Asiaten retten die Sommersaison
Die Sommersaison ist für die Schweizer Hotels trotz Frankenstärke einigermassen stabil verlaufen - den Gästen aus China sei Dank. Im Winter müssen die Hoteliers nun aber vor allem auf inländische Touristen zählen und auf die Werbeoffensive hoffen.
Die Bemühungen, chinesische Touristen für Skiferien in der Schweiz zu begeistern, sind zwar gross. Die Marketingorganisation Schweiz Tourismus etwa lancierte vor zwei Jahren in acht Skigebieten ein Programm mit chinesisch sprechenden Skilehrern. Noch ist die Nachfrage aber überschaubar, die Instruktoren werden kaum gebucht. Ganz anders die Situation in den Sommermonaten. Von Mai bis Oktober verzeichneten die hiesigen Hotels 262'000 Logiernächte aus China, gut 37 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode, wie aus der am Montag veröffentlichten Beherbergungsstatistik des Bundesamtes für Statistik (BFS) hervorgeht.
Insgesamt gab es in der Zeitspanne 570'000 Buchungen vom asiatischen Kontinent.
Zunehmend beliebt ist die Schweiz auch bei Gästen aus den Golfstaaten (+22 Prozent), Indien (+26 Prozent) und Südkorea (+20 Prozent). Damit haben die Gäste aus Asien für die Schweizer Hoteliers einmal mehr die Kohlen aus dem Feuer geholt. Ihnen ist es zu verdanken, dass die Zahl der Logiernächte – mit einem Minus von insgesamt 0,7 Prozent auf 20 Millionen Buchungen – nicht stärker zurückging.
Einbruch bei den Buchungen aus Deutschland
Schwach war in den Sommermonaten insbesondere die Nachfrage aus Deutschland, dem wichtigsten ausländischen Markt für die Schweizer Hotels. Hier brach die Zahl der Logiernächte um gut 15 Prozent oder 97'000 Einheiten ein. Alle europäischen Herkunftsländer zusammengenommen betrug der Rückgang knapp 11 Prozent. Auch die inländische Nachfrage lag leicht unter Vorjahresniveau. Die 8,7 Millionen Logiernächte entsprechen einer Abnahme um 0,5 Prozent. Für Hotelleriesuisse liegen die neuen Zahlen im Rahmen der Erwartungen. Die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich hatte mit minus 1,0 Prozent gar eine leicht stärkere Abnahme prognostiziert. Dass der Rückgang etwas weniger stark ausgefallen ist, liegt laut Hotelleriesuisse-Sprecher Beat Waldmeier am guten Wetter im Juni und Juli, sowie der leichten Aufwertung des Euros und Dollars gegenüber dem Franken.
Hoffnung auf Treue der Schweizer
Während der hiesige Tourismus im Sommer auf die asiatischen Gäste zählen konnte, rücken für die Wintermonate nun die Schweizer Touristen in den Fokus. Hier ist die Unsicherheit aber ungleich grösser. Eine Umfrage bei den Regionalverbänden habe ergeben, dass die Schweizer ihre Skiferien immer kurzfristiger buchten, sagte Waldmeier gegenüber der sda. Entsprechend spielten die Faktoren Wetter und Schnee eine zentrale Rolle. Dazu kommt der Druck auf die Zimmerpreise, der laut Waldmeier nach wie vor anhält: Um auch nach dem Frankenschock von Mitte Januar gegenüber dem benachbarten Ausland konkurrenzfähig zu bleiben, hätten die Hoteliers ihre Zimmerpreise auf breiter Front angepasst.
Werbeoffensive im Inland
Die Wichtigkeit der inländischen Gäste wurde auch bei Schweiz Tourismus erkannt. Die Schweizerinnen und Schweizer sind in der angelaufenen Winterkampagne das wichtigste Zielpublikum. Neben Ex-Astronaut Buzz Aldrin hat die Marketingorganisation viele Schweizer Wintersportstars wie Iouri Podladtchikov, Dario Cologna, Dominique Gisin und Fanny Smith eingespannt. Die KOF sagt dem Schweizer Tourismus für die Wintersaison insgesamt eine Stagnation bei den Hotelübernachtungen voraus. Die Zahl der Logiernächte von inländischen Gäste soll dabei um 1,1 Prozent ansteigen, diejenige der Touristen aus dem Ausland um 0,7 Prozent sinken. Den Bergbahnen prognostiziert die KOF einen Rückgang von 1,4 Prozent bei der Besucherfrequenz. (SDA)
