Von Kindern und Koks

Amazon musste wieder einmal eien Shitstorm über sich ergehen lassen. Grund: Kokain-verherrlichende Kinder-Shirts im Angebot.

enjoy-cocaine

Das Sortiment von Amazon, dem weltweit führenden Onlinehändler, ist heute derart gross, dass die ständigen Produkt-Verfehlungen nicht verwundern. Immer wieder gerät der Gigant unter Beschuss, weil Nutzer fragwürdige Artikel, welche Dritthändler über die Plattform vertreiben, ausmachen. Vermutlich in der Annahme, Amazon prüfe jeden Artikel einzeln, ehe er ins System aufgenommen werde. So ist die Plattform in der Vergangenheit etwa vermehrt unter Beschuss geraten, weil darüber Nazi-verherrlichende Artikel zu kaufen waren.

Zur Einordnung: Im Januar 2017 vertrieb Amazon 229 Millionen (!) Produkte. Und heute dürften es gar noch mehr sein. Oder mit anderen Worten: Amazon hat – solange sich niemand beschwert – meist keine Ahnung, wer was unter dem Label «Amazon» verkauft. Und solange sich niemand beschwert und der Rubel rollt, ist es der Plattform auch egal.

Der neuste Fauxpas: Kindermode, die nicht mal in der Erwachsenengrösse lustig ist. «Enjoy Cocaine» steht auf den T-Shirts – angelehnt an den Coca-Cola-Claim «Enjoy Coke». Bekannte Markenlogos originell abzuändern (etwa «Adihash» oder «Würger King») war in den 90er Jahren ein beliebter T-Shirt-Scherz – und ist seither berechtigterweise von der Bildfläche verschwunden.

Eine britische Kundin deckte die mehr als fragwürdigen Kinderkleider auf und machte sie über Twitter publik. Worauf die Medien – unter anderem The Sun und The Telegraph – die Geschichte aufnahmen. Amazon UK ruderte darauf hin sofort zurück und entfernte die strittigen Produkte aus dem Verkaufsprogramm. Die Erklärung seitens Amazon: «Alle Marketplace-Verkäufer müssen unseren Verkaufsrichtlinien folgen. Diejenigen, die dies nicht tun, werden mit Massnahmen konfrontiert – einschliesslich einer möglichen Entfernung ihres Kontos. Die fraglichen Produkte sind nicht mehr verfügbar.»

Viele User sind jedoch genervt, dass Amazon immer erst reagiert, wenn Beschwerden eintreffen. Statt zu agieren und fragwürdige Produkte gar nicht erst ins Sortiment aufzunehmen. Dieser fromme Wunsch lässt sich aber wohl schlichtweg nicht mit einem Sortiment in dreistelliger Millionenhöhe vereinbaren. (hae)

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