Zu guter Letzt: Geschmackloser Kitsch

Ein gigantischer Louis Vuitton Koffer auf dem roten Platz erhitzte während Tagen die russischen Gemüter. Dass der historische Ort für auffällige Werbung herhalten muss, ist aber nichts Ungewöhnliches. Es scheint fast so, als habe einfach Louis Vuitton in Russland an Prestige verloren.

Der Kreml forderte auf öffentlichen Druck hin den Abbau des Werbepavillons, der eigentlich bis Mitte Januar da hätte stehen sollen. Es müsse «Rücksicht genommen werden auf die Gefühle in Teilen der Gesellschaft» sagte auch ein Sprecher des Einkaufstempels GUM, der den Koffer mitverantwortete. Viele Medien beriefen sich auf die Erklärung eines kommunistischen Abgeordneten, in den Augen der Bevölkerung werde der «heilige» Ort durch die Kommerzialisierung herabgewürdigt.

In der Vergangenheit hatte die Bevölkerung aber nichts gegen Kommerz am roten Platz einzuwenden. Das Nobelkaufhaus GUM hatte erst diesen Sommer einen riesigen verspiegelten Pavillon aufgestellt, in dem die Herbst-Winter-Kollektion von Dior präsentiert wurde. Der rote Platz diente auch schon als Bühne, Eisbahn oder sogar als Motorradrennbahn. Und das verletzte keine patriotischen Gefühle.

Vielleicht finden auch einfach weite Kreise der russischen Bevölkerung die Marke Louis Vuitton mittlerweile geschmacklos. Dann muss man sich den Louis Vuitton Koffer auf dem roten Platz etwa so vorstellen, wie eine Mc Donalds Filiale neben dem Schauspielhaus Zürich. (sis)

 

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