Zu guter Letzt: Blick in die Kristallkugel
Trotz Sommerflaute gibt’s Journalisten, die schon lange wissen, über was sie schreiben wollen. Nur fehlt ihnen noch das nötige Interviewpersonal dazu. Der Newsletter Ron Orp schafft Abhilfe - und gewährt dabei einen Vorgeschmack auf die Medienberichte der Zukunft.
Wie sollen wir denn heute bloss unser Medium vollkriegen, fragen sich die Journalisten zur Sommerzeit. Heuer allerdings gabs ja allerlei Aufregendes zu berichten: Nef, Libyen und UBS füllten die Seiten und Sendeminuten. Und es gibt ja auch Berufskollegen, die schon lange wissen, über was sie schreiben wollen. Nur fehlt ihnen noch das nötige Interviewpersonal dazu. Kein Problem, denn der Newsletter Ron Orp führt auf der zugehörigen Website freundlicherweise die Rubrik «Journalist sucht…». Hier stöbern Journalisten jene Leute auf, die aus erster Hand über ein interessantes Thema plaudern können. Gleichzeitig kann sich der geneigte Konsument einen Vorgeschmack verschaffen darauf, was demnächst in den Medien seiner Wahl zu sehen sein wird: Das Magazin Fritz und Fränzi sucht eine Familie mit hochbegabtem Kind, der Beobachter einen charismatischen Strassenmusiker und Wir Eltern möchte live bei einer Geburt dabei sein. Besonders Konjunktur haben derzeit erotische Themen: Da möchte einer für ein Buchprojekt von sexuellen Fantasien hören, ein Drehbuchautor sucht jemanden, der einen flotten Dreier inklusive eigenem Partner hinter sich hat, und sogar das aktuelle Modethema «aufgespritzter G-Punkt» soll noch vertieft werden – natürlich mit einer sozusagen direktbetroffenen Dame. Vielleicht liegts am Sommerwetter, dass in den Journalistenköpfen heisse Themenideen rumspuken. Oder vielleicht hofft man wieder mal auf die verkaufsfördernde Kraft des Sex.
