Zu guter Letzt: Poesie inmitten von alltäglichen Anzeigen
Die Edizioni Periferia haben einen kleinen Schatz entdeckt: ein Prosagedicht des Künstlers Dieter Roth. Der Dichter hat es unter dem Titel «Das Tränenmeer» in Form von unscheinbaren Kleinanzeigen veröffentlicht.
In den Jahren 1971/1972 schaltete Dieter Roth inmitten von alltäglichen Anzeigen für Busreisen, Frisierangeboten und Linderungsmitteln gegen Verstopfung im Luzerner Stadtanzeiger eine Inserate-Serie, die viele ratlos stimmte. Er nannte seine poetischen Miniaturen «Tränen». Diese sollten zusammengenommen über 220 folgen hinweg ein Poem ergeben. Gesamthaft lese sich das ganze wie die freie Variation einer begrenzeten Motivpalette: Tränen, Stein, Meer, Schiff, Worte, Sprache, Weisheit, Weinen. So heisst es in einer SDA-Mitteilung. Die Sätze kümmerten sich nicht um landläufige Logik und verrieten ausserdem im Kontext des Gratisanzeigers eine wilde Freiheit. Unter einer Werbung der Zürcher Kreditbank für Abhilfe bei Geldbedarf steht darauf in Roths Inserat «Das Tränenmeer».
Wie Roth selbst anmerkte seine die Inserate-Seiten seien «ein grosser Schrotthaufen». Sie würden, auch wenn sie im Meer der Anzeigen fast untergingen, die Leser auf der ihrer Suche nach wohlfeilen Angeboten durchaus zu verwirren. Der Stadtanzeiger stoppte die Inserate jedoch nach 130 Folgen von sich aus. Leser sollen angeblich dagegen protestiert haben, da sie sich gestört fühlten, oder die poetischen Sätze als Aggression empfanden. Werbung gibt sich heute kreativ, locker und aufgeschlossen – doch eine Inserate-Botschaft, die für nichts wirbt, würde wohl immer noch irritieren.
Wie Roth selbst anmerkte seine die Inserate-Seiten seien «ein grosser Schrotthaufen». Sie würden, auch wenn sie im Meer der Anzeigen fast untergingen, die Leser auf der ihrer Suche nach wohlfeilen Angeboten durchaus zu verwirren. Der Stadtanzeiger stoppte die Inserate jedoch nach 130 Folgen von sich aus. Leser sollen angeblich dagegen protestiert haben, da sie sich gestört fühlten, oder die poetischen Sätze als Aggression empfanden. Werbung gibt sich heute kreativ, locker und aufgeschlossen – doch eine Inserate-Botschaft, die für nichts wirbt, würde wohl immer noch irritieren.
