Zu guter Letzt: Fünf Bypässe und ein bisschen Marketing

Der die Schweiz zur Zeit am meisten bewegende materielle Gegenstand ist das Hirn des Finanzministers. Dann kommen die Bypässe und dann sein bewusstloser Körper. Wieviele Bypässe haben Sie gezählt?

Der die Schweiz zur Zeit am meisten bewegende materielle Gegenstand ist das Hirn des Finanzministers. Die zentrale Frage lautet: Wird es wieder, oder hat der Biorechner des Ministers, gefüllt mit höchstwahrscheinlich unbezahlbaren Daten über die Schweizer Finanzszene, einen irreparablen Schaden?
So irre wie dieses voyeuristische Hineindenken in Herr Merz‘ Hirn über Raum und Zeit hinweg waren vielleicht nur noch die Bekanntgabe der Anzahl Bypässe (es sind 5) oder sein von allen Seiten gefilmter und fotografierter, bewusstloser Körper, wie er vom Helikopter auf einer Bahre zum Spital gerollt wurde. Da konnte man sogar die Schläuche zählen, die von allen Seiten in sein Körperinneres führten.
Das Inselspital Bern, wo sich die Szene abspielte, hatte mit den Fotografen und Filmteams hingegen abgemacht, dass der Patient nicht erkennbar sein dürfe. Aber wie kann mans den Fotografen verdenken. Die Vierteldrehung am Objektiv – und damit Herr Merz‘ Gesicht gross im Bild – ist einfach zu verlockend.
Das Inselspital wehrt sich jedoch gegen den Vorwurf, das Patientengeheimnis werde aufgeweicht. Dass das ganze Land alles über Herr Merz‘ Gesundheitszustand weiss, hat man seiner Familie zu verdanken. Allerdings hat sich das Spital auch nicht nicht gerade für die Diskretion stark gemacht.
Es bestehe ein grosses Informationsbedürfnis, und das bediene man, zitiert die Basler Zeitung den Inselspital-Kommunikationschef Markus Hächler. Man könne Fernsehjournalisten doch nicht im Regen stehen lassen, wenn sie schon mal da seien. Mit Profilierung und Marketing des Inselspitals, das um den Spitzenplatz bei der Herzchirurgie kämpft, habe das nichts zu tun.

More articles on the topic