«Auch kleinere Märkte sind für uns enorm wichtig»
Im Gespräch mit werbewoche.ch erläutert Christian de la Villehuchet, Global Chief Integration & Acquisition Officer von Havas, die Struktur des Netzwerks – und erklärt, warum kleinere Märkte sich perfekt dafür eignen, neue Konzepte zu erproben.

Werbewoche.ch Würden Sie sich selbst – und Ihre aktuelle Rolle bei Havas – kurz beschreiben?
Christian de la Villehuchet: Gerne. Ich bin als Global Chief Integration and Acquisition Officer bei Havas tätig. Meine Rolle fokussiert auf die langfristige Strategie der Gruppe und die Transformation unseres Geschäftsmodells hin zu einer einheitlichen, integrierten und kollaborativen Organisation. Dazu gehört auch die Begleitung von Zukäufen und die Leitung eines globalen Kreativ-Counsel, der unsere Unternehmenskultur mit-prägen soll. Schliesslich bin ich Präsident der European Association of Communication Agencies, die mehr als 2’500 Agenturen in ganz Europa – auch in der Schweiz – vertritt. Mein Weg bei Havas begann vor 30 Jahren mit der Übernahme der britischen Agentur WCRS, bei der ich als Account Manager tätig war, durch Havas.
Was zeichnet Havas als Netzwerk Ihrer Meinung nach aus?
Havas ist aus mehreren Gründen einzigartig: Erstens erlaubt uns unser unternehmerischer Background – die Firma ist, wie Sie wahrscheinlich wissen, im Besitz der Familie Bolloré – Risiken einzugehen und langfristig zu planen. Zweitens vereinen wir Strategie, Branding und Medienvertrieb unter einem Dach. Drittens glauben wir an die Kraft des Entertainment für die Markenbindung und nutzen unsere Position innerhalb der Vivendi-Gruppe, um Gaming, Musik und Live-Events in unsere Konzepte einzubinden. Schliesslich operiert Havas – im Gegensatz zu anderen Holdinggesellschaften – unter einer singulären, kund:innen-zentrierten Marke.
Wer in der Marketing- und Kommunikationsbranche von Havas hört, denkt unmittelbar auch an das Konzept «Havas Village». Was hat es damit auf sich?
«Havas Village» entstand aus dem Bedürfnis nach einer gewissen … «Einfachheit». Wir wissen, dass wir kleiner und in unseren Ressourcen in mancherlei Hinsicht limitierter sind als einige unserer Marktbegleiter:innen – diese Tatsache wollen wir mit besseren, intuitiveren Prozessen kontern. Dafür kombinieren wir diverse Disziplinen mit dem Ziel, Marken mit echtem Impact zu entwickeln – und bieten Konsistenz, Kohäsion und kulturelle Relevanz entlang der gesamten Customer Journey. Das Konzept wurde zunächst in Frankreich erprobt und hat sich mittlerweile als sehr erfolgreich erwiesen – also haben wir es in insgesamt 71 Ländermärkten ausgerollt.
Wie profitieren die Kund:innen vom «Havas Village»-Modell, sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene?
Das «Havas Village»-Modell bietet Kund:innen intelligente, einfache Lösungen für einen schnellen Zugang zum Markt, idealerweise zu geringeren Kosten als bei anderen Anbieter:innen. Durch die Zusammenführung verschiedener Fachkompetenzen unter einem Dach und einer Leitung wird der Access für die Kund:innen vereinfacht und ein schnelleres operatives Tempo gewährleistet, was in einem so dynamischen Umfeld wie dem unseren unerlässlich ist. Auf lokaler Ebene ist das Modell für viele Kunden eine sehr gute Lösung für komplexe, organisatorische Challenges. Auf globaler Ebene kann es zwar aufgrund regionaler und organisatorischer Unterschiede eine Herausforderung sein, alles unter einem Dach zu vereinen, doch für viele Kund:innen, insbesondere solche mit schlanken Strukturen, ist das «Havas Village»-Modell enorm effektiv.
Wie wichtig sind kleinere Märkte – beispielsweise die Schweiz – für Havas?
Kleinere Märkte sind sehr wichtig, unter anderem auch für die Erprobung und das Experimentieren mit neuen Ideen. Sie bieten ein gutes Umfeld für die Vereinheitlichung von Management und Ressourcen. In den nordischen Ländern haben wir zum Beispiel erfolgreich ein einheitliches Managementmodell in drei Ländern getestet, was unseren Kund:innen enorm zugute kam und unser Wachstum stark angekurbelt hat. Das können wir dann auf grössere Märkte übertragen.
Welche Vorteile bietet die Zugehörigkeit zur Vivendi-Gruppe den Kunden von Havas?
Die Zugehörigkeit zu Vivendi ist ein wichtiges «Plus». Obwohl wir – wie gesagt – kleiner sind als einige Konkurrent:innen, stärkt die Verbindung mit Vivendi, einem grossen Unterhaltungskonzern, unseren gesamten Auftritt. Die enge Beziehung ermöglicht es, Marken in neue Umfelder zu transportieren … und zwar dorthin, wo die Menschen ihre Leidenschaften ausleben. Ich habe Gaming, Musik und Live-Events in diesem Zusammenhang ja schon angesprochen. Da geht es nicht nur um Werbung, sondern darum, fesselnde Experiences zu schaffen. Vivendi wiederum profitiert von unserer B2B-Expertise.
Welche zukünftigen Trends sehen Sie in der Kommunikationsbranche?
Es ist immer schwierig, die Zukunft vorherzusagen, aber ich sehe mehrere wichtige Trends. Erstens: Die Branche wird weiter wachsen, angetrieben von aufstrebenden Märkten wie Indien und China. Zweitens: Wir bewegen uns von der Kommunikation hin zum Primat von Connection und konzentrieren uns mehr auf Experiences und Engagement als auf das reine Aussenden von Botschaften. Schliesslich wird der Personalisierung eine entscheidende Rolle zukommen, befeuert von Daten und Technologie, die eine gezieltere und relevantere Interaktion mit Marken ermöglichen. Es können allerdings – das betone ich immer – auch Herausforderungen auf uns zukommen, von denen wir jetzt noch keine Ahnung haben.
