Alles im Griff!?
Gastkommentar Sicherheit ist gerade in Zeiten des Umbruchs ein schlechter Ratgeber, meint Kaspar Loeb.
Gastkommentar Sicherheit ist gerade in Zeiten des Umbruchs ein schlechter Ratgeber, meint Kaspar Loeb.Den virilen Morgengruss «so, heschs im Griff» beantworte ich in der Agentur jeweils mit einem höflichen «nein», was der Grüssende aber kaum jemals zur Kenntnis nimmt. Mit routinierter Selbstverständlichkeit geht man davon aus, dass «alles im Griff haben» die Kernkompetenz eines «Managers» ist. «To manage» heisst aber nichts anderes als «leiten, führen, bewerkstelligen» und sagt nichts darüber aus, ob wir dabei immer sicher sind, das Richtige zu tun.Sicherheit ist gerade in Zeiten des Umbruchs ein schlechter Ratgeber und im besten Fall ein Zeichen von Selbstüberschätzung. Und dass gerade die Werbung mit neuen Herausforderungen konfrontiert ist, deren langfristige Auswirkungen schwer abschätzbar sind, bestreitet niemand, der in dieser Branche Verantwortung trägt.
Das Problem liegt auch überhaupt nicht darin, dass wir uns der sich progressiv beschleunigenden Veränderungen nicht bewusst wären, das Problem ist, wie wir darauf reagieren. Je nach Interessenlage wird jeweils der Untergang der Printmedien, der Zusammenbruch des Free TV, das Ende der Plakatwerbung und der Tod der Werbeagenturen beschworen. Die virtuelle Welt ist als Alternative zu den traditionellen Medien in aller Munde und übt mit all ihren Kommunikationskanälen eine Faszination aus, die nur noch von der Verwirrung übetroffen wird, die sie bei den meisten von uns, Kunden und Werbetreibenden, auslöst. Denjenigen, die trotzdem behaupten, sie hätten alles im Griff, gehört meine erstaunte Bewunderung.
Den anderen zum Trost: Es ist nicht weiter schlimm und keinem Verantwortlichen fällt ein Zacken aus der Krone, wenn er einmal zugibt, den Überblick verloren zu haben und nicht immer genau zu wissen, welche Kommunikationsstrategie wirklich die beste und effizienteste ist. Im Gegenteil. Nur durch das in Frage stellen unserer herkömmlichen Denkweise, dem immer gleichen Mix aus oft ähnlichen Konzepten, werden wir Schritt für Schritt lernen, die Komplexität eines kommunikativen, kreativen Gesamtkunstwerks zu bewältigen.
«Trial and error» ist ein erfolgreiches Modell der Evolution. Wir befinden uns am Anfang eines markanten Evolutionsschrittes auf dem Weg zu einer differenzierten und individualisierten Informationsgesellschaft. Die Stichworte sind bekannt und viel diskutiert: Entstehung von virtuellen Parallelwelten, Amateurisierung von kommunikativen Leistungen (consumer generated content), die bisher ausschliesslich von Agenturen erbracht wurden. Individualisierung der Gesellschaft und damit verbunden ein grosses Bedürfnis, sich in der Öffentlichkeit, und sei es nur in einer virtuellen, darzustellen und der Trend, dass Informationen jederzeit gratis zur Verfügung gestellt werden.
Ein Blick auf die schon sichtbare und sicher noch zunehmende Vielfalt all dieser Phänomene legt am Ende des Tages einen Schluss nahe. Künftig könnte das Erfolgsrezept sein, NICHT alles im Griff zu haben.
Kaspar Loeb ist CEO der Werbeagentur Publicis.
Das Problem liegt auch überhaupt nicht darin, dass wir uns der sich progressiv beschleunigenden Veränderungen nicht bewusst wären, das Problem ist, wie wir darauf reagieren. Je nach Interessenlage wird jeweils der Untergang der Printmedien, der Zusammenbruch des Free TV, das Ende der Plakatwerbung und der Tod der Werbeagenturen beschworen. Die virtuelle Welt ist als Alternative zu den traditionellen Medien in aller Munde und übt mit all ihren Kommunikationskanälen eine Faszination aus, die nur noch von der Verwirrung übetroffen wird, die sie bei den meisten von uns, Kunden und Werbetreibenden, auslöst. Denjenigen, die trotzdem behaupten, sie hätten alles im Griff, gehört meine erstaunte Bewunderung.
Den anderen zum Trost: Es ist nicht weiter schlimm und keinem Verantwortlichen fällt ein Zacken aus der Krone, wenn er einmal zugibt, den Überblick verloren zu haben und nicht immer genau zu wissen, welche Kommunikationsstrategie wirklich die beste und effizienteste ist. Im Gegenteil. Nur durch das in Frage stellen unserer herkömmlichen Denkweise, dem immer gleichen Mix aus oft ähnlichen Konzepten, werden wir Schritt für Schritt lernen, die Komplexität eines kommunikativen, kreativen Gesamtkunstwerks zu bewältigen.
«Trial and error» ist ein erfolgreiches Modell der Evolution. Wir befinden uns am Anfang eines markanten Evolutionsschrittes auf dem Weg zu einer differenzierten und individualisierten Informationsgesellschaft. Die Stichworte sind bekannt und viel diskutiert: Entstehung von virtuellen Parallelwelten, Amateurisierung von kommunikativen Leistungen (consumer generated content), die bisher ausschliesslich von Agenturen erbracht wurden. Individualisierung der Gesellschaft und damit verbunden ein grosses Bedürfnis, sich in der Öffentlichkeit, und sei es nur in einer virtuellen, darzustellen und der Trend, dass Informationen jederzeit gratis zur Verfügung gestellt werden.
Ein Blick auf die schon sichtbare und sicher noch zunehmende Vielfalt all dieser Phänomene legt am Ende des Tages einen Schluss nahe. Künftig könnte das Erfolgsrezept sein, NICHT alles im Griff zu haben.
Kaspar Loeb ist CEO der Werbeagentur Publicis.
