen zu freuen. Aber testet das auch jemand? Und wie! Denn wenn Sie jetzt mit dem Kopf zustimmend nicken, dann haben wir doch schon ein respektables Testergebnis, oder?
Michael Barney ist Senior-Copywriter bei der Werbeagentur Lowe, Zürich.
Business Lunch

Leicht heisst auch so viel wie fast schon verdampft
Wenn einer eine Reise tut, auch in die so genannte Werbeprovinz hinaus (Zürich, typisch!), kann er auch mal was über Bern erzählen. Kann er. Zum Beispiel über das «Moléson» an der Aarbergergasse. Die umfangreiche Dokumentation auf dem Tisch erzählt etwa davon, dass sich das 1865 gegründete Lokal seit 82 Jahren im Besitz der gleichen Familie befindet. Mon Dieu! So viel Konstanz gibts nur noch in Bundesbern.
Das «Moléson» führt den Zusatz «Gourmanderie» im Namen. Das schmeckt ein bisschen wie Gendarmerie. Man sitzt etwas gar eng beeinander und sieht auf dem Flammekueche des Tischnachbars, ob die Speckwürfeli auch schön kross gebraten sind. Die Tische werden mit einem Set aus Papier, aber mit Stoffserviette belegt. Dazu steht pro Persona ein Rechaud bereit, und die Butter zum fabelhaften Brot (eine Klasse für sich!) wird nicht in Plastikbadewännchen samt Foliendach gequetscht.
Auf der Karte findet sich eine schöne Zahl französischer Bistro-Gerichte wie etwa «Schweinsfüessli in Morchel-Nidlesauce». Kneipiers sind ja von Berufs wegen nicht zuletzt auch ein bisschen viel Werbetexter, darum sollte man sich diesen Satz zum Fondue Strassbourg (38.50) schön langsam auf der Zunge zergehen lassen: «Die Mariage vom Moitié Moitié mit schwarzem Trüffel. Daraus entsteht das Edelste vom Edlen: noir et blanc.»
Wunderbar frisch und ebenso herrlich zart waren die «Natura-Kalbsleberli im Anke», goldbraun die Rösti – eine Augenweide dieses Gericht. Das dazu angepriesene «Märitgemüse» aber bestand gerade mal aus ein paar von Hand geschnetzelten Karotten (23.50). Auch das Natura-Schweinsfiletmedaillon und der Kalbsbraten an leichter Calvadossauce (29.50) überzeugten – bis auf die Sauce. Weil: Leichte Calvadossauce heisst ja auch so viel wie fast schon verdampft. So war es auch. Der bunte Blattsalat mit «Chnoblibrötli» gefiel optisch, doch mangelte es sehr am Öl zur Salatsauce. Lecker indes die Linsensuppe in der Terrine und mit Sahnehäubchen.
Für diese Preise muss einer weit reisen, bis er so viel währschaft Gutes auf den Teller kriegt, plus eine schöne Auswahl an Top-Offenweinen und dazu auch noch nett bedient wird. Und es ist so gemütlich im «Moléson», dass man gar nicht in Versuchung kommt, das Handy zu benützen. Für notorisch Telefonierende hat man nämlich eigens einen Raum eingerichtet: Er befindet sich draussen vor der Türe…
Carlo Bernasconi [email protected]
Gourmanderie Café MolésonAarbergergasse 24
3011 Bern
Tel. 031 311 44 63
Fax 031 312 01 45
Keine Parkplätze weit und breit

More articles on the topic