Zu guter Letzt: Wenn Apps mehr Probleme schaffen, als sie lösen
Auf der Suche nach der nächsten Super-Geschäftsidee treibt die Start-up-Szene an der amerikanischen Westküste immer sonderbarere Blüten. Letzte Woche ist Reservation Hop auf den Plan getreten und hat gleich für einige Irritation gesorgt.
Dort wie hier ist es schwierig, bei den angesagten Restaurants, zumal kurzfristig, einen Tisch zu reservieren. Die Killer-Lösung von Reservation Hop: Das Unternehmen macht bei populären Stätten selber Reservationen und verkauft diese meistbietend. Nach der Bezahlung erfährt der Käufer den Namen, unter dem die Reservation getätigt wurde. Findet sich kein Käufer, annulliert das Unternehmen selber die Reservation rechtzeitig, so dass beim Wirt kein Schaden entsteht.

Da zum amerikanischen Nationalfeiertag am 4. Juli Nachrichtenflaute herrschte, fiel der Start von Reservation Hop besonders auf – allerdings hagelte es auf Twitter und im Web vor allem negative, mitunter gar feindselige Kommentare. Start-ups müssen schnell reagieren können, wenn die Geschäftsidee nicht ankommt. Lautete das Motto letzte Woche noch: «Wir machen Reservierungen in den angesagtesten Restaurants im Voraus, damit sie nicht müssen», heisst es jetzt: «Kaufen und verkaufen Sie Reservierungen in den angesagtesten Restaurants» – nicht mehr das Unternehmen, sondern das Publikum soll nun seine nicht mehr benötigten Reservationen über die Site verhökern können.
Damit reiht sich Reservation Hop allerdings in einer Reihe ähnlicher Apps ein, mit denen Wirte kurzfristig freie Plätze sollen füllen können. Das Klima für solcherlei Geschäftsideen ist in San Francisco besonders ungünstig, seit Ende Juli der Römer Paolo Dobrowolny die Monkeyparking-App lanciert hatte. Wer einen Parkplatz freigibt, soll diesen kurz zuvor gegen Gutes Geld an den Nach-Parker verkaufen können. Und wer dringend eine Bleibe für die eigenen vier Räder sucht, kann über die App Angebote veröffentlichen. Geolokalisierung über die in Smartphones eingebauten GPS-Empfänger macht derlei Spielereien möglich.
Während erste Tests in Rom offenbar unauffällig verliefen, rief die App in San Francisco nicht nur den Unmut des Publikums, sondern auch der Politik hervor. Die Stadt räumte eine Frist bis am 11. Juli ein, damit die App, die mit öffentlichen Gütern Geld verdienen will, vom Markt verschwindet. Beide Apps reagieren auf Probleme, die es so bei uns auch gibt. Man kann also gespannt sein, wann Nachahmerprodukte bei uns an den Start gehen werden – und wie sie beim hiesigen Publikum aufgenommen werden.
Christoph J. Walther
