Zu guter Letzt: Umsatzsteigerung mit Wladimir Putin

Politikernamen in Russland sind als Produktmarken bares Geld wert. Ein Konservendosenfabrikant will nun mit dem Namen des jetzigen Präsidenten seinen Umsatz verdreifachen. Der Rechtspopulist Schirinowski machts mit seinem eigenen schon seit Jahren.

 Früher konnten Staatmänner zu Namensgebern von Staaten, Städten, Strassen bis hin zu Müllhalden, giftigen Pflanzen oder Krankheiten werden, je nach Popularität. Die Zeiten ändern sich, und dem modernen Politiker winkt ein anderes Schicksal, in der Markenwelt wird er zum Namensgeber für Alkoholika, Zigarren, Waffensysteme – und neuerdings Auberginen-Ragout in der Konservendose. So geschehen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, dessen Name in Moskauer Supermärkten mittlerweile unterschiedlichste Esswaren ziert. Die Konservendosen-Fabrik RKK produziert diese neue Linie, die den Umsatz des Unternehmens in diesem Jahr verdreifachen soll, wie Generaldirektor Sergej Sokolow sagt. Geschäftsleute wie er nutzen die häufige Nennung von Politikern in den Medien, um mit oder ohne deren Zustimmung Waren besser zu verkaufen. Der rechtspopulistische Politiker Wladimir Schirinowski macht sogar selbst Geld mit seinem Namen, der schon seit mehr als zehn Jahren als Handelsmarke geschützt ist. Den Wert des Zigaretten-, Mayonnaise, Tee-, Wodka- und Schokoladelabels Schirinowski schätzt das russische Unternehmen für Markenschutz Z&G auf bis zu 3,6 Millionen Franken.
Putin selbst steht nicht im Verdacht, mit seinem Namen Geld zu verdienen. Er scheint sich auch nicht daran zu stören, dass sein Name dafür genutzt wird. Vielleicht liegts an einem unausgesprochenen Kompromiss; die Spirituosenfabrik Kristall gibt den Wodka «Putinka» heraus, und auch die besagten Konservendosen sind nicht beschrieben mit «Putin», sondern mit «Puin», allerdings mit einem leicht als T lesbaren Schwert zwischen U und I. Vielleicht versteht Putin den kommerziellen Gebrauch seines Namens aber auch als einen in die Markenwelt übersetzten Devotionalienhandel. Allerdings müsste er sich vielleicht trotzdem fragen, ob er neben einem George Washington und einem Simón Bolivar als Namensgeber eines Auberginen-Ragouts in Konservendose in die Geschichte eingehen möchte.

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