«Arbeitsplätze für viele junge Leute gesichert»

Bernhard Burgener über seine sechs Jahre bei Radio Edelweiss

Bernhard Burgener über seine sechs Jahre bei Radio EdelweissWährend sechs Jahren haben Sie, Bernhard Burgener, und Alois Ehrat Radio Edelweiss saniert. Nun wurden Sie aus dem Verwaltungsrat verabschiedet. Erging es Ihnen wie dem Mohren, der nach getaner Schuldigkeit gehen muss?Bernhard Burgener: Nein. Als wir vor sechs Jahren beim damaligen Radio Raurach einstiegen, taten wir dies mit der Absicht, unseren Anteil irgendwann wieder zu verkaufen – allerdings erst, wenn der Sender erstmals schwarze Zahlen schreiben würde. Jetzt ergab sich diese Gelegenheit, nachdem wir schon von Interessenten nicht nur aus der Region Basel angefragt worden waren. Uns lag aber daran, dass das Radio in Basel bleibt, weshalb wir das Angebot der Basler Mediengruppe (BM) nutzten.
Die BM war ja schon einmal Aktionärin – damals noch bei Raurach, stieg aber aus, als Sie einstiegen. Wie kam das?
Burgener: Die BM und andere Kreise hatten sich damals stark beim Sender engagiert. Als dann das Radio zum dritten Mal vor dem Konkurs stand, bat uns der damalige BM-CEO Peter Sigrist um Hilfe. Die BM hatte zuvor schon mehrmals mit Geld ausgeholfen, wollte sich aber nicht noch weiter zum Fenster hinauslehnen.
Was war Ihre Motivation, sechs lange Jahre dieses oft belächelte und beinahe bankrotte Radio aufzumöbeln?
Burgener (lacht): Am Anfang wollten wir nur eine Gefälligkeit erweisen, doch es zeigte sich, dass der Patient stärker pflegebedürftig war. Beim ersten Sanierungskonzept gingen wir noch davon aus, dass wir den Sender innert drei bis vier Jahren in die Gewinnzone bringen könnten. Wir hatten aber die Enttäuschung von Hörern und Kunden unterschätzt: Wir benötigten allein drei Jahre, um deren Vertrauen einigermassen zurückzugewinnen. Aber wenn ich mal zu einer Sache Ja sage, dann lasse ich sie nicht einfach fallen. Dasselbe gilt im Übrigen auch für Alois Ehrat.
Wie gingen Sie bei der Sanierung vor?
Burgener: Zunächst wechselten wir das Konzept und den Namen. Umfragen ergaben, dass die Leute Lokalradio zu 65% wegen der Musik und zu 35% wegen lokaler News hören. Deshalb konzentrierten wir uns auf diese beiden Faktoren, was sich positiv auf die Hörerzahlen auswirkte. Gleichzeitig begannen wir, den zu tief angesetzten Sekundenpreis langsam von damals sechs auf heute gut zehn Franken anzuheben, was Geduld und Kraft benötigte. Weiter fanden wir in Radio Nostalgie, das heute zur französischen NRJ-Gruppe gehört, einen Aktionär, der sich neben Alois Ehrat und unserer Gruppe bereit erklärte, ein Drittel der jährlichen Sanierungsbeiträge aufzubringen.
Diese Beiträge beliefen sich seit 1996 auf insgesamt 1,15 Millionen Franken. Erhielten Sie Ihre Anteile über den Verkaufspreis zurück?
Burgener: Über den Preis haben wir Stillschweigen vereinbart. Er richtete sich aber nicht nach den Investitionen, sondern nach dem erreichten Erfolg und nach der Zukunft. Insgesamt erhielten wir aber etwa so viel, wie wir investiert hatten. Die Zeit, die wir für den Sender aufwendeten, ist damit aber nicht bezahlt. Doch wir sind froh, dass wir eine grosse Anzahl Arbeitsplätze für viele junge Leute sichern konnten. Radio Edelweiss ist ein Sprungbrett für junge Journalisten.
Ist der budgetierte Umsatz für 2002 von 2,83 Millionen Franken nicht zu optimistisch angesetzt?
Burgener: Wie andere Radios verzeichnet auch Edelweiss einen Rückgang der Werbeerlöse. Wir werden etwa 10 bis 12% unter den Budgetzahlen liegen. Uns trifft es nicht so hart wie andere, weil Edelweiss stark von lokaler Werbung lebt. Zudem hatten wir den Aufwand im Griff. Es wird somit dieses Jahr wieder einen kleinen Verlust geben, aber jetzt sind neue Kräfte dran, die die Marktführerschaft in der Region anstreben. Es wird sich sicherlich einiges bewegen.
Interview: Markus Knöpfli

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