Zu guter Letzt: Sleepless im Zeitungswesen

Es soll ja Menschen geben, die nachts kein Auge zutun. Die liegen dann ruhig im Bett und warten auf den Morgen oder beschäftigen sich mit sinnigen Dingen wie Frühfernsehen oder Online-Games, damit sie nicht die Gedanken schon morgens um vier bei der Arbeit haben.


Es soll ja Menschen geben, die nachts kein Auge zutun. Die liegen dann ruhig im Bett und warten auf den Morgen oder beschäftigen sich mit sinnigen Dingen wie Frühfernsehen oder Online-Games, damit sie nicht die Gedanken schon morgens um vier bei der Arbeit haben.  
Der deutsche Medienkonzern Axel Springer hat nun ab dem 1. Dezember 2006 für alle Schlaflosen eine Hotline eingerichtet, bei der man rund um die Uhr anrufen kann. So bietet man endlich den Anzeigenkunden einen Service, denen abends um elf oder eben morgens um vier Uhr einfällt, eine Anzeige aufgeben zu müssen. Oder die schlaflos im Bett liegen und sich nichts sehnlicher als ein Abonnement der Bild-Zeitung wünschen – zum Schäfchenzählen.
 
Aber Kunden dürfen auch zu unmenschlichen Stunden ihren Dampf über die Printprodukte des Konzerns ablassen. Denn gerade dafür wurde der neue 24-Stunden-Service ja eingerichtet: Um den Kunden die Möglichkeit zu bieten, rund um die Uhr Fragen zu stellen, Anregungen zu geben oder auf Missstände hinzuweisen. Axel-Springer-Mitarbeitende dürfen sich freuen, denn sie werden künftig wohl auf ihren normalen Lebensrhythmus verzichten müssen. Denn ihre Telefonnummern – die von Abonnenten-, Anzeigen- und Leserbetreuungen notabene – bleiben erreichbar und die Hotline darf Anrufer direkt weiterleiten.
 
Die Konzernleitung bei Springer hat sich das folgendermassen gedacht: «Mit dem Axel-Springer-24-Stunden-Service wollen wir unseren Kunden schnell und unkompliziert einen kompetenten Ansprechpartner vermitteln, unser Angebot verbessern und jederzeit erreichbar sein. Unser Ziel, spätestens 2010 Europas kundenfreundlichstes Medienunternehmen zu sein, rückt damit ein Stück näher». Vielleicht hat der Medienkonzern so auch durchschlagenden Erfolg bei den Schlafproblemen seiner Kunden. Das bei den eigenen Mitarbeitenden spätnachts eventuell auftretende Müdigkeitsgähnen ist ja bekanntlich sehr ansteckend.

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