Zu guter Letzt: Germany’s Next Hausfrauentest
Jung von Matt/Elbe hat den Hausfrauentest wörtlich genommen. Das Resultat kann sich sehen lassen – und zwar täglich vier Stunden.
Die Bezeichnung ist zweifelsohne subtil abwertend. «Hausfrau» bedeutet in dem Zusammenhang: Bekommt von allem nichts mit, hat kein Hintergrundswissen – muss aber überzeugt werden, da konsumfreudig. Höchste Zeit also, den Begriff ausnahmsweise mal wörtlich zu nehmen. Und höchste Zeit, einmal echte Hausfrauen nach ihrer Meinung zu fragen. Jung von Matt/Elbe hat sich der Sache angenommen und stellt der kreativen Allgemeinheit ein äusserst effizientes Tool zur Verfügung: Sylvia, Viola und Regine. Die drei authentischen Hausfrauen im Alter von 33, 43 und 52 Jahren sitzen täglich im «häufigsten Wohnzimmer Deutschlands» (eingerichtet 2004 in den Räumlichkeiten der Agentur) auf dem Eck-Sofa – vor der Web-Cam. Zwischen 14 und 18 Uhr kommentieren, bewerten, kritisieren oder loben sie, was man ihnen Kreatives per Mail zusendet. Die Zeit zwischen den eingesendeten Arbeiten vertreiben sich die Damen mit Gesprächen über Gott und die Welt.
«Solltest Du mit einer womöglich unveröffentlichten Arbeit teilnehmen, bedenke, dass das gesamte Internet dabei zusieht.» warnt «der offizielle Ausrichter dieser Aktion», Jung von Matt auf der Website Hausfrauentest.tv. Das hindert die drei Hausfrauen nicht daran, die eingesandten – meist bekannten – Werbespots mit einer erfrischenden, unbelasteten Direktheit zu beurteilen. Wenn etwas lustig ist, wird gelacht. Wenn nicht – und das hat der nervige Snickers-Spot mit Aretha Franklin längst verdient – ist es die «billige Kopie des Spots vorher…in der Umkleidekabine…der war lustig». Endlich hat mal jemand ausgesprochen, dass der Spot – so gut die Idee sein mag – nicht lustig ist. Das kann nur ein echter Hausfrauentest.
Das Projekt steht in den ersten zwei Wochen für jedermann frei zur Verfügung. Laut W&V ist ab März geplant, die Idee als seriöses Marktforschungs-Tool zu etablieren: «Unternehmen, Agenturen und Werbungtreibende können ab diesem Zeitpunkt aus einer Vielzahl von Hausfrauen auswählen und von ihnen ihre Kampagne testen lassen – dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit.» Klingt einleuchtend. (hae)

