Zu guter Letzt: Der seltsame Preis für moralische Grösse

Die Entrüstung war in den entsprechenden Kreisen gross, als das Axel Springer Blatt Bild Deutschlands Chef-Feministin Alice Schwarzer als Werbeträgerin für das Boulevard-Blatt lancierte und Jung von Matt darunter textete: «Jede Wahrheit braucht eine Mutige, die sie ausspricht». Die Entrüstung wuchs ins Unermessliche, als die Abgebildete zugab, dass sie nicht gegen ihren Willen missbraucht wurde, sondern für gutes Geld posierte.

 Die Entrüstung war in den entsprechenden Kreisen gross, als das Axel Springer Blatt Bild Deutschlands Chef-Feministin Alice Schwarzer als Werbeträgerin für das Boulevard-Blatt lancierte und Jung von Matt darunter textete: «Jede Wahrheit braucht eine Mutige, die sie ausspricht». Die Entrüstung wuchs ins Unermessliche, als die Abgebildete zugab, dass sie nicht gegen ihren Willen missbraucht wurde, sondern für gutes Geld posierte. In den einschlägigen Blogs ist seit Schwarzers Eingeständnis der Teufel los. Unglaublich sei das, verraten habe sie die ganze Sache, ja nachgerade prostituiert habe sie sich mit ihrem Werbeauftritt für ein Blatt, das regelmässig nackte Frauen abbilde. Die Angeschwärzte sieht das Gezeter ziemlich gelassen und konstatiert trocken, dass es der Sache der Frauen sicher nicht schade, wenn im Rahmen der Kampagne auch ein weiblicher Kopf in der Reihe von Willy Brandt bis Mahatma Ghandi auftauche. Ihr Honorar habe sie übrigens umgehend für wohltätige Zwecke eingesetzt. Zudem ändere ihr Engagement für die Bild-Zeitung rein gar nichts an ihrer kritischen Haltung dem Blatt gegenüber, das sie in ihrem Magazin Emma schon wiederholt umfangreich in die Pfanne gehauen hatte. Recht hat sie. Alice Schwarzer ist ja weder Jesus noch sonst wie heilig, sondern eine moderne Frau in einer beschleunigten Welt – von einem Model in einer Panthène-Werbung verlangt ja auch niemand, dass es das Produkt klasse findet.

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