Zu guter Letzt: So wird das nichts
Die Frage ist, wer zuerst ausstirbt: Der Hai oder die furchteinflössende Hai-Rhetorik vergangener Jahrzehnte? Der Sonntagsblick stimmt nicht gerade zuversichtlich.
Unzählige Organisationen, Meeresbiologen, Forscher, Natur- und Tierschützer werden seit vielen Jahren nicht müde, die Menschheit über den Hai aufzuklären, bevor es endgültig zu spät ist. Der Hai ist nicht Jäger, sondern der Gejagte. Er nimmt kein Menschenblut wahr und verwechselt Surfer nicht mit Robben. Er scheut Menschen. Er kann Menschen (irrtümlich) verletzen, aber nicht fressen. Fünf bis zehn Menschen sterben jährlich weltweit an den Folgen von Hai-Bissen. 150 Millionen Haie werden pro Jahr abgeschlachtet – 80 Prozent für die unsägliche asiatische Haifischflossensuppe. Bis Haie Geschlechtsreife erreichen, vergehen zehn bis 25 Jahre – je nach Art (Quelle). 200 der rund 500 bekannten Haiarten stehen kurz vor dem Aussterben. Das Verschwinden der Haie hätte katastrophale Auswirkungen auf das Ökosystem der Ozeane – etwa durch das ungehemmte Vermehren der Beutetiere und dem damit einhergehenden Rückgang des Phyto-Planktons, das über 70 Prozent des auf der Welt produzierten Kohlendioxids aus der Atmosphäre aufnimmt und in Sauerstoff umwandelt (Quelle).
Wer die Kommentarspalten von entsprechenden Berichten liest, hat das Gefühl: Die Message ist – zumindest in unseren Breitengraden – langsam bei einer breiten Bevölkerung angekommen. Da stellt sich schon die Frage, wieso der Sonntagsblick das Tier weiter als «Monster», «Albtraum für Surfer und Schwimmer» oder «Ungeheuer mit den tödlichen Zähnen» bezeichnet. Imagekorrektur geht anders.
Thomas Häusermann

