Zu guter Letzt: Blick erklärt die Paywall

Für Tele M1 gabs heute Rüffel aus dem Hause Ringier. Grund: Die Verwendung von Bildern, die eigentlich exklusiv dem Blick vorlagen.

Was folgte war eine Erklärung an die Adresse der Aargauer: Nicht alles im Internet sei gratis, so Chefredaktor Ralph Grosse-Bley. Eigentlich kann man hier Blick nur beipflichten. Ohne Quellenangabe Inhalte anderer zu übernehmen – pfui! Dazu braucht es aber weder Paywall, noch Paywall-Erklärung. Einen Moment lang lag der Verdacht im Raum, Blick hätte heimlich die Paywall eingeführt, statt wie angekündigt bis spätestens Herbst 2013 zu warten. Für konkurrierende Medienunternehmen gelten die Anstands- und Benimmregeln auch ohne Paywall.

Anders sieht es natürlich aus, wenn ein Bus voller Schulkinder im Wallis gegen eine Tunnelmauer prallt. Im März 2012 veröffentlichte die Medienwoche ein von Ringier geführtes Interview mit Ralph Grosse-Bley (sic!), in welchem dieser zu den Vorwürfen der flämischen Medienministerin Stellung nahm. Diese kritisierte, nur weil Bilder im Internet verfügbar seien, dürften diese noch lange nicht verwendet werden – die Schweizer Zeitung zeigte Bilder der verstorbenen Kinder. Gefunden in sozialen (und Paywall-freien) Netzwerken. Zitat Grosse-Bley: «Schauen Sie, um dieser Tragödie ein Gesicht zu geben, um sie fassbar zu machen, kann man nicht einfach nur bloss einen Tunnel, einen zerstörten Bus und eine Pannen-Nische zeigen.» Man mache die Zeitung für die Leserinnen und Leser, nicht für den Presserat und die Medien-Journalisten der Konkurrenz.

Vielleicht wollte Tele M1 die Morde auch etwas fassbarer machen und nicht bloss das Gemeindehaus von Dulliken SO (Archivbild) zeigen. Aber bis eines Tages die ganze Welt die Paywall eingeführt hat, gilt: Es ist so eine Sache mit dem allgemeinen Respektieren von Bildrechten.

Thomas Häusermann

paywallblick_0
Quelle: Blick, 17. Dezember 2012

More articles on the topic