Auf dem Punkt

Peter Rettinghausen übernimmt als neuer CD die Verantwortung bei McCann Erickson. Er will hoch hinaus.

Peter Rettinghausen übernimmt als neuer CD die Verantwortung bei McCann Erickson. Er will hoch hinaus.
Das Angebot war verlockend: Für drei Monate sollte der damalige Junior Werbeassistent Peter Rettinghausen nach New York. Am Hauptsitz von Young & Rubicam war für ihn ein Ausbildungsplatz in einem Workshop gebucht. Der Kurs hätte aus ihm einen international tauglichen Berater machen sollen. Aber New York hat ohne den jungen Werber aus der Schweiz stattgefunden.«Ich wusste, dass ich lieber den Weg zum Texter einschlagen wollte», erinnert sich Peter Rettinghausen an diese Stunde der Entscheidung zwischen Beratung und Text. Das war 1987. Der Big Apple hat ihn trotzdem noch kennen gelernt, denn die Ideen von Rettinghausen sind mehrmals auch mit internationalen Preisen ausgezeichnet worden.
Erstmals interessiert für diese Welt der Werbung hat sich der kaufmännisch ausgebildete Rettinghausen, als er bei einer Druckerei vorübergehend als Chauffeur jobbte. Die Drucksachen, die er an Werbeagenturen auslieferte, schaute er sich immer an und dachte dabei: Das kann ich auch. Er bewarb sich als Werbeassistent bei Young & Rubicam, machte das Sawi und arbeitete drei Jahre als Junior Berater, danach der Wechsel in die Kreation.
Nach der Fusion mit Advico
zügelte auch Rettinghausen nach Gockhausen und wurde dort unter den Fittichen von Hansjörg Zürcher und André Benker zum Texter. Es folgte ein Intermezzo als Freelancer, dann wurde er Texter bei Wirz Werbung. Als diese Ära endete, fand der inzwischen in der Branche begehrte Kreative wieder zu seinen Wurzeln bei AY&R zurück. «Den beiden Herren Zürcher und Benker habe ich in Sachen Werbung viel zu verdanken und natürlich auch Roland Scotoni und Martin Spillmann, aber sie mir auch», fasst der bei McCann Erickson jetzt erstmals zum CD berufene Rettinghausen seine knapp 14 Jahre als Texter zusammen.
Da der frisch gekürte Kadermann beim Interview noch kaum eine Schlagzeile für McCann Erickson zu Konzept gebracht hat, versucht Rettinghausen seine Vorstellungen von guter Werbung noch einmal am Beispiel seiner früheren Referenzarbeiten zu erklären. Stolz ist der ansonsten sensible Denker zum Beispiel auf seine Machosprüche für die IWC-Uhr. «Der Uhr» gefällt ihm sehr gut, obwohl gerade diese Idee nicht von ihm ist. Dafür hat er die Kampagne mit seinen Schlagzeilen-Serien von Anfang an geprägt im Stil von «Immer mehr Frauen tragen diese Uhr. Was haben wir bloss falsch gemacht?» – Offenbar zumindest in der Werbung nichts, denn die Kampagne ist sogar vom Magazin Spiegel ausführlich besprochen worden.
Stolz ist Rettinghausen auch auf seinen Kuoni-Claim «Ferien, in denen Sie alles vergessen». Die Gesamtkampagne ist vom ADC je mit Gold und Silber ausgezeichnet worden und hat international bisher am meisten Preise für die Schweiz geholt.
Bei all diesen Ideen ist für ihn wichtig, dass eine Strategie als Basis da ist. «Es muss klar definiert sein, was gesagt werden muss.» Dann sucht er konzentriert im stillen Kämmerlein die Idee. Ein Markenzeichen von Rettinghausen könnte sein, dass seine Slogans wie «Gib niemals auf» für Ovomaltine Basis-ideen sind, auf denen man die verschiedensten Sujets aufbauen kann.
Rettinghausen findet es in Ordnung, wenn man ein ADC-Bronze-Mailing für den Coiffeur um die Ecke macht. Er selber strebt hier die Realisierung guter Ideen auf grossen Budgets an. Das hofft er jetzt bei McCann Erickson durchziehen zu können, denn diese Agentur verfügt über Kunden, die eine solche längerfristige Pflege ihrer Kommunikationsanliegen möglich machen.
Nach so langer Zeit wollte Rettinghausen «einen Schritt machen» und noch einmal etwas Neues beginnen. Er hätte nie «in ein gemachtes Nest sitzen» wollen. Ihn reizte eine Agentur, «die eine ausbaufähige Basis hat». McCann Erickson ist die drittgrösste Agentur der Schweiz «und hat ein riesiges Potenzial. Das ist eine dankbare Herausforderung.»
An der Werbung gefällt Rettinghausen neben dem schöpferischen Arbeiten vor allem, «etwas auf den Punkt zu bringen». Werbung muss für ihn intelligent sein und überraschend. «Es braucht nicht jedes Mal ein Witzchen am Schluss», ist er überzeugt. Man sollte die ganze Bandbreite zwischen Botschaft und Unterhaltung beherrschen.
Entspannung findet Rettinghausen regelmässig in Neapel. Auch vor seinem Jobwechsel war er mehrere Wochen in Süditalien, wo er die Wohnung eines Bekannten benützen darf. Fische kaufen, lesen und auf die Inseln fahren gehören in Neapel zu seinem liebsten Nichtstun.
Privat sei er «recht familiär geworden» und gern mit seinem Sohn sowie seiner Partnerin und deren Kindern zusammen. Er liebt es, in diesem Kreise aufzutanken. Dazu kommt Biken in der Natur, aber das «strikte sportlich und nicht, um Ideen zu finden».
CD Peter Rettinghausen ist in den Startlöchern: «McCann Erickson hatein riesiges Potenzial.»
Andreas Panzeri

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