Zu guter Letzt: Smalltalk von Plakatwänden

In Science Fiction-Erzählung Minority Report werden die Passanten von Werbeträgern aus Plakatwänden unablässig zugetextet. Dank der Kölner Aussenwerbungs-Firma Ströer befindet sich diese Vision nicht mehr in allzu grosser Ferne: Ab sofort stehen in zehn deutschen Städten Plakatwände zum Dialog bereit.

In Science Fiction-Erzählung Minority Report werden die Passanten von Werbeträgern aus Plakatwänden unablässig zugetextet. Dank der Kölner Aussenwerbungs-Firma Ströer befindet sich diese Vision nicht mehr in allzu grosser Ferne: Ab sofort stehen in zehn deutschen Städten Plakatwände zum Dialog bereit.  
Vorab in Wartezonen sollen von Reklametafeln aus personalisierte Botschaften an Passanten geschickt werden. Die Plakatwände funken via Bluetooth Werbung an registrierte Handys – immerhin wird also die Kooperation mit den Verbrauchern vorausgesetzt. Sobald sich ein Handy mit aktiviertem Bluetooth in Funkreichweite befindet, wird der Nutzer gefragt, ob er die Werbebotschaft erhalten möchte. Lehnt er ab, wird das Plakat künftig keine Botschaften mehr an diese Nummer senden. Die Plakatwand kann Bilder, Coupons, Videos, Spiele, Klingeltöne oder SMS übermitteln. Werbetreibende zahlen täglich 50 Euro pro Standort extra – sowie eine nicht näher bezifferte Servicepauschale, wie es in einem Bericht des Handelsblatts heisst.
 
Auch die Automarke Mini setzt auf personalisierte Werbung und spricht in vier amerikanischen Städten vorbeifahrende Autofahrer über Radio Frequency Identification (RFID) persönlich an. Über einen Chip im Schlüsselanhänger wird der  Mini-Fahrer identifiziert. Sobald er vorbeifährt, wechselt die Tafel von der regulären Werbung in eine persönliche Botschaft, die für einige Sekunden stehen bleibt. Das Experiment hat Datenschützer und Verkehrsexperten auf den Plan gerufen. Datenschützer haben die RFID-Technologie schon länger im Visier, weil sie befürchten, dass über RFID Profile über das Konsumverhalten erstellt werden könnten. Verkehrsexperten warnen, Fahrer könnten durch diese Werbung abgelenkt werden und Unfälle verursachen. Genauso sehr stossen sie sich an den Beiträgen auf den Tafeln, denn diese beziehen sich oft auf Fahrgewohnheiten, die zuvor in Fragebogen-Aktion erkundet worden sind. Raser etwa lesen: «Kurven gibt es, damit sie geschnitten werden. »

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