Die rasende Prinzessin
Audi kämpft gegen festgefahrene Rollenbilder am Steuer – und beim Spiel.

Wie schlau es ist, einen dreiminütigen animierten Weihnachtsspot erst am 24. Dezember auf Youtube zu stellen, sei dahingestellt. Vielleicht ist «Let’s change the Game» nicht vorher fertig geworden. Aufwendig genug sieht der animierte Gender-Mahnfinger ja aus. Jedenfalls liesse sich so erklären, wieso der Film zwei Wochen nach Veröffentlichung erst knapp 26’000 Klicks aufweist. Am 24. sind die Kollegen von Adweek & Co. vermutlich bereits in den Ferien und so findet man den Spot bisher auf so gut wie keinem grossen Branchenportal.
Dabei hätte der Film eigentlich durchaus etwas Aufmerksamkeit verdient. Eine Mischung aus «Toy Story», «Find the One» von Triumph/Stories und #LikeAGirl. Erzählt wird die Geschichte der Spielfigur Nicole. Die Prinzessin hat die ihr zugedachten Aufgaben satt und will statt in der Kutsche lieber hinter dem Steuer des rasanten Audi R8 sitzen.
So kämpft Audi nicht nur dafür, dass Kinder geschlechterunabhängig und unbeschwert mit den Spielsachen spielen sollen, auf die sie gerade Lust haben – egal ob Puppe oder Rennauto. Sondern natürlich auch für mehr Frauen auf dem Fahrersitz von «Männerautos». Besonders, wenn es sich um teure Sportwagen von Audi handelt. Stöckelschuhe vielleicht aber vorher besser ausziehen.
Ein Blick in die Youtube-Kommentare zeigt: Bei den Zuschauern kommt der Spot gut an. Vielleicht wird es ja doch noch etwas mit der Viralität – nach Weihnachten ist bekanntlich vor Weihnachten. Oder vielleicht gibt es zumindest in Deutschland noch etwas Empörung, weil der gezeigte Audi die Nummer 88 auf dem Nummernschild trägt. (hae)
